2. Sonntag nach Weihnachten
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten den Anfang des Johannesevangeliums. Dieses Evangelium wurde bei der alten Messe immer ganz am Schluss vom Priester noch gebetet. Bei dem Satz: „Und das Wort ist Fleisch geworden“ hat er eine Kniebeuge gemacht. Beim Engel des Herrn kommt auch dieser Satz vor und darum macht man, wenn es möglich ist, auch hier normalerweise eine Kniebeuge, um sich vor diesem Geheimnis klein zu machen.

Der heilige Apostel und Evangelist Johannes hat mit seinem Evangelium eine eigenartige Weihnachtsbotschaft zu verkünden. Hier gibt es keine Hirten und Engel. Wir hören nichts von einem Stall und einer Krippe. Bethlehem kennt er nicht und auch keinen Stern, keine Weisen aus dem Morgenland. Nichts! Ja nicht einmal Maria und Josef werden genannt. Seine Weihnachtsbotschaft ist zusammengefasst in diesem einen Satz. Und das Wort ist Fleisch geworden.

Aber zuerst beginnt er ganz philosophisch.

Im Anfang war das Wort. Genauso wie die Genesis beginnt. Es erinnert sofort an das erste Buch Mose. Die Heilige Schrift beginnt mit den Worten: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Lassen wir uns diesen wichtigen Satz nochmals auf der Zunge zergehen. Das Wort ist Jesus. Johannes der Täufer sagt von sich. „Ich bin nur die Stimme eines Rufers in der Wüste.“ Er verkündet mit seiner Stimme das Wort, das Jesus ist. Es wird dann ganz deutlich ausgedrückt, wenn er sagt, dass dieses Wort Fleisch geworden ist. Dieses Wort war bei Gott und es war Gott. Im Kampf um die Frage, wer Jesus ist, hat dieser Text einen wichtigen Stellenwert bekommen. Jesus ist Gott. Das Wort ist Gott. Hier steht es ganz eindeutig. Aber es gibt mehrere Personen in Gott. Es war bei Gott Vater und ist nicht identisch mit Gott Vater, denn er ist Gott Sohn.

„Alles ist durch das Wort geworden.“ Gott hat also die Welt erschaffen. Ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist, bedeutet, dass Jesus bei der Erschaffung der Welt mit seiner göttlichen Natur dabei war. Das nennt man die Präexistenz des Gottessohnes. „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesen mit dem Vater, durch ihn ist alles geschaffen,“ so bekennen wir im großen Glaubensbekenntnis. „Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen“ heißt es dort weiter. Im Evangelium drückt Johannes das wieder mit seinen eigenen Worten aus. „Das wahre Licht kam in die Welt. Er kam in die Welt und die Welt ist durch ihn geworden.“ Deutlicher geht es nicht, die Gottheit Christi auszudrücken. Alle, die Probleme damit haben, dass Gott Mensch werden kann, sollen hier nachlesen. Es ist natürlich ein fast nicht nachvollziehbares Geheimnis wie der große, allmächtige Gott sich so klein machen kann und Fleisch annehmen kann. Wenn wir die Frage nach dem „Warum“ stellen, werden wir sie nur mit der Liebe beantworten können. Weil Gott uns so unendlich liebt, deshalb ist er einer von uns geworden. Er wollte uns retten, denn wir haben gesündigt. Wir haben uns von ihm getrennt. Er hat nun alles getan, um diese Trennung zu überwinden. Er hat die Brücke vom Jenseits zum Diesseits wieder geschlagen. Wir können wieder über diese Brücke gehen, die durch die Erbsünde vernichtet und zerstört war. Er hat eine andere Brücke gebaut. Er hat sich selbst zur Brücke gemacht. Und jeder, der hinüber will, muss nun über diese Christusbrücke gehen. Einen anderen Weg gibt es nicht mehr. Gehen wir diesen Weg! Er hat gesagt. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Wer den Weg in der Wahrheit geht, der kommt zum Leben, und zwar zum ewigen Leben im Jenseits. Amen.

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