4. Adventssonntag
2016 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Bei der Vorbereitung auf die Predigt bin ich auf zwei mir unbekannte Legenden über den hl. Josef gestoßen, die ich ganz lieb fand.

Die erste Legende berichtet: Als Maria verheiratet werden sollte, waren so viele Bewerber, die um die Hand Mariens anhalten wollten, sodass sich der Hohepriester entschloss, Gott selbst die Entscheidung treffen zu lassen. Er gab jedem Mann einen dürren Zweig, auf dem er seinen Namen eingravieren musste. Auch Josef war natürlich einer unter den Bewerbern, und er war der Ärmste und Bescheidenste von allen. Der Hohepriester nahm die Stäbe in Empfang und legte sie im Tempel nieder. Zur festgesetzten Stunde kamen die jungen Leute wieder zusammen, und unter Gebet und Opfern führte sie der Hohepriester zu der Stelle, wo die Zweige lagen. Sie waren alle dürr, nur einer trug grüne Sprossen und eine schneeweiße Lilie. Es war der Stab Josefs. Damit war die Entscheidung gefallen.

Es ist klar, dass diese Legende mit der weißen Lilie auf die Reinheit und Keuschheit des heiligen Josef aufmerksam machen will. Josef war ein gerechter Mann, hieß es. Umso mehr war er geschockt, als sich zeigte, dass seine Verlobte Maria ein Kind bekommt, das nicht von ihm ist, da sie noch nicht zusammen waren. Wie musste er gelitten haben, weil er sich das nicht erklären konnte! Er kannte Maria. Er wusste, dass sie ihn nicht mit einem anderen Mann betrogen hat. Oder doch? Woher kam denn das Kind? Er verstand die Welt nicht mehr. Er wird sich in aller Stille von ihr trennen. Aber das war nicht der Plan Gottes. Gott greift jetzt durch einen Engel ein und es wird ihm im Traum das Geheimnis anvertraut. „Hab keine Angst Maria als deine Frau zu dir zu nehmen. Das Kind ist vom Heiligen Geist.“

Und er tat, was der Engel ihm befohlen hatte. Doch kam es gleich wieder ganz anders als geplant und sie müssen nach Bethlehem in die Stadt Davids, um sich aufschreiben zu lassen.

Die zweite Legende berichtet davon, dass Josef von seiner vergeblichen Herbergssuche zurückkam und im Stall Maria sein Leid klagte. Der Kummer nagte wirklich in seinem Herzen, dass er nichts anderes bieten konnte, als diesen elenden Stall, und so schlief er mit einem schweren Seufzer ein. Plötzlich träumte ihm, dass er den beiden einen Palast aus schönstem Holz und Edelstein aufgebaut hätte. Bald war der Bau fertig und Maria und das Kind konnten auf prächtigen Kissen dort ruhen. Da erwachte Josef und sah um sich wieder nur den elenden Stall, in dem er eingeschlafen war. Aber nein, das war nicht mehr der gleiche elende Stall, denn er hörte Maria, wie sie ihn heranrief. Und er sah vor ihr in der kleinen Krippe das göttliche Kind. Und als er den himmlischen Glanz sah, da fühlte er unaussprechliche Freude im Herzen, die jede andere Freude unendlich übertraf.

Die ganze Armut, die unwohnliche Krippe und der Stall lassen das Kind umso heller leuchten. Wenn ein Edelstein zwischen Edelsteinen liegt, bemerkt man seine Schönheit nicht so richtig. Wenn er aber zwischen Stroh und Heu glitzert, dann werden wir geblendet von seiner Strahlkraft und bewundern ihn umso mehr.

Der heilige Josef, der uns heute anspricht, spricht nicht viel. In der heiligen Schrift sagt er gar nichts. Aber allein sein Handeln sagt alles. Man braucht nicht viele Worte, um das Wesentliche zu vermitteln. Manchmal muss man überhaupt gar nichts sagen, sondern allein unser Verhalten drückt schon das aus, was uns wichtig ist. So war es auch oft bei Josef. Josef hat den Willen Gottes erfüllt. Er hat den Befehl des Engels vernommen und sofort zugestimmt. Er hat nicht gemurrt. Es war ihm nicht lästig diese Aufgabe. Er tat sofort, was von ihm erwartet wird. So kann uns der heilige Josef ein großes Vorbild sein in unserem Leben: Dass auch wir ohne zu Zögern das Gute tun, das wir erkannt haben. Wichtiger ist das Tun als das Reden. Und das hat Josef gemacht. Er hörte die Stimme Gottes und war sofort bereit, den Willen Gottes in die Tat umzusetzen.

Er soll Maria und das Jesuskind beschützen. Er ist auch der Beschützer der Kirche. Und daher wird er auch uns helfen, wenn wir uns ihm anvertrauen und ihn um seine Fürsprache anflehen. Amen.

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