29. Sonntag im Jahreskreis
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Lassen wir uns den Einleitungssatz der Pharisäer noch einmal auf der Zunge zergehen. Es wimmelt geradezu von Schmeicheleien.

 

»Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst
und wirklich den Weg Gottes lehrst,
ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen;
denn du siehst nicht auf die Person.«

 

Schleimiger geht es gar nicht. Die Pharisäer sind wie Wölfe im Schafspelz. Ich weiß nicht, wie die Pharisäer geschaut haben und wie der Ton ihrer Stimme war, als sie mit dieser Lobeshymne beginnen. Die Worte klingen sehr salbungsvoll und es wird einem fast schlecht vor Heuchelei. Viermal wollen sie scheinbar die Wahrhaftigkeit Jesu lobpreisen und anerkennen. Allein die Anrede Meister spricht schon für sich. Er ist unser Meister, der erstens immer die Wahrheit sagt. Er ist zweitens der, der den Weg Gottes lehrt. Die dritte und vierte Schmeichelei beziehen sich auf sein Verhältnis zu den Menschen. Er nimmt drittens keine Rücksicht auf uns Menschen, um uns also zu gefallen. Er redet nicht nach dem Mund und ist kein Windfändchen. Und er schaut viertens auch nicht auf die Person, z. B. auf Höhergestellte. Für ihn sind alle Menschen gleich.

Diese Einleitung ist sehr gefährlich. Man könnte meinen, die Pharisäer sind wirklich von Jesus beeindruckt. Zumindest sind sie sehr diplomatisch, wenn sie solche Formulierungen wählen. Aber in Wirklichkeit sind sie falsch. Sie sprechen mit gespaltener Zunge. Sie denken ganz anders als sie reden.

Jetzt kommt nämlich die hinterlistige Frage: »Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen?« Diese Frage ist vergiftet. Sie ist keine echte Frage in dem Sinn, dass sie auf der Suche nach der Wahrheit sind. Es heißt am Anfang ganz richtig: Sie wollen ihm eine Falle stellen.

Würde Jesus die Frage bejahen und antworten: »Ja, es ist erlaubt dem Kaiser Steuern zu zahlen«, dann hätte dies für ihn schlimme Konsequenzen. Es war nämlich die Meinung der Volksmehrheit, dass der Messias das Gottesvolk von der Fremdherrschaft der Römer befreit. Hätte also Jesus für die Zahlung der Steuer so ohne weiteres gestimmt, dann konnte er nicht der Messias sein. Er wäre nur einer der vielen ohnmächtigen Juden gewesen.

Würde er die Frage aber verneinen, dann hätte er sich die Römer zu Feinden gemacht. Sie hätten ihn sofort als einen Aufrührer verurteilen können.

Die Frage ist also wirklich gefährlich gestellt, denn entweder ist es der Verlust des Messiasanspruches oder es hätte die Hinrichtung als Aufrührer die Folge sein können.

Jesus schafft eine salomonische Lösung. Zunächst ließ er sich die Steuermünze von ihnen zeigen. Das ist allein schon ein tiefes Zeichen. Er selbst hat anscheinend keine. Sie aber, die ihn fangen wollen gegen den römischen Kaiser, haben dessen Münzen. Er lässt sie weiter entscheiden, wessen Bild und Titel auf dieser Münze ist. Beschämt müssen sie gestehen: die des Kaisers. Nach ihren eigenen Worten erfolgt dann seine Entscheidung. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.

Jesus anerkennt die römische Obrigkeit. Er fügt aber im gleichen Augenblick hinzu: »Gebt aber Gott, was Gott gehört.« Er möchte ihnen wiederum erklären, dass sein Königtum nicht eine irdische politische ist, die Fremdbesatzung vernichtet, sondern eine himmlische ist. Mit diesem Zusatz, Gott das zu geben, was ihm gehört, können sie ihm nun nichts mehr entgegensetzen.

Mit seinem Handeln in dieser Situation widerspricht Jesus in gewissem Sinn der salbungsvollen Einleitung. Die Pharisäer haben ihn ja gelobt wegen seines Verhaltens. Er kümmert sich um niemand. Er nimmt keine Rücksicht auf die Person. Aber in seiner Antwort kümmert sich um alles, besonders um die Pharisäer. Er nimmt in dieser Situation Rücksicht: Rücksicht auf die Pharisäer. Mit lieben einfühlsamen Worten erklärt er ihnen den Unterschied zwischen einem irdischen Reich und dem himmlischen Reich.

Nicht immer hat er mit solchen Worten gekontert. Ich denke nur an seine Drohungen im nächsten Kapitel 23 des Matthäusevangeliums. Da können sie lesen: »Weh euch ihr Pharisäer, ihr Schriftgelehrten, ihr Heuchler«, u. s. w.

In diesem Zusammenhang aber war es das einzig Richtige.

Die Worte Jesu sind wichtig für uns. Besonders der Satz »Gib Gott, was Gott gehört«: nämlich dich selbst. Frag dich in allem, was du tust: Was ist sein Wille? Was wünscht er von mir? Wir dürfen Gott nicht mit anderen Dingen in eine Reihe stellen, weil er über allem steht. Deshalb gehört ihm auch alles. Vor allem aber unser ganzes Leben soll ihm gehören. Geben wir uns ihm selbst ganz hin, dann erfüllen wir die Worte Jesu. Gib Gott, was Gott gehört. Amen.

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