4. Fastensonntag
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Liebe macht blind.“ Sie kennen diesen Spruch. Manchmal stimmt das ja. Wenn man frisch verliebt ist, dann sieht man so manches nicht mehr, dann nimmt man manches nicht mehr wahr, dann gibt es nur noch die positiven Seiten des Geliebten. Wir können jedoch sagen: „Wahre Liebe macht sehend.“ Die Liebe Jesu zu diesem Blinden bewirkt, dass er ein Wunder wirkt. Er schenkt ihm das Augenlicht wieder. Der Blinde kann wieder sehen. Jesus ist das Licht der Welt. Gott selbst hat uns die Augen geschenkt, dass wir sehen. Gott selbst hat uns also diese Gabe gegeben und Jesus, der ja Gott ist, kann natürlich jemanden, der nicht sehen kann, das Augenlicht wieder schenken.

Auch wenn wir alle sehen können, sind wir doch oft in manchen Dingen blind. Die Pharisäer sind auch blind und lassen sich nicht sehend machen. Sie sind blind im Glauben an Jesus.

Wir sind manchmal im übertragenen Sinn „blind vor Wut“. Wenn wir im Zorn etwas sagen oder tun, was nicht in Ordnung ist. „Blind vor Neid“, wenn wir etwas haben möchten, was uns nicht gehört. „Blind vor Überheblichkeit“, wenn wir stolz und hochmütig sind, weil wir etwas können, was andere nicht können. „Blind vor lauter Vorurteilen“, wenn wir nicht objektiv an etwas herangehen können. Und eben „blind vor Liebe“, wenn wir uns auf jemanden fixieren und alles andere nicht mehr sehen.

Wenn sich jemand nur auf Gott fixiert, wenn für jemanden nur Gott wichtig ist, dann sagen manche vielleicht auch, der ist ja blind. Aber diese Liebe macht wirklich sehend.

Der hl. Augustinus spricht übrigens schon vom Himmel als die „visio beatifica“, d.h. die glücksehende Schau. Der Himmel ist für ihn die Anschauung Gottes. Wir sehen nur noch Gott, der uns dadurch mit unendlichem Glück erfüllt. Wir sind sozusagen so fasziniert von Gott, dass allein das Anschauen Gottes etwas ist, was wir nicht mehr missen wollen, was uns für immer Freude ins Herz schenkt. Es ist gar nicht so leicht vorstellbar, dass allein das Anschauen uns unendlich glücklich macht, wobei wir ja doch besonders mit unseren Augen immer wieder durch das Schauen glücklich werden wollen. Wie gerne schauen wir z.B. stundenlang fern.

Hier auf Erden werden wir mit unseren Augen immer wieder auch etwas Schlechtes sehen. Wir werden mit Sünden konfrontiert. Wir sehen Arme und Hungernde. Wir sehen Kranke und Notleidende. Wir sehen Naturkatastrophen und andere schlimme Dinge. Sicher wurde auch der von der Blindheit geheilte Mann mit unschönen Bildern sehr bald konfrontiert. Er sah die verbissenen Mienen der Pharisäer, die Jesus der Sünde überführen wollten. War es nun ein Segen oder Fluch, dass er sehen konnte? Und trotzdem, auch wenn wir hier auf Erden immer wieder mit dem Übel und mit dem Schlechten konfrontiert werden, dass wir mit den Augen etwas sehen, was nicht in Ordnung ist, ist das Sehen ein Gut, eine positive Gabe Gottes. Manchmal suchen wir sogar bewusst das Böse. Wer aber auf Gottes Wegen gehen will, muss manchmal die Augen auch senken, muss die Augen schließen vor Dingen, die nicht in unser Herz gelangen sollen.

Im Himmel jedoch brauchen wir das nicht tun. Hier gibt es nur Schönes anzuschauen. Hier werden wir mit der Schönheit Gottes konfrontiert, die uns in den Bann nimmt. Wir werden die Augen nicht mehr abwenden, weil wir an der Freude Gottes teilnehmen werden.

Auf das möchte Jesus sicherlich auch hinweisen, wenn er dem Blinden das Augenlicht wieder schenkte. Jesus ist das Licht der Welt. Wir sollen ihn lieben. Diese Liebe macht nicht blind, sondern wirklich sehend. Amen.

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© 2016 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email