23. Sonntag im Jahreskreis
2014 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten im heutigen Evangelium von Sündern und wie man mit ihnen umgehen soll. Es gibt die „Kirche der Sünder“ und es gibt die „Kirche der Heiligen“! Ich möchte aber heute nicht auf dieses Thema eingehen, sondern den letzten Satz des Evangeliums herausnehmen und über diesen sprechen. Dieser lautete:

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!“ Jesus möchte mit diesem Satz nicht das persönliche und private Gebet geringschätzen. An einer anderen Stelle sagt er uns ja: „Geh in dein Kämmerlein und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!“ Nein, das ist nicht die Stoßrichtung, sondern das Gebet in Gemeinschaft soll in ihrer Bedeutung hervorgehoben werden. Es geht nicht um ein „entweder - oder“, sondern um ein „sowohl - als auch“.

Darum liegt der falsch, der sagt „Ich gehe in den Wald um zu beten!“, wenn er damit meint: Ich brauche die Kirche nicht. Ich bete nur allein. Und der andere liegt ebenso falsch, wenn er meint: Ich gehe am Sonntag in meine Messe und habe damit alles erfüllt und mir genügt dieses Gemeinschaftsgebet, aber die ganze Woche vergisst er dann auf Gott.

So hat auch Christus in der Einsamkeit gebetet und in der Gemeinschaft. Wir finden ihn betend allein auf einen Berg, und er betet aber auch in der Öffentlichkeit wie z.B. bei den zwei Brotvermehrungen oder auch im Abendmahlssaal mit den Jüngern. Wir finden ihn weiters in der Synagoge, in der er ganz sicher ebenfalls gemeinsam mit den anderen gebetet hat.

Beten heißt „sprechen mit Gott“. Das Gebet ist lebensnotwendig. Es ist wie das Atmen für den Körper. Ohne Sauerstoff kann der Mensch nicht leben. Ohne Gebet kann die Seele nicht leben. Ohne Gott stirbt die Seele ab.

Gott wartet auf unser Gebet. Er hat uns erschaffen, damit wir ihm Lob, Anbetung, Dank und Bitte entgegenbringen. Er will von uns das kindliche „Abba - Vater“ hören. Er möchte, dass wir, die wir seine Kinder sind, ihn so grüßen. Darum hat er uns das Vater unser gelehrt.

Auch wenn das Beten manchmal schwer erscheint, wenn Zerstreuungen uns plagen, wenn wir nicht motiviert sind, kann das Gebet etwas ganz Großes sein. Wir wollen Gott einfach bitten, dass er alles annimmt, all unsere Sorgen und Nöte. All unsere Gedanken wollen wir ihm schenken und hinbringen.

Wenn wir überhaupt nicht denken können beim Beten, ist es wichtig, dass wir auch das ihm abgeben. Wir könnten es vielleicht mit einem Eisklumpen vergleichen. Wenn wir für Gott uns die Zeit zum Gebet nehmen, bitten wir ihn, er möge diesen Eisklumpen, der in unserem Herzen ist, zum Schmelzen bringen. Er möge ihn erwärmen mit seiner Liebe. Er kann uns diese Gnade geben.

Das Gemeinschaftsgebet kann uns dabei helfen. Es kann uns tragen. Allein ist es oft viel schwerer, sich die Zeit zu nehmen und sich zu überwinden. Man hört viel früher auf, weil man z.B. keine Lust mehr hat. Die Gemeinschaft kann uns ermutigen und anspornen. Ich bin nicht allein. Ich weiß, wo zwei oder drei versammelt sind, ist er da, ist er mitten unser uns und freut sich und stärkt uns. So auch jetzt wieder, wenn wir das Geheimnis seiner Liebe feiern. Hier wird er in besonderer Weise gegenwärtig mit seinem Leib und seinem Blut. Wir wollen es mit größter Ehrfurcht begehen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email