Gründonnerstag
2002 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten soeben den Bericht über die Fußwaschung. Jesus erweist seinen Jüngern einen Tag vor seinem Tod einen außergewöhnlichen Liebesdienst. Er erniedrigt sich bis zum Sklaven. Keiner sonst muss einem anderen die Füße waschen.

Daher können wir erstens sagen: Der Gründonnerstag ist der Tag des Dienens.

Durch dieses Dienen will Jesus auf ein Zweifaches deutlich hinweisen:

1. Wer der Größte sein will, soll der Diener aller sein. Das, was heute Großes an den Aposteln geschieht, hat letztlich nur einen Zweck: Sie werden in den Dienst genommen. Die Jünger Jesu werden zu einem ganz besonderen Dienst ausgewählt. Jesus weiht sie zu Priestern – zu seinen Priestern, wenn er ihnen am Gründonnerstag die Feier der heiligen Messe mit folgenden Worten aufträgt: Tut dies zu meinem Gedächtnis!

Den Aposteln muss gleichzeitig bewusst sein, dass sie am Altar nie in ihrem eigenen Namen handeln werden, sondern in der Person Christi. Jesus überträgt ihnen für die Zukunft die Feier des heiligen Messopfers – eine große Aufgabe. Letztendlich jedoch ist diese Wandlungsvollmacht ein Dienst an Gott und den Menschen. Priestersein heißt Diener aller sein. Wer das vergisst, indem er hochmütig wird, versteht die Priesterweihe falsch! Wer das falsch versteht, indem er sein Handeln nur an den Forderungen der Menschen und nicht am Willen Gottes ausrichtet, versteht die Priesterweihe ebenso falsch!

2. Jesus gibt uns durch die Fußwaschung einen überaus deutlichen und unübersehbaren Hinweis auf die Reinheit. Petrus sträubt sich: Du Herr, willst mir die Füße waschen? – Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht, doch später wirst du es begreifen. – Niemals! Petrus kapiert in diesem Moment wirklich nicht, was Jesus mit dieser Aktion bezwecken will.

Wie würden Sie reagieren, wenn jemand Ihnen die Füße waschen wollte? Ich selbst würde mich wahrscheinlich genauso sträuben wie Petrus. Doch wenn wir einen Sprung nach vorne denken und auf das Osterfest schauen, dann bemerken wir folgendes: Die Fußwaschung ist schon ein Vorzeichen auf das Ostergeschenk Jesu – auf die heilige Beichte. Im heiligen Sakrament der Buße werden uns die Sünden abgewaschen, sodass wir wieder ganz rein werden.

Petrus ließ es schließlich mit sich geschehen. Jesus konfrontiert ihn mit den Folgen: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir! Auf diese Worte hin lässt er sich waschen. Jesus selbst tut diesen Dienst an uns – auch das ist ein eindeutiger Hinweis auf die heilige Beichte. Durch die Lossprechung des Priesters – der wiederum in der Person Christi handelt – werden wir von unseren Sünden gereinigt. Jesus selbst wäscht uns unsere Schuld ab.

Außerdem ist der Gründonnerstag ein Tag der Liebe:

Es ist der Tag der Einsetzung der Eucharistie, des Sakramentes der Liebe. Jesus vertraut in der Feier des Letzten Abendmahls sich selbst seinen Aposteln an.

So wie sich Jesus in dieser Nacht noch den Feinden übergeben wird, so hat er sich jetzt aus Liebe seinen Freunden übergeben. Sie dürfen das Geheimnis des Glaubens feiern, durch das er immer wieder gegenwärtig wird: Ich bin jetzt unter euch. Ich will mich jetzt wieder für euch hingeben, mich euch schenken im Brot des Lebens, als mein Fleisch und mein Blut. So wie ich mein Leben hingebe aus Liebe, so schenke ich mich ganz in der Eucharistie.

Der Gründonnerstag ist drittens der Tag der Finsternis – der Tag des Verrats.

»Es war aber Nacht«, heißt es, als Judas den Bissen genommen hat und in die Finsternis hinausgeht. Es ist unbegreiflich, dass einer aus dem Zwölferkreis – aus dem engsten Freundeskreis also – zu so einer Tat fähig ist. Auch von den anderen 11 schöpft niemand Verdacht. Der Verrat aus den eigenen Reihen macht die Nacht so dunkel und finster. Umso mehr schmerzt der Kuss des Judas bei der Verhaftung. Mit einem Kuss verrätst du den Menschensohn? Dieses schöne Zeichen der Liebe wird dadurch entehrt. So kommt die Finsternis über den Tag der Liebe.

Es ist der Tag des Dienens, weil Jesus sich erniedrigt und seinen Aposteln die Füße wäscht. Es ist der Tag der Liebe, weil Jesus das Sakrament der Liebe, die heiligste Eucharistie einsetzt.

Es ist aber auch der Tag der Finsternis, weil Judas Jesus verrät.

Aber die Finsternis bleibt nicht – sie muss schlussendlich dem Licht weichen. Die liturgischen Feiern des Gründonnerstags enden mit der Stille vor dem Allerheiligsten. Auch uns treffen die Worte Jesu bis ins Herz: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wie lange können wir heute wachen? Vor dem Allerheiligsten und nicht zuhause vor dem Fernseher!

Schlussendlich werden auch wir in die finstere Nacht hinausgehen. Doch wenn wir wirklich sehr lange vor dem eucharistischen Herrn verweilt haben, werden wir schließlich sogar die ersten Strahlen eines aufgehenden Lichtes sehen. Nicht das Licht von den Fackeln und Laternen der Hohenpriester und der römischen Soldaten, sondern das leuchtende Osterlicht.

Schon am Gründonnerstag schimmert das Licht der Osterkerze am Horizont. Das Licht der Auferstehung lässt sich nicht aufhalten. Wenn wir nach einer gewissen Zeit der Anbetung nach Hause gehen, wissen wir, dass die Nacht nicht ewig bleibt. Auch die Nacht des Bösen dauert nicht ewig – schon bald bricht der Ostermorgen an. Der Glanz des Ostersieges leuchtet schon von weitem und wird unsere Herzen immer mehr erhellen, bis die Welt durch die Auferstehung Christi vollkommen erleuchtet wird. Amen.

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