Christmette
2013 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es war damals in Bethlehem. Die Aufgabe der Hirten war es, ihre Schafherde zu beschützen und auf dem Feld Wache zu halten. Ein alter Hirte erzählte währenddessen seinem Enkel immer wieder vom bevorstehenden Kommen des zukünftigen Königs. Und der Hirtenjunge stellte sich diesen König in feinen kostbaren Kleidern und mit einer Krone vor. Immer wieder übte er deswegen auf seiner Flöte, um mit einem schönen Lied den ersehnten König zu begrüßen.

Und eines Nachts war es so weit. Da verkündeten die Engel den Hirten die Geburt Jesu. Der Hirtenjunge lief voraus und findet das Jesuskind in einer Krippe liegend. Aber es trug kein wertvolles Gewand, keine Krone, kein schönes Bett, sondern war in einem armen Stall in Windeln gewickelt. Der Hirtenjunge war zutiefst enttäuscht: So einem einfachen Kind will er kein Geschenk machen. Denn es kann ihn ja gar nicht belohnen für sein Lied. Er drehte sich um und ging weg, ohne auf seiner Flöte gespielt zu haben. Doch da fing das Kind zu weinen an, und als er dies hörte, gab er sich einen Ruck und ging zurück zur Krippe, um ihm das Lied vorzuspielen. Das Kind hörte auf zu weinen und lächelte. Der Hirtenjunge war froh und spürte in seinem Herzen, dass das Lächeln des Kindes ihn selber reich beschenkt.

Diese Geschichte zeigt sehr schön, dass Schenken eine Sache des Herzens ist. Es ist wichtig, dass wir gerne schenken, ohne zu erwarten, etwas zurückzubekommen. Wir beschenken uns zu Weihnachten als Zeichen der Liebe. Diese Liebe sehen wir, wenn wir in die Krippe schauen.

Eine Predigt begann einmal mit der Frage: Wie weit können sie schauen? Als ich diese Frage las, dachte ich zuerst an einen Berg mit guter Aussicht. Da kann man schon einige Kilometer weit schauen. Die Antwort war dann für mich überraschend, weil ich an das momentan nicht dachte. Wenn wir am Abend bei freiem Himmel in das Weltall hinausschauen, dann können wir sogar manchmal den Andromeda-Nebel sehen. Diese Galaxie ist 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Eine unvorstellbare Entfernung.

Wir können aber noch weiter schauen. Jetzt sind sie vielleicht verblüfft. Die Antwort habe ich schon gegeben. Wenn wir in die Krippe schauen. Hier machen wir einen Blick in die Ewigkeit. Gott ist noch viel mehr als die 2,5 Millionen Lichtjahre. Gott ist mehr als die eventuell 500 Milliarden Galaxien.

Gott ist ein Baby geworden, ganz klein. Das ist noch viel unvorstellbarer als das riesige Weltall.

Der Blick in die Krippe sagt uns: Hier liegt Gott, der von Ewigkeit her war, der die Zeit erschaffen hat, der das Weltall gemacht hat, der in die Zeit gekommen ist und einer von uns geworden ist.

Liebe Brüder und Schwestern, haben sie zu Hause einen Ort, wo sie etwas Wertvolles aufbewahren? Manche haben einen Tresor. Kinder haben manchmal eine Schatzkiste. Hier legen sie das hinein, was ihnen besonders wichtig ist. Vielleicht ist es auch ein Hobby, eine Sammlung, die man hin und wieder hervor holt und anschaut. Wissen sie, was für uns Christen eigentlich das Wertvollste ist? Wir haben auch so eine Art Schatzkiste, die wir manchmal hervorholen. Unsere Schatzkiste ist im Prinzip die Krippe. Da legen wir einmal im Jahr das Wertvollste hinein, nämlich den menschgewordenen Sohn Gottes. Wir stellen die Krippe in die Mitte des Altarraumes, damit ihn jeder sehen kann.

Es ist schön, dass das Geburtsfest unseres Herrn Jesus Christus viele in die Kirche lockt und viele staunen lässt, wenn sie diese Schatzkiste anschauen. Kinder wie Erwachsene stehen gerne davor und betrachten die Figuren. Was möchte sie uns sagen? Jeder ahnt im Herzen die Grundbotschaft von Weihnachten. Unser Gott ist ein Gott der Liebe und des Friedens. Er ist ein Gott, der uns nahe ist. Wir glauben an dieses unvorstellbare Geheimnis, dass der ewige Gott sich uns zeigt als Baby, als kleines Kind.

Auch unser Herz soll die Schatzkiste für Jesus sein. Unser Herz soll heute nach oben offen sein, so wie die Krippe nach oben offen ist. Nur wer sich zum Himmel hin öffnet, dem wird Maria ihr Kind hineinlegen. Nur wer heute die Ohren für die Botschaft von Weihnachten öffnet, zu dem kann Jesus kommen. Möge jedem von ihnen diese Botschaft zu Herzen gehen und ins Herz gehen. Möge jeder als Weihnachtsgeschenk heute mit einer gefüllten Schatzkiste nach Hause gehen. Der Schatz ist das Kind, das zu jedem kommt, der sich auch klein macht. Lassen wir ihn in unser Herz hinein. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email