Heilige Familie
2013 A
logo
Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Maria, Josef und Jesus nennen wir die heilige Familie. Nicht in dem Sinn, weil alles heil war, weil es keine Schwierigkeiten gab, weil sie keine Not hatten, im Gegenteil. Wo gab es größere Not? Sie mussten fliehen! Sie hatten kein eigenes Haus bei der Geburt! Sie waren arm! Heilige Familie deshalb, weil sie zusammenhielten, weil sie gemeinsam beteten, weil sie eine Familie waren, wie sie sein sollte. Gerade zu Weihnachten wollen wir alle die Familie stärken. Wir kommen zusammen und besuchen uns gegenseitig. Auch bei mir war es wieder so und ich freue mich jedes Mal, wenn ich meine Eltern und meine Geschwister mit ihren Familien wieder sehe. So passt es gut, wenn wir das Fest der heiligen Familie immer in der Weihnachtszeit begehen. Wir feiern es fast immer am Sonntag nach Weihnachten.

Es gibt ein Märchen der Brüder Grimm, das besonders hinweist auf das Familienleben. Es heißt: der alte Großvater und der Enkel. Vielleicht kennen sie das. Dem alten Mann waren die Augen trüb geworden, die Ohren taub, und die Knie zitterten ihm. Wenn er nun bei Tisch saß und den Löffel kaum halten konnte, schüttete er Suppe auf das Tischtuch und es floss ihm auch etwas wieder aus dem Mund. Sein Sohn und dessen Frau ekelten sich davor. Deswegen musste sich der alte Großvater hinter den Ofen in die Ecke setzen. Sie gaben ihm sein Essen in eine Tonschüssel. Da sah er betrübt nach dem Tisch und die Augen wurden ihm nass. Einmal konnten seine zitterigen Hände seine Schüssel nicht festhalten. Es fiel zur Erde und zerbrach. Die junge Frau schimpfte. Doch der Großvater sagte nichts und seufzte nur. Da kaufte sie ihm ein hölzernes Schüsselchen. Es war einen Holznapf für ein paar Cent, das nicht mehr zerbrechen konnte. Daraus musste er nun essen. Wie sie nun so da saßen, trug der kleine Enkel von vier Jahren auf der Erde kleine Bretter zusammen. „Was machst du denn da?“, fragte der Vater. „Ich mache eine Schüssel. Daraus sollen mein Vater und meine Mutter essen, wenn ich groß bin.“ Die Eltern waren darüber so schockiert, fingen zu weinen an und waren geheilt. Ab jetzt durfte der alte Großvater am Tisch sitzen und sie ließen ihn immer mitessen. Sie sagten auch nichts mehr, wenn er ein wenig verschüttete.

Hier hat das Enkelkind den Eltern die Augen geöffnet und gezeigt, dass wir gegenseitig uns Liebe schenken müssen. Der Enkel hat ihnen gezeigt, wie wichtig Familienleben ist. Sie erkannten plötzlich, wie schäbig sie den Großvater behandelten. Erst als sie ihn wieder an den Tisch zurückholten, waren sie wieder eine richtige Familie. Keiner soll ausgeschlossen sein. Eine richtige Familie ist man erst, wenn man zusammenhält und wenn die Starken den Schwachen helfen. Und die Schwachen sind die Kinder und die Alten.

Das Kennzeichen der heiligen Familie ist diese Liebe, diese Einheit, die sie versucht haben zu leben. Es ist zwar nichts überliefert von einer Pflege von Großeltern. Doch allgemein war damals dieses Familienbewusstsein da. Es gab den Zusammenhalt, den man manchmal in der heutigen Zeit vermisst. In so einer Familie, in der Liebe geschenkt wird, fühlt man sich geborgen und wohl. Da ist Wärme, die ausstrahlt. Da hält man sich gerne auf. Wenn in einer Familie Harmonie herrscht, ist alles in Ordnung. Diese Harmonie wird vorhanden sein, wenn in einer Familie gebetet wird. Beten heißt, sprechen mit Gott. Und wenn wir von dieser Definition ausgehen - und wir wissen ja, dass Jesus Gott ist, - dann können wir sagen, in der heiligen Familie ist oft gebetet worden. Immer wenn sie miteinander gesprochen haben! Ein Gespräch mit dem Kind, mit dem Jesuskind war zugleich ein Beten, ein Sprechen mit Gott. Immer wenn wir zu Maria beten, z. B.ein „Gegrüßet seist du Maria“ beten, ist das ein wertvolles Gespräch, ein Beten. Immer, wenn ich mit Jesus spreche, ist das ein Beten und dieses Beten, wenn wir es gemeinsam in der Familie tun, stärkt die Familie und wir werden immer mehr der heiligen Familie ähnlich.

Möge es in der heutigen Zeit wieder mehr betende Familien geben, die zusammenhalten. Betende Familien sind Familien, in denen man die Liebe spürt, die in der heiligen Familie gelebt wurde. Amen.

logo
piwik Datenschutz
© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email