11. Sonntag im Jahreskreis
2002 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!«

Dieser Satz Jesu ist eindeutig. Geistliche Berufe können nicht erzeugt werden. Priester kann ich nicht fabrizieren wie am Fließband, sondern wir können sie nur erbeten. Voraussetzung für den Priesternachwuchs ist das Gebet der Gläubigen. Solange beim gläubigen Volk nicht wieder die Sehnsucht nach guten Priestern wächst und nicht ein Gebetssturm beginnt, wird sich wenig ändern.

Die Kirche erneuert sich nur durch eine neue Priestergeneration, die sich das Volk Gottes erbitten muss. Alle Versuche wie »Tage der offenen Tür« im Priesterseminar, in den Orden, alle Versuche wie Kloster auf Zeit, sind gut gemeint, gehen aber ins Leere, wenn wir Gott nicht mehr mit unserem demütigen Gebet bestürmen. All das wird wenig nützen, wenn wir es versäumen, Gott um eifrige und treue Priester zu bitten.

Gerade aus diesem Grund sprießen in den manchen Gegenden Gebetskreise hervor, die sich in besonderer Weise um dieses brennende Anliegen der Kirche bemühen. Ich wiederhole noch einmal, dass eine neue Priestergeneration kommen muss, damit die Kirche neu erblühen kann. Am 29. Juni finden in vielen Diözesen Priesterweihen statt. Dabei legt der Bischof jungen Männern die Hände auf und sendet sie als Arbeiter in den Weinberg Gottes. Beten wir für diese Neupriester, dass sie dem Ruf des Herrn immer treu bleiben.

Vielfach versucht man der immer größer werdenden Priesternot durch Strukturveränderungen beizukommen. In manchen Diözesen werden die Seminaristen in die Pfarren geschickt, wo sie neben dem Studium auch Erfahrungen in der Praxis gewinnen sollen. Oft herrscht große Ratlosigkeit.

Was sagt Jesus dazu? »Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden!«

Wir alle – auch Sie – sind aufgerufen, dieses Anliegen der Kirche aufzugreifen und nicht tatenlos zuzusehen, sondern um Priester zu bitten, zu Gott zu rufen, zu flehen. Bittet und es wird euch gegeben! Die Kirche darf keine Erneuerung erwarten von einer Fülle von Pastoralassistenten, deren Aufgabe darin zu bestehen scheint, neue Modelle für die Gottesdienstgestaltung zu entwickeln, um am Sonntag mehr Leute in die Kirche zu locken. Die Kirche wird nicht erneuert durch ein Heer von Kommunionhelfern, Laienpredigern, Priesterinnen oder durch die Abschaffung des Zölibates.

Nein, gerade dadurch kommt es zu dieser Identitätskrise des Priesters.

Dadurch ist das katholische Weihepriestertum in Gefahr. Es gibt Kräfte – auch in der Kirche –, die bewusst gegen das von Christus eingesetzte Priestertum vorgehen; die überhaupt keine Priester mehr wollen. Der Priester wird – wie ein Sonntagsbraten mit dem Messer – so lange in seine Funktionen zerlegt, um die Stücke weiterzureichen, bis nichts mehr übrig bleibt. Nur Aufgaben, die jeder Laie erledigen könnte, werden dem Priester »gutmütig« überlassen. Dienste, die in der modernen Welt sowieso unerwünscht und unbeliebt sind, werden ausgehungert, zum Beispiel die heilige Beichte.

Manche schwärmen von Wochenend- Priestern und Teilzeitpriestern, von Priestern auf Zeit, Priestern, die einen vernünftigen bürgerlichen Hauptberuf, natürlich mit Familie, ausüben und so nebenher abends und sonntags noch die paar kultischen Handlungen verrichten.

Aber das katholische Volk will den Priester ganz!

Wie froh ist doch jede normale und vernünftige Pfarre, wenn sich ein Priester vor Ort um ihr Seelenheil kümmert. Der Priester ist nicht bloß die Häufung von unzähligen Einzelfunktionen, die eventuell auch jemand anderer erledigen könnte. Das Priestertum erhielt seinen Auftrag von Jesus Christus selbst.

Der Priester ist heutzutage in der Gefahr, ein Manager zu werden. Er ist oft nicht mehr nur Seelsorger. Für eine Erneuerung des Priestertums ist es unbedingt notwendig, sich auf die wesentlichen Dienste eines Priesters zu konzentrieren.

Wenn wir unsere Augen nun vom Priester auf die Mütter lenken, erkennen wir, dass nicht nur das Priestertum, sondern auch das Muttersein in Gefahr ist. Die Mutter wird in ihre einzelnen Tätigkeiten im Haushalt zerlegt: Pflegerin, Köchin, Kindermädchen, Krankenschwester und vieles mehr. Tja, und weil die Mutter sowieso eine altmodische und aus grauer Vorzeit stammende Gestalt ist sowie entbehrlich und ersetzbar (ausgenommen wird gerade noch der Geburtsakt), wird ihr Abtritt von der Bühne der Familie schön langsam vorbereitet. Andere, professionelle Personen von außerhalb können ja ihre Aufgaben übernehmen. Dann wächst das Kind im Hort und in der Ganztagsschule auf.

Aber seien wir ehrlich! Wir alle wissen, dass all diese Ersatzmütter die wahre Mutter nie ersetzen können! Genauso wenig können zig Laien den Priester ersetzen. Der Priester kann nur durch den Priester ersetzt werden. Alles andere wäre eine Scheinlösung. Wir brauchen wahre Priester und nicht Ersatzpriester!

Die Mutter braucht man nur mehr zur Geburt selbst. Parallel dazu kommt der Priester ein Mal im Monat, um Hostien zu konsekrieren, die dann an den folgenden Sonntagen beim Wortgottesdienst verteilt werden.

Umso dringender ist das Gebet um Priesternachwuchs. Die katholische Kirche ohne Priester gibt es nicht. Jesus hat seine Kirche auf das Fundament der Apostel gegründet. Wer euch hört, der hört mich. Er hat ihnen den Auftrag gegeben, die heiligste Eucharistie zu feiern und dadurch sein Opfer am Kreuz gegenwärtig zu halten. Beten wir also, dass viele junge Menschen den Ruf Gottes hören und in die Ganznachfolge eintreten. Amen.

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