3. Adventssonntag
2016 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der Volksfrömmigkeit tritt Johannes der Täufer leider im Advent kaum in Erscheinung. Vielleicht fällt jemanden einmal eine tolle Idee ein, sodass der Vorläufer Jesu im Advent beim normalen Volk nicht vergessen wird und seine wichtige Aufgabe, die er hat, ein bisschen in das Bewusstsein der Leute gebracht wird. Das wäre nicht schlecht. Aber er ist eben nicht so sympathisch wie z.B. der hl. Nikolaus, der die Kinder beschenkt. Johannes der Täufer steht mehr für unappetitliche Nahrung wie Heuschrecken. Er steht mehr für Wüste und für vernichtende Worte gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten. Er findet nicht so liebevolle Worte, wie der Bischof mit dem Bart, sondern kritisiert öffentlich mutig den Ehebruch des König Herodes, sodass er doch glatt im Gefängnis landet.

Wenn er auch nicht diesen beliebten Stellenwert hat, für viele sogar nur eine Nebenrolle hat und bei manchem fast gar nicht bekannt ist, die Liturgie vergisst ihn nicht. Er begegnet uns immer wieder in den Sonntagsevangelien des Advents, denn er ist der Vorläufer des Messias. Er ist der Rufer in der Wüste, der den Erlöser ankündigt.

Heute haben wir gehört, dass er nun in diesem Kerker sitzt. Seine mächtige Stimme, die zur Umkehr gerufen hat, ist verstummt. Und wir hören nur eine etwas verzagte Frage, die seine Jünger an Jesus stellen sollen. „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

So manche haben sich darüber gewundert. Warum stellt Johannes diese Frage? Er war sich doch so sicher. Er hat ihn doch erkannt und auf ihn gezeigt, als er sich taufen ließ. „Seht das Lamm Gottes, das die Sünden hinwegnimmt.“ Der Himmel hat sich geöffnet und die Stimme des Vaters war zu hören. „Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn sollt ihr hören.“ Das waren doch ganz deutliche Zeichen. Und er war überzeugt, dass dieser es ist, auf den wir warten. Seine Jünger sind sogar deswegen zu Jesus gegangen. Daher gibt es die Meinung, dass er seine Jünger, die ihn im Gefängnis besuchten, nur aus diesem Grund zu Jesus hinschickt, um deren Zweifel aus dem Weg zu räumen. Aber ganz egal, ob er nun auch gezweifelt hat oder nur seine Jünger, den Glaubenszweifel finden wir immer wieder. Nur wenige Menschen kennen den Glaubenszweifel nicht. Schon Thomas tat sich schwer mit dem Glauben an Jesus und verlangte greifbare Tatsachen und Hinweise: Wenn ich meine Hand nicht in seine Seite lege, dann glaube ich nicht.

Wie schlimm ist nun eigentlich ein Glaubenszweifel? Oftmals ist bei uns Menschen noch kein fester Glaubenszweifel in unserem Leben, sondern es sind Glaubensschwierigkeiten, die uns vielleicht in eine kleine Glaubenskrise bringen, aber der echte Glaubenszweifel im strengen Sinn des Wortes ist erst, wenn jemand bewusst und mit freiem Willen sich das Urteil bildet: Dieser oder jener Glaubenssatz oder der ganze Glaube ist nicht sicher oder falsch.

Es gibt in uns Anlagen und Mängel, die den Glaubenszweifel nähren können. Wer einen Hang zum Grübeln hat oder eigensinnig ist, die Rechthaberei und die Unkenntnis des Glaubensinhaltes, sowie ein mangelhaftes Gottesbild können Ursachen für einen kommenden Glaubenszweifel sein. Das alles sind sogenannte Vorstufen der Glaubenskrise und normalerweise nicht schwer schuldhaft. Auch die Versuchungen gegen den Glauben und mögen sie noch so heftig sein, sind keine Sünde, solange der Mensch sich ihnen nicht überlässt und sie bewusst herbeiführt. Anders allerdings ist es beim vollbewussten und frei zugelassenen Zweifel.

Das ist natürlich bei Johannes dem Täufer nicht der Fall. Wenn es bei ihm Zweifel waren, dann vielleicht deshalb, weil auch seine Vorstellung vom Messias nicht ganz richtig war, so wie bei vielen anderen. Aber Jesus belehrt ihn und weist ihn hin, was geschieht: Lahme können wieder gehen, Taube hören, usw. Das ist der Messias, der Sohn Gottes, der diese Macht hat und der diese frohe Botschaft den Armen bringt. So bestätigt Jesus selbst, dass er der ist, auf den alle warten, den die Propheten und eben auch Johannes angekündigt haben, und er lobt seinen Vorläufer, der so mutig ihm den Weg gebahnt hat, der kein Windfähnchen war, sondern ohne Angst die Wahrheit verkündet hat. Das ist auch die Aufgabe der Kirche: die Ankunft Christi zu verkünden. Er wird kommen und wir wollen auch mutig zu dieser Wahrheit zu stehen und selber den Ruf der Umkehr hören, sodass Christus auch in unser Herz kommen kann. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email