Karfreitag
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Es ist unvorstellbar, dass Gott am Kreuz stirbt!« Das, was heute an diesem Karfreitag am Holz des Kreuzes geschehen ist, ist so unfassbar und schwer zu glauben, dass immer wieder in der Geschichte hier Irrlehren aufgetreten sind, gegen die sich die Kirche wehren musste. Die erste Irrlehre ist die des Arianismus. Sie leugnete, dass Jesus Gott ist. »Es ist unvorstellbar, dass Gott am Kreuz stirbt.« Das können wir nicht glauben. Einen Gott an einem Schandpfahl, das gibt es nicht. Die Kirche hat sich auf dem Konzil von Nizäa getroffen und entschieden. Doch: Jesus ist Gott und Mensch.

Eine erneute Irrlehre kam hervor. »Es ist unvorstellbar, dass Gott am Kreuz stirbt.« Daher hat vielleicht Gottes Sohn gar nicht so richtig gelitten, habe er keine Schmerzen gespürt. Vielleicht habe er auch allwissend, wie er als Gottes Sohn gewesen sein wird, schon die Freuden des ewigen Lebens vor Augen gehabt, als er da am Kreuz hing. Aber auch das ist falsch. Er ist wirklich gestorben, qualvoll, mit lautem Schreien und unter Tränen, wie es der Hebräerbrief unmissverständlich feststellt.

Das qualvolle Sterben des Gottes Sohnes stellt alle Gottesvorstellungen auf den Kopf. Die Götter der Griechen, der Römer, der Ägypter und so weiter sind alle schmerzunempfindlich und die großen Sieger. Unser Gott ist anders. Unser Gott wird ein leidender Mensch, er wird einer von uns. Er ist auf diese Erde gekommen, weil er uns liebt und er möchte uns durch diese Tat am Kreuz erlösen. Seine unendliche Liebe zu uns lässt ihn leiden, lässt ihn sein Blut vergießen. Das Blut Christi wäscht uns von den Sünden rein. Wir sind reingewaschen im Blute des Lammes.

Christus ist ans Kreuz gegangen, damit wir unser Kreuz leichter tragen können. Ein Blick auf diesen leidenden Gottmenschen wird uns Trost schenken. Was sind unsere Leiden hier auf dieser Erde im Vergleich zur ewigen Glückseligkeit!

Das Kreuz ragt unübersehbar in die Höhe, es überragt die Gräber. Die alten Väter der Kirche sprachen davon, dass das Kreuz Christi über dem Grab Adams aufgerichtet worden sei. Der Totenkopf, der manchmal unter dem Kreuz zu finden ist, soll auf diesen ersten Menschen hinweisen, der gesündigt hat und dessen Sünde der Grund für das Kommen des Messias ist. Warum sprechen die Kirchenväter davon, dass sich hier das Grab Adams befinden soll. Es soll hinweisen auf diese unlösbare Verbindung Adam – Jesus, der erste Adam und der zweite Adam, der neue Mensch. Jesus holt durch sein Herabsteigen den ersten Menschen, der das Heil verloren hat, aus seiner Sterblichkeit hervor. Alte Darstellungen zeigen den auferstandenen Christus, der Adam und Eva an der Hand in das Leben führt.

Das Kreuz ist also das Zeichen, dass Gott Mitleid mit dem Menschen hat und ihn aus seiner tragischen Situation herausholt. Erlösung durch das Kreuz ist kein menschlicher Gedanke. Kein Mensch würde auf diese Idee kommen. Das ist ein göttlicher Gedanke, der aus seinem Wesen hervor fließt. Sein Wesen ist Liebe und Liebe sagt, ich möchte dich bei mir haben. Ich komme zu dir, um dich durch diesen Akt der Liebe von den Sünden zu befreien. Das Kreuz ist die Brücke zur Ewigkeit. Nur über diese Brücke können wir zu Gott gelangen. Gott selbst hat diese Brücke geschlagen. Wer zu Gott gelangen will, muss über den Berg Golgota gehen und zu ihm aufschauen. Er wird dann dankbar glauben, dass der Heiland auch für ihn sein Blut vergossen hat. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email