3. Ostersonntag
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Dieser Evangeliumstext ist einer der trostvollsten Stellen in der Heiligen Schrift überhaupt. Es geht hier um die Kirche. Es geht um das Schiff der Kirche und um das Apostolat. Wenn Petrus mit 6 anderen Aposteln Fische fangen will, hat das hier auch eindeutig einen tiefen symbolischen Charakter. Er will Menschen fangen und für Christus begeistern und in das Schiff der Kirche ziehen.

Im Text selber wird der Alltag der Jünger erzählt. »Ich gehe fischen.« Die meisten Apostel waren vorher Fischer, und sie gehen wieder ihrer bisherigen Arbeit nach. Nach den aufregenden Tagen von Kreuzigung und Auferstehung ist also der Alltag wieder eingekehrt. Sie gehen ihrem früheren Beruf wieder nach. Es hat sich anscheinend gar nichts geändert. Doch in Wirklichkeit wird diese Begebenheit erzählt, um den Auftrag der Kirche zu erklären. Jesus hat zu Petrus und den anderen Aposteln gesagt, ich werde euch zu Menschenfischern machen. Ihr sollt Menschen für mich begeistern, die Netze auswerfen und alle Menschen zu meinen Jüngern machen.

Als Johannes dieses Evangelium aufgeschrieben hat, hat die junge Kirche bereits ihre ersten Erfahrungen gemacht. Einerseits die Anfangsbegeisterung, die ersten großen Bekehrungen nach der Predigt des Petrus, aber auch die Erfahrung des Misserfolges blieb ihr nicht erspart. Und da erinnert Johannes seine Priester und seine Gläubigen daran, was Jesus bei dieser Erscheinung am See von Tiberias, dem See Genezareth getan hat.

Die ganze Nacht haben sie nichts gefangen. Was bedeutet das? Priester kommen zu Bischof Johannes und klagen. Ich bin schon jahrelang in dieser Pfarrgemeinde und nichts rührt sich, keiner bekehrt sich und alle meine Mühen sind umsonst. Was soll ich tun?

Man könnte es ohne weiteres auf die heutige Zeit ummünzen. Jahrzehnte lang rackere ich mich ab. Bemühe ich mich und überleg, wie ich die Leute in die Kirche bringe. Was ist daraus geworden? Es hat nichts gebracht und was noch viel deprimierender ist, es werden sogar weniger. Die Netze sind leer. Für all diesen Priestern und auch Laien, die so engagiert sich trotzdem für die Kirche einsetzen, ist dieses Evangelium geschrieben als Trost und als Mahnung. Kleine Mahnung deshalb, da wir uns immer bewusst machen müssen: Aus uns selber schaffen wir nicht, – gar nichts. Wir haben nur leere Hände. Wir haben immer nur leere Netze anzubieten. Wenn Gott selber nichts tut, dann bleiben die Netze leer. Wenn Gott selber uns mit seiner Gnade nicht halten würde, würden wir sogar selber aus dem Boot springen.

Der große Trost ist: Jesus kann helfen. Er kann sogar Wunder wirken. Werft die Netze auf der rechten Seite aus. Auf dein Wort hin, tue ich etwas, was ganz unlogisch ist. Wenn ich, obwohl es aussichtslos erscheint, nicht aufgebe und treu bleibe, dann wird alles gut. Am Morgen hat es wenig Sinn, die Netze auszuwerfen. In der Nacht ist es viel günstiger. Aber auf dein Wort hin tue ich es und Gott kann die Netze füllen. Er kann es machen. Ist das nicht trostvoll? Im Lukasevangelium (17,10) steht: »Wenn wir unsere Arbeit getan haben, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen, wir sind nur unnütze Knechte. Wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.« Das soll unsere Einstellung sein, damit wir uns nichts einbilden, damit wir nicht hochmütig werden. Das ist doch immer auch die Gefahr. Wir dürfen nicht stolz werden. Diese Erfahrung mussten auch die Apostel machen. Was hätten die sich sonst eingebildet! Die Erfolge wären ihnen in den Kopf gestiegen. Ich habe das und jenes erreicht. Deshalb schickt ihnen Jesus auch immer wieder die Erfahrung, dass sie ganz auf Jesus vertrauen müssen. Nur wer ganz Jesus sich anvertraut, dem kann Jesus die Netze füllen und das kann auf einen Schlag sein. Und das kann ganz am frühen Morgen sein, d. h. am Ende der Nacht, am Ende unseres Wirkens, am Ende unseres Arbeitens. Wir haben das ganze Leben gearbeitet und anscheinend nichts gefangen. Das macht gar nichts, denn Gott kann kurz vor dem himmlischen Hochzeitsmahl die Netze füllen.

Bis jetzt habe ich für mich als Priester gepredigt. Aber es betrifft sie, liebe Gläubige, genauso. Eltern machen die Erfahrung, die Kinder gehen nicht mehr in die Kirche: leere Netze! Das ist im Prinzip ganz das Gleiche. Weil Jesus es wünscht, lade ich meine Kinder wieder zum Sonntagsgottesdienst ein und am Morgen, am Ende der Nacht hatte ich Erfolg.

Die Familien, bei denen es gut gegangen ist, in denen die Kinder noch in die Kirche gehen, die dürfen nicht hochmütig sein, die dürfen sich nichts einbilden. Da versucht uns immer der Teufel, der böse Feind, und redet uns vielleicht ein: wir sind besser als die Anderen. Das heutige Evangelium erinnert uns, dass wir alle immer auf Jesus schauen müssen, auf das, was er uns rät. Wir sollen seinen Willen tun. Wirf die Netze auf der rechten Seite aus. Amen.

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