23. Sonntag im Jahreskreis
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der französische König Karl VIII. fragte einmal, als er krank im Bett lag, seinen Diener: »Warum gibt es so wenig heilige Könige?« Der Diener zuckte verlegen die Achseln und schwieg. Da antwortete der König: »Das kommt daher, dass die Könige immer so viele Schmeichler um sich haben, und so wenige, die sie wegen ihrer Fehler zur Rede stellen und ihnen die Wahrheit sagen.«

Es ist zwar oft unangenehm, wenn man zurechtgewiesen wird, aber letztlich müssen wir dankbar sein, wenn wir auf etwas aufmerksam gemacht werden, was nicht in Ordnung ist. Denn dann können wir an uns arbeiten und dann können wir uns zum Positiven hin ändern. Wenn wir nicht wissen, was wir falsch gemacht haben, dann können wir uns auch nicht verbessern. Dann können wir unsere Fehler und Schwächen nicht abstellen. Das ist eigentlich ganz logisch.

Es geht aber nun auch darum, wie man zurechtweisen soll. Es gibt drei Regeln:

Erstens soll man mit Liebe zurechtweisen. Es gibt Menschen, die weisen sehr schnell zurecht, nehmen aber auf die Art und Weise keine Rücksicht. Sie sind oft zu direkt. Sie sind grob und es kann durchaus beleidigend sein. Wenn ich glaube, bei meinem Mitmenschen auf diesen Fehler nun aufmerksam zu machen, soll ich mich bemühen, es so zu formulieren, dass der andere merkt, es ist dies nicht einfach ein Kritisieren, sondern es ist gut gemeint und er möchte mir dadurch helfen. Der andere muss spüren, dass ich es aus Liebe sage.

Zweitens soll ich den richtigen Zeitpunkt abwarten. Es wäre dumm gerade dann meinen Mitmenschen zu belehren, wenn er momentan schlecht aufgelegt ist. Wir wollen klug sein und ihn nicht kritisieren, wenn er sowieso schon üble Laune hat. Vielleicht ihn erst am nächsten Tag dazu ansprechen.

Und drittens immer viel Geduld mit dem anderen haben. Bei manchen Menschen muss man warten können. Der eine wird nach einer gewissen Zeit sich vielleicht das noch einmal überlegen und es dann einsehen. Beim anderen kann es sein, dass es gut ist, wenn wir es später noch einmal versuchen und manche sehen es nie ein. Dann trifft das zu, was wir in der Lesung gehört haben: »Wenn du aber den Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und wenn er dennoch auf seinem Weg nicht umkehrt, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet.«

Wie man zurechtweisen kann, zeigt auch folgendes Beispiel: Es war eine sehr gottesfürchtige vorbildliche Familie. Da geschah eines Tages etwas in dieser Familie unerhörtes. Der ältere, zehnjährige Knabe hatte ein Fluchwort ausgestoßen. Der Vater bestellte die ganze Familie in das große Wohnzimmer. Alle fürchteten sich schon vor dem Zorn des Vaters und zitternd nahte sich der kleine Sünder heran. Doch es kam keine Strafrede über die Lippen des Vaters. Nein! Der Vater fragte nur mit trauriger Stimme voller Schmerz: »Kinder, hat eines von euch aus meinem Mund je ein Fluchwort gehört?« Dieser eine Satz wirkte mehr als die längste Predigt. Aber nur weil der Vater wirklich nie geflucht hat und sonst auch ein Vorbild war, war es wirksam. Beim nächsten Beispiel war es nämlich ähnlich. Als der Vater rügte, und sagte, dass der liebe Gott das Fluchtwort gehört hat und er strafen wird, antwortete der Sohn. Dann hat der liebe Gott auch dich gesehen, als du am letzten Freitag mit einem Rausch heimgekommen bist. Das Wort des Vaters war recht und gut gemeint, aber es war »gelähmt« durch sein schlechtes Beispiel.

Je besser man selber sich bemüht, die Gebote Gottes zu halten, um so mehr wirkt dann auch eine Zurechtweisung. Bemühen wir uns also in erster Linie selber um Heiligkeit und dann bitten wir im Gebet Gott um die richtigen Worte. Falls es wirklich einmal notwendig ist, dann kann es sein, dass wir auch jemanden zurechtzuweisen müssen.

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