5. Ostersonntag
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

»Der eine Weg zu den vielen Wohnungen Gottes.« So könnte man dieses Evangelium mit einem Satz zusammenfassen. Immer wieder verlese ich gerne dieses Evangelium bei Begräbnissen, denn es sind sehr trostvolle Gedanken darin. Gott hat eine Wohnung für uns bereitet. Wir werden also erwartet. Wir haben ein Ziel. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und er will uns zu sich holen. Er will uns dort im Himmel ganz glücklich machen.

Das, was für manche vielleicht provozierend klingt, ist die Antwort Jesu auf die Frage von Thomas. Zuerst sagt Jesus: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.« Und dann: »Niemand kommt zum Vater, außer durch mich.« Das ist in unserer heutigen Zeit des Relativismus ein nicht gern gehörter Anspruch. Immer wieder hört man Formulierungen, die ganz tolerant klingen: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Lassen wir doch die Leute bei den unzähligen Heilsangeboten auswählen. Wir wollen doch niemanden bevormunden, wenn jemand meint die Esoterik, der Buddhismus, Reiki, Zen, Astrologie oder die Wahrsagerei bringen ihm Glück, dann soll er doch das machen. Wir verbieten es ihm nicht. Es gibt doch viele Wege zum Glück. Es gibt viele Religionen. Es wollen doch alle das Gleiche. Welche Religion will nicht das Gute? Es gibt nicht die wahre Religion. In Wirklichkeit gibt es auch keine großen Unterschiede.

Wenn dann jemand daherkommt und sagt: Es gibt nur einen Weg und das ist Jesus Christus, dann muss der bekämpft werden. Der Papst nennt das den diktatorischen Relativismus. Alles ist erlaubt, nur nicht an eine Wahrheit zu glauben.

Jesus sagt aber ganz unmissverständlich. Ich bin der Weg. Dieser Satz gehört zu den sogenannten 7 »Ich bin«-Worten des Johannesevangeliums. Ich bin das Brot des Lebens, das Licht der Welt, die Tür, der gute Hirt, die Auferstehung und das Leben, der wahre Weinstock. Und diese »Ich bin«-Worte erinnern uns an Mose, der vom brennenden Dornbusch her, die Worte Gottes hörte. »Ich bin der Ich bin«! Und dieser Gott ist ein eifersüchtiger Gott. Er duldet keine anderen Götter neben sich. Das war schon damals immer wieder der Anstoß.

»Niemand kommt zum Vater außer durch mich!« Jesus ist der Weg und sonst gibt es keinen Weg.

Interessant ist, was der jetzige Papst einmal in einem Interviewbuch geantwortet hat, als er gefragt worden ist. »Wie viele Wege zu Gott gibt es ihrer Meinung nach?« Man würde meinen, er sagt, es gibt einen Weg: nämlich Jesus. Aber er antwortete überraschender Weise. So viele Wege wie es Menschen gibt. Denn jeder hat seinen eigenen Weg zu Gott, den er gehen muss. Aber jeder geht einmal nach dem Tod in die Ewigkeit über eine Brücke, die Jesus Christus ist. Sonst gibt es keinen Weg hinüber in die Ewigkeit. Nur durch Jesus Christus können wir gerettet werden. Wenn Jesus sagt, dass er der Weg ist, dann können wir uns das auch so verstellen, dass Jesus Christus durch seinen Tod am Kreuz die Brücke, die seit dem Sündenfall zerstört wurde, wieder hergestellt hat und zwar hat er sich selbst zur Brücke gemacht. Sein Kreuz ist diese Brücke. Wir wollen diesen Weg gehen und dann werden wir im Himmel erwartet. Die Wohnungen sind bereitet. Das hat uns Jesus versprochen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email