7. Ostersonntag
2011 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Evangelium hörten wir das Hohepriesterliche Gebet Jesu im Abendmahlssaal. Er betet zu seinem Vater. Er betet für die Menschen. Er betet für alle, die der Vater ihm gegeben hat. Er weiß in diesem Augenblick, am Tag vor seinem Tod, dass er bald heimkehren wird zum Vater.

In der Lesung hörten wir, dass die Apostel auch beteten. Sie beteten zusammen mit Maria. Sie verharrten einmütig im Gebet. Es ist dies nach der Himmelfahrt Jesu. Ihr Gebet ist ein Bitten um den Heiligen Geist, der sie stärken wird, der ihnen die Angst und die Furcht nehmen wird.

Ich möchte daher heute über das Gebet sprechen. Es sollen ein paar Gedanken sein über das Gebet um den Heiligen Geist und über das Gebet um gute Priester- und Ordensberufungen. Wir sollen ja in diesen Tagen in der Pfingstnovene vermehrt darum beten. Das ist das Anliegen des Bischofs, der Kirche, der Diözese und eines jeden Priesters. Die Kirche Jesu Christi ohne Priester ist nicht mehr die Kirche Jesu Christi.

»Bittet und es wird euch gegeben«, verheißt uns Jesus. In die große Kraft einer Novene, das treue Gebet neun Tage hintereinander, wollen wir unser ganzes Vertrauen legen. Wenn wir den Heiligen Geist in diesen Tagen um Priester- und Ordensberufe bitten, dann fallen mir zwei Gaben des Heiligen Geistes ein, die ein Priester in besonderer Weise haben muss; aber natürlich nicht nur ein Priester, sondern jeder Christ! Doch der Priester muss als Vorbild vorangehen.

Die eine Gabe des Heiligen Geistes ist die Gabe der Frömmigkeit. Mit Frömmigkeit verbinden wir sicherlich einen betenden Menschen, aber tun sie das bitte nicht negativ. Ich wünsche mir eine kernige Frömmigkeit. Nichts Frömmlerisches! Es muss eine Frömmigkeit sein, die sich auf das Leben konkret auswirkt. Ich wünsche mir eine Frömmigkeit, die ansteckend ist. Jesus hatte diese Frömmigkeit, denn die Apostel hatten einmal die Bitte ausgesprochen: »Herr, lehre uns beten.« So wie du beten kannst, so möchten wir auch beten können. Jesus hat Nächte hindurch gebetet. So muss jeder Priester ein Vorbild im Gebet sein. Er muss ein betender Mann sein, sodass die Gläubigen ihn vielleicht auch einmal fragen: Lehre uns beten. Wie soll ich beten? Hilf uns beten. Und manchmal sollen wir einfach nur bitten. Wir sollen beten und bitten um die Gabe der Frömmigkeit, dann wird der Heilige Geist uns auch helfen. Er wird uns zeigen, wie wir beten sollen. Er wird uns dann auch diese Gabe schenken.

Ich wünsche mir zweitens die Gabe der Gottesfurcht. Diese Gabe sollten auch wir Priester immer wieder erbitten. Es ist die Gabe der Ehrfurcht vor heiligen Dingen und insbesondere vor den Allerheiligsten, vor dem Leib Christi. Gerade weil wir Priester immer wieder die hl. Messe feiern, darf sie nicht zur Routine werden. Es muss auch für einen Priester etwas Besonders bleiben, was er tut. Wenn er in »persona Christi« die Wandlungsworte spricht, dann spricht Christus in ihm und aus ihm. Dann ist er ein Werkzeug Christi und das ist etwas unvorstellbar Großes. Da müssen wir staunen und große Ehrfurcht vor diesem Geheimnis haben.

Wer keine Gottesfurcht im Herzen hat, der fürchtet den Widersacher, der hat Angst vor dem Teufel. Wir wollen Gott im richtigen Sinn fürchten, Respekt haben vor ihm und aus dieser Haltung heraus sich klein machen vor Gott. Wer ein gesundes Gebetsleben hat, der braucht doch den bösen Feind nicht zu fürchten.

Der Heilige Geist ist es, der uns beisteht gegen den Widersacher. Den Heiligen Geist müssen wir bitten im Gebet. Ihn müssen wir um Hilfe anrufen.

Der Heilige Geist ist es auch, der eine Berufung wecken kann. Er wird in derjenigen Person wirken. Er wird auch in uns wirken. Wer den Heiligen Geist anruft, der ist Werkzeug für den lieben Gott und kann durch seine Gebete Berufungen »erzeugen«. Es sind meistens nicht die äußeren Aktivitäten, die Berufungen erzeugen. Berufungen kann man sowieso nicht machen. Die ganzen Aktionen von »Tag der offenen Tür«, von »Kloster auf Zeit«, von Werbungen aller Art, sind oft nicht wirkungsvoll. Wie gelingen wirklich Berufungen? »Normale« Berufungen wachsen, wenn jemand ganz einfach am kirchlichen Leben teilnimmt. Berufungen können in diesem Sinn mit Aktionen nicht erzwungen werden, sondern Berufungen werden erbeten.

Und letztlich wollen wir hier ganz groß vertrauen, dass durch unsere Gebete und durch unser vorbildliches christliches Leben, wieder Gott seine Gnade in die Herzen der Menschen gießen kann und viele Berufungen weckt. Amen.

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