20. Sonntag im Jahreskreis
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Dies ist schon eine eigenartige Frau, die wir heute im Evangelium antreffen. Wir kennen weder den Namen noch ihren Wohnort. Es ist eine heidnische Kanaanäerin, die aus Syrophönizien stammte. Sie will, dass ihre Tochter geheilt wird.

Die Begegnung mit Jesus ist eigentlich sehr befremdend. Jesus verhält sich, heute würde man sagen, pastoral äußerst unklug, und zwar gleich dreimal.

  1. Es heißt: Der Herr gab ihr keine Antwort. Er behandelt sie als wäre sie Luft, als wäre sie nicht da. Wenn wir jemanden etwas fragen und er gibt uns keine Antwort, dann sind wir höchstwahrscheinlich beleidigt und gehen weg. Was macht die Frau? Sie hörte nicht auf zu bitten. Den Jüngern ging sie schon auf den Geist! Jetzt kommt die 2. Abweisung.
  2. Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“ Eine deutlichere Abfuhr könnte man jemanden gar nicht geben. Aber die Frau reagiert auf das überhaupt nicht, sondern fiel vor ihn nieder und flehte: „Herr, hilf mir!“
  3. Jetzt kommt der Höhepunkt. Jesus vergleicht sie mit Hunden, die kein Recht auf das Brot der Kinder haben. Vielleicht fragt sich jetzt jemand: Warum spricht Jesus so hart? Warum ist er so unhöflich? Was ist denn passiert, dass Jesus so reagiert? Ist das nicht beleidigend, erniedrigend, entwürdigend? Hat er keinen Respekt vor einer Frau? So spricht man doch nicht mit einem Menschen!

Und das Zweite, worüber man sich wundern kann und muss, ist die Reaktion der Frau. Sie läuft nicht weg und denkt sich ihren Teil. Sie ist nicht verletzt, gekränkt oder sogar wütend. Jeder würde das verstehen. Nein! Sie akzeptiert ihn als den Herrn. Dies zeigt sich schon in der Anrede. Sie eilt ihm entgegen und ruft: „Herr, Sohn Davids, erbarme dich meiner.“ Sie glaubt an ihn. Sie glaubt, dass er der Messias ist, der Sohn Davids. Und Jesu Verhalten muss man folgendermaßen verstehen. Er wollte sie nicht beleidigen. Nein! Er wollte ihren Glauben prüfen. Er wollte schauen, ob sie es wirklich ernst meinte. Oder ob es nicht doch nur so dahingesagt war, weil sie von irgendwo gehört hat, dass er angeblich heilen kann.

Die Frau bestand die Glaubensprobe. Dadurch hat er ihren Glauben sogar vertieft und gefestigt. Durch ihre Schlagfertigkeit verblüffte sie fast Jesus. Sie gab ihm recht: „Ja, Herr, wir sind Hunde. Doch auch die Hunde essen von den Resten, die vom Tisch ihrer Herren fallen!“

Auf diese demütige, rührende und so geistreiche Erwiderung konnte ihr Jesus nur die Bitte erfüllen. „Frau, dein Glaube ist groß. Was du willst, soll geschehen.“ Und von da an war ihre Tochter geheilt.

„Frau, dein Glaube ist groß.“ Wir hörten beim letzten Sonntagsevangelium vom Versuch des Petrus über das Wasser zu gehen. Hier musste Jesus seinen ersten Apostel, den er zum Papst machte, tadeln: „Du Kleingläubiger!“ Heute lobt er den Glauben einer Heidin.

Der Glaube ist letztendlich eine Gnade. Bitten wir darum den Herrn, dass er uns diesen Glauben schenken möge.

Erstens können wir also den tiefen Glauben der Frau zum Vorbild nehmen.

Und zweitens betrachten wir die Beharrlichkeit der Frau. Sie hörte nicht auf zu bitten. Jesus sagt uns das auch an einer anderen Stelle. Wir werden erhört werden, wenn wir nicht aufhören zu bitten. Wir sollen solange an die Tür klopfen, bis der Hausbesitzer aufmacht. Er öffnet, weil wir ihm lästig fallen. Jesus will das also. Wir sollen eindringlich bitten und sogar lästig fallen. So wie auch die Frau den Jüngern lästig fiel. Jesus verspricht uns, dass aufgemacht wird. Nur weil die Frau beharrlich war im Bitten und Jesus so intensiv angefleht hat, wurde ihre Bitte erhört und erfüllt.

So wie es den Kindern manchmal schwer fällt „Bitte“ zu sagen, wenn sie etwas wollen, so fällt es den Erwachsenen auch manchmal schwer, bei Gott „Bitte“ zu sagen. Wir fordern oft nur.

Gott will, dass wir also beharrlich und demütig wie die Frau im Evangelium bitten, dann ist auch unser Glaube stark und Jesus wird auch zu uns sagen: „Dein Glaube ist groß, was du willst, soll geschehen.“ Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email