1. Fastensonntag
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Vergleichen wir heute die Fastenzeit mit einem Fitness-Studio. Diese Trainingsorte werden immer beliebter. Es scheint, dass dem Menschen die Gesundheit ein großes Anliegen ist. Wenn wir nun Fastenzeit und Fitnesscenter gegenüberstellen, werden wir interessante Gemeinsamkeiten feststellen.

Beiden geht es in gewisser Weise um die Vervollkommnung des Menschen. Mit Training will der Mensch im Fitness-Studio an der Vervollkommnung des eigenen Körpers arbeiten. Er schuftet, um weniger Speck, dafür mehr Muskeln zu bekommen. Er will den Körper in Form bringen.

Ähnliches will die Kirche mit der Fastenzeit. Sie ist eine Art geistliches Fitness-Programm. Dabei geht es aber viel mehr als bloß um einen formschönen Körper. Der Kirche geht es um den ganzen Menschen. Der ganze Mensch mit Leib und Seele soll immer mehr ein vollkommenes Ebenbild Gottes werden.

Gemeinsam mit dem Fitness-Studio ist, dass es ein Idealbild gibt: So möchte ich aussehen, so möchte ich sein! Das Idealbild ist dabei nicht bloß ein äußerlich durchgestylter Körper, sondern es ist der durch und durch vom Geist Gottes geformte Mensch. Und dieses Idealbild wird sichtbar in der Person Jesus Christus. So muss der perfekte Mensch aussehen, das ist unser Ideal. So hat Gott den Menschen gewollt! Und nach diesem Idealbild sollen wir uns und unser Leben ausrichten.

Aber wir alle sind vom Idealbild weit entfernt. Und es kostet viel Anstrengung, einen starken Willen, Ausdauer und Selbstdisziplin, um dem Ideal wenigstens ein bisschen näher zu kommen. So wie im Fitness-Studio helfen dabei auch bestimmte feste Übungen, die immer wieder und ganz regelmäßig praktiziert werden müssen. So wie im Fitness-Studio gibt es auch in der Kirche Leute, die schnell enttäuscht sind und aufgeben, weil sie nicht sofort den Erfolg sehen. Man wird nicht automatisch ein besserer Mensch, bloß weil man ein oder zweimal in die Kirche gegangen ist. Erfolg stellt sich nur ein, wenn man die Übungen ganz regelmäßig macht. Wirkliche Veränderungen brauchen Ausdauer. Wer diese Beständigkeit aufbringt, der wird an sich auch Veränderungen feststellen. Dazu gehört treue Besuch des Sonntagsgottesdienstes. Diese Begegnung mit Gott wird mich verändern.

Die Fastenzeit nun ist wie eine intensive Fitness-Kur für den ganzen Menschen, für Leib und Seele. Im Evangelium des Aschermittwochs wurden uns drei Basisübungen mit auf den Weg gegeben, die immer wiederholt werden müssen, damit sich etwas verändern kann; Übungen, die natürlich auch Kraftanstrengung und Selbstdisziplin kosten: Almosen geben, Gebet und Fasten.

Almosen geben bedeutet: Den Blick für den Nächsten und seine Bedürfnisse offen halten. Almosen geben bedeutet nicht nur spenden, sondern auch ein waches Gespür, offene Augen für die Nöte und Bedürfnisse der andern haben, spüren, wo andere meine Hilfe brauchen und das tun, was ich an Möglichkeiten habe.

Beten bedeutet: Immer wieder die Verbindung mit Gott suchen, aus dieser Verbindung zu leben versuchen, daraus immer neu Kraft schöpfen. Beten heißt: Sich immer wieder vergegenwärtigen, was Gott von mir will, wie er mich haben will.

Und Fasten: Diese Übung hat der Fastenzeit ihren Namen gegeben. Beim Fasten geht es nicht nur darum, dass ich schlanker werde, dass ich weniger esse wegen meiner Gesundheit. Fasten erinnert uns daran, dass Jesus selber 40 Tage gefastet hat. Fasten erinnert uns daran, dass Jesus zu seinen Jüngern gesagt hat: Wenn der Bräutigam ihnen genommen ist, dann werden sie fasten.

Bei der Fastenzeit geht es also darum, um eine Befreiung vor falschen Bindungen, um eine neue Hinwendung zu Gott. Es ist die Vorbereitungszeit auf Ostern. Der Höhepunkt soll die Osterbeichte sein. Wer dies versäumt, kann nur mit halben Herzen die Auferstehung Christi feiern.

Die Fastenzeit ist eine Gnadenzeit! Nützen wir sie und lassen wir sie nicht spurlos an uns vorübergehen. Amen.

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© 2016 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email