Ostersonntag
2002 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Heute hörten wir eines der ergreifendsten Evangelien überhaupt – das Zeugnis der Maria Magdalena. Das Evangelium der liebenden Frau. Als es noch dunkel ist, geht sie zum Grab. Weinend, traurig. Es zieht sie zu ihrem geliebten Herrn hin. Dunkelheit herrscht über der Stadt Jerusalem – aber auch in ihrem Herzen ist es dunkel. Am Karfreitag ist für Maria Magdalena eine Welt zusammengebrochen. Karfreitag – der absolute Nullpunkt. Die Trauer über den Tod des Herrn nagt an ihr. Die Sehnsucht treibt sie zum Grab.

Doch was entdeckt sie?

Das Grab ist leer. Jetzt auch noch das! Der Leichnam ist weg – verschwunden! Eine Frage taucht in ihren Sinnen auf: Hat man jetzt auch noch den Leichnam des Herrn gestohlen???

Maria Magdalena steht kurz vor dem Wendepunkt. Hat sie schon eine Vorahnung? Sofort eilt sie zu Petrus und Johannes, um ihnen zu berichten. Und diese beiden starten ihren Wettlauf zum Grab. Obwohl der jüngere Jünger schneller ist, überlässt er dem Petrus den Vortritt ins Grab. Johannes weiß genau, auf wen Jesus seine Kirche bauen will.

Ganz aufgeregt kehren die beiden Wettläufer zum Rest der Jüngerschaft zurück. Ja, es ist wahr! Das Grab ist leer.

Währenddessen ereignet sich vor dem Grab die Szene der Tröstung. Die Liebe der Maria Magdalena zu ihrem Herrn wird belohnt. Maria weint vor dem Grab. Sie ist nun völlig verwirrt. Was kann hier nur passiert sein??? Zuerst fehlt der Stein vor dem Grab, dann holt sie die beiden Jünger, die schließlich voller Aufregung wieder davonlaufen. Maria weiß nicht, was sie von all dem halten soll.

In dieser seelischen Verfassung erscheint ihr Jesus. Maria Magdalena ist so verwirrt durch die Geschehnisse, dass sie ihren geliebten Herrn nicht einmal wieder erkennt. Wahrscheinlich schaut sie mit ihren verweinten Augen auch nicht so genau hin. Im Moment beschäftigen sie andere Dinge.

Denken wir voraus an die Jünger von Emmaus, die Jesus am Anfang auch nicht erkennen. Oder: Als Jesus am Abend des Ostertages in die Mitte seiner Jünger tritt, meinen sie einen Geist zu sehen. Auch am See von Tiberias erkennen die Jünger Jesus nicht, als er sie anspricht. Und es braucht auch seine Zeit, bis ihn endlich der Lieblingsjünger Johannes als ihren Herrn identifizieren kann.

Was muss Maria Magdalena empfunden haben, als sie ihren eigenen Namen hört und dann merkt: Diese Worte spricht eine ihr allzu bekannte Stimme. Dies ist die Stimme ihres Herrn. Keine größere Freude ist für uns vorstellbar. Alles Leid ist plötzlich verschwunden. Kann das sein: Jesus lebt! Ja es ist so. Jesus ist auferstanden.

Der Auferstandene aber, er ist der Gleiche, den die Jünger gekannt hatten und doch ist er anders. Er ist in eine neue Existenzweise eingegangen. Es ist derselbe Leib. Er zeigt ihnen die Wunden, die doch nicht mehr schmerzen. Es sind Wunden ohne Schmerzen. Sein Leib ist nicht mehr an Zeit und Raum gebunden. Deshalb kann er ihnen auch bei verschlossenen Türen bzw. 500 Jüngern gleichzeitig erscheinen. Trotzdem ist er kein Geist, sondern besteht aus Fleisch und Blut. Die Wunden eines Geistes könnte niemand berühren. Jesus aber fordert den Apostel Thomas sogar auf, seine Wunden zu berühren und endlich zu verstehen, dass er von den Toten auferstanden ist.

Es ist völlig verständlich, dass alle seine Jünger außer sich sind. Zuvor ist ihr Leben von Furcht und Angst geprägt. Schließlich aber fallen diese Angstgefühle und wenden sich in aufkeimende Begeisterung. Sicher, den letzten Anstoß, die Botschaft von der Auferstehung des Herrn zu den Menschen zu tragen, erhalten die Jünger erst am Pfingsttag, als der Heilige Geist auf sie herabkommt.

Auch wir dürfen Zeugen dieser Auferstehung sein! Die Auferstehung löscht zwar weder Tod noch Leid aus dieser Welt. Aber die dunkle Mauer nach dem Tod wurde durch die Auferstehung Jesu endgültig gesprengt. Der Stein ist weg – das Grab ist leer!!! Jesus lebt wirklich und in Ewigkeit.

Darum dürfen wir das Osterhalleluja singen und uns jener Freude hingeben, die uns niemand je nehmen kann. Der Herr hat uns erlöst. Der Himmel wurde uns wieder geöffnet. Eine Wohnung ist für uns bereitet. Der Herr ist uns vorausgegangen, um sie uns vorzubereiten. Auch wir dürfen einmal mit ihm auferstehen und zum ewigen Ostern gelangen. Amen.

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© 2016 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email