2. Adventssonntag
2016 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Johannes der Täufer begegnet uns immer wieder im Advent. Er ist der Vorläufer unseres Herrn, der damals zu Umkehr und Buße aufgerufen hat. Außergewöhnlich ist, dass er nicht so wie die übrigen Propheten im Tempel in Jerusalem auftritt und dort predigt. Er verkündet etwas Neues, was bisher nicht in dieser Deutlichkeit gesagt wurde. Und dieses Neue wird dadurch schon von den Leuten bewusst wahrgenommen, weil er in der Einsamkeit, in der Wüste anzutreffen ist und dort zu den Menschen spricht. Die Menschen müssen sich aufmachen und zu ihm gehen, in die mühsame und einsame Wüste, in der normalerweise nicht das Gute wohnt. In die Wüste wurde von den Juden der Sündenbock geschickt. Die Wüste ist normalerweise der Ort Satans. Darum wird auch Jesus in der Wüste vom Teufel versucht. Die Leute müssen in die Wüste gehen, um Johannes zu hören, der dort von Buße und Umkehr spricht. Sie gehen dorthin, um an diesen Ort auch ihre Sünden zu lassen. Er ruft auf, die Sünden zu bereuen und sich taufen zu lassen.

Seine Botschaft ist ein Imperativ. Er spricht in der Befehlsform: Kehrt um! Wörtlich heißt es eigentlich: „Denkt um!“ Das ist viel besser ausgedrückt, denn an was denken wir normalerweise? Woran denke ich? Selbst beim Beten. Wir denken immer an das, was wir wollen, was unserem Ich entspricht, was unser Egoismus und unser Stolz wollen. Wir kreisen um uns. Wir denken pausenlos an uns. Johannes aber sagt: Umdenken. Nicht von uns her denken, sondern von Gott her denken. Wenn ich das tue, dann werde ich plötzlich vieles anders beurteilen, anderes darüber reden und auch anderes handeln. Es verändert mich.

Eigentlich hat die Taufe das grundlegend bei uns schon gemacht. Wir sind hier umgewandelt worden und wir sollen von Gott her denken, weil wir Gottes Kinder geworden sind.

Ein Papst hat einmal auf die Frage, was das größte Ereignis in seinem Leben, im Leben eines Papstes sei, geantwortet: die Taufe. Machen wir uns das wieder bewusst.

Auch Johannes spricht von Taufe, doch ist dies nur eine Bußtaufe, weil Jesus uns noch nicht erlöst hat, doch geht es in die gleiche Richtung: Denkt um!

Und Johannes bekräftigt seine Botschaft mit seinem Leben: Gewand aus Kamelhaaren, lederner Gürtel, Heuschrecken, wilder Honig. Kleidung und Speise entsprechen einem Propheten. Das war normal. Daran erkannte man den Propheten. Sein Äußeres und sein Tun entsprechen seinem Wort. Wort und Leben stimmen bei Johannes also überein. Das ist etwas ganz wichtiges. Das soll auch bei uns so sein.

Nicht so wie bei den Pharisäern, die Johannes deswegen schon beschimpft (mit Schlangenbrut). Jesus wird später in dieser Weise genauso Kritik üben. Die Pharisäer  haben ihre Frömmigkeit sehr nach außen getragen, um von den Leuten gesehen zu werden. Es ist keine echte Umkehr da bei ihnen.

Johannes also ruft uns auf: Denkt um! Denkt von Gott her und vieles wird anders beurteilt werden. Manches wird unwichtig, dafür kommt anderes in den Vordergrund. Vielleicht ist doch ein bisschen mehr Gebet nicht schlecht, ein bisschen mehr Vorbereitung auf Weihnachten, ein bisschen mehr an Stille und Ruhe, dafür ein bisschen weniger Fernsehen, ein bisschen weniger Streit, ein bisschen weniger Internet. Ein bisschen mehr Friede, ein bisschen weniger Zorn.

Von Gott her denken und der Advent schaut gleich ganz anders aus. Es wird dann ein Advent dem Namen nach, denn Advent heißt Ankunft. Die Ankunft des Herrn wollen wir erwarten und nicht schlafen. Wir wollen sie ersehnen, damit er auch zu uns kommen kann, damit er auch in unser Herz kommen kann. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email