3. Fastensonntag
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Ein Brunnen ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr so stark präsent. Heute kommt das Wasser aus der Wasserleitung. Früher war uns die Wichtigkeit des Brunnens viel mehr bewusst. Wasser ist lebensnotwendig!

Der Brunnen war daher der Ort, wo man sich dieses kostbare Getränk holen konnte und wo man mit jemand ins Gespräch kam. So wie es bei uns der Tante-Emma-Laden, der Frisör oder das Wartezimmer beim Doktor ist.

Im Märchen ist der Brunnen ein beliebter Ort. Mir fällt der Froschkönig ein; mir fällt Frau Holle ein; mir fallen die 7 Geißlein ein. Die Tiefe des Brunnens scheint bedrohlich. Es kann jemand hineinfallen. Der Wolf bei den 7 Geißlein stirbt dadurch. Es kann aber auch etwas Gutes daraus werden. Die Goldmarie kommt zu Frau Holle und wird belohnt. Der Frosch bringt die goldene Kugel wieder.

Der Brunnen im Evangelium lässt Jesus um Wasser bitten. Die Samariterin ist sehr überrascht, denn Jesus bricht ein doppeltes Tabu: Er spricht mit einer Ausländerin und noch dazu mit einer Frau.

Es geht im heutigen Evangelium nicht in erster Linie um das Wasser, womit Jesus sich den Durst löschen kann, sondern es geht um das lebendige Wasser, das nicht mehr durstig macht. Ja, es geht um viel mehr! Es geht letztlich um Gott, den wir anbeten sollen, und der unsere Sehnsucht stillen wird.

Die Frau am Jakobsbrunnen will Gott anbeten. Sie ist ratlos. Wo kann ich das tun? Gott ist Geist. Ich kann überall Gott anbeten. Sie möchte gerne die Wahrheit erfahren. Das ist von ihr eine gute und wichtige Eigenschaft: dass man offen ist für die Wahrheit und damit für Gott. Dann hörten wir das geheimnisvolle Wort von diesem lebendigen Wasser, das nicht mehr durstig macht. Und auch danach hat sie große Sehnsucht. Gib mir dieses Wasser!

Das fehlt oft in der heutigen Zeit: die Sehnsucht nach Gott; die Sehnsucht nach dem Wissen, wer Gott ist; die Sehnsucht Gott anzubeten. Wo kann ich das tun? Nur auf dem Berg Garizim, lehren die Samariter. Nur im Tempel von Jerusalem lehren die Juden. Jesus lehrt ganz anders. Gott ist Geist. Überall kann ich anbeten. Das ist die befreiende Botschaft.

Doch wer betet heute Gott noch an? Ein Erwachsener, der mir vor kurzem gesagt hat, er kann kein „Gegrüßet seist du Maria“, ist fast schon Normalität. Kinder, die mir sagen, es wird zu Hause nie gebetet, ist ebenfalls keine Seltenheit mehr. Es ist kein Wunder, wenn Gott oft nicht hilft, denn viele bitten ihn nicht mehr. Wir können überall Gott anbeten, betont Jesus und sehr wenige tun es!

Jesus wünscht: „Geh in deine Kammer und bete zu Gott, deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“

Wir wollen diese Bitte Jesu wieder mehr beherzigen. Besonders jetzt in diesen 40 Tagen möge Gott öfter angebetet werden. Wir können es im Verborgenen tun. Wir können es auch in Gemeinschaft, bei der hl. Messe, bei den Kreuzwegandachten und beim gemeinsamen Gebet tun. Gott ist der Schöpfer! Wir sind von ihm geschaffen. Wir sind nur das Geschöpf. Dieses Geschöpf ist seinem Herrn diese Anbetung schuldig. Amen.

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© 2016 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email