Fronleichnam
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Fronleichnamsfest führt uns zurück zum Gründonnerstag in den Abendmahlssaal. Das Außergewöhnliche, was Jesus an diesem Abend getan hat, ist kaum fassbar. Es ist der neue Bund, den er mit uns geschlossen hat. Mose hat bereits mit dem Blut eines Stieres das Volk besprengt und dadurch hat Gott einen Bund mit den Israeliten geschlossen. Diesmal schließt Gott einen neuen Bund mit den Aposteln und uns, nämlich mit seinem eigenen Blut, das er für uns vergießt.

Mit den Worten „Das ist mein Leib. Das ist mein Blut“ wird Jesus auf dem Altar gegenwärtig. Der Priester berührt ihn mit seinen schwachen, sündigen Händen. Aber Jesus hat das so gewollt. Er ist das Brot des Lebens. In diesen Gestalten gibt er sich in unsere Hände und wird dadurch auch verletzbar, denn wir können nun über ihn herrschen. Wir können ihn anbeten und wir können das Allerheiligste Sakrament auch verunehren. Er ist in gewisser Weise unser Gefangener. Er kann sich in diesem Brot nicht wehren. Der heilige Pfarrer von Ars dachte bei der Wandlung folgendes: Wenn ich wüsste, dass ich in die Hölle kommen würde, dann würde ich dich nie mehr aus der Hand geben und dann müsstest du mit in die Hölle und damit wäre die Hölle für mich der Himmel. Das ist ein originelles Denken, aber richtig. Wo Jesus ist, da ist keine Hölle. Hölle ist Gottferne!

Dieser Glaube an die reale Gegenwart Jesu im Altarsakrament hat die Christen sehr bald dazu veranlasst, die Hostien in würdiger Form aufzubewahren, denn sie wurde den Kranken gebracht. Wie und wo wurde der Leib Christi aufbewahrt?

Es gab sehr bald sogenannte Hostientauben. Schon Tertullian Anfang des 3. Jahrhunderts berichtet uns davon. Eine Hostientaube ist ein Ziborium in Form einer Taube, das zur Aufbewahrung des Allerheiligsten diente. Später wurde die heilige Kommunion in sogenannten Sakramentshäuschen aufbewahrt. In Maria Laach gibt es so etwas noch. Wir bewahren die Eucharistie im sogenannten Tabernakel auf. Einmal im Jahr verlässt der Herr den Tabernakel und wir gehen hinaus aus dem Gotteshaus. Wir tragen ihn mit geschmückter Monstranz in die Öffentlichkeit hinaus und zeigen ihn der Welt. Es ist dies immer mehr ein missionarischer Akt, denn immer weniger gehen mit und immer mehr begegnen uns und fragen sich vielleicht, was das ist.

Fronleichnam ist natürlich auch ein schwieriges Wort und kann in die Irre führen, denn wir tragen keinen Leichnam durch die Straßen. Das Wort „Fron“ ist der Herr und Leichnam bedeutete damals auch der lebendige Leib. Es ist der Herrenleib, der Leib Christi, den wir verehren und anbeten. Wenn die Kinder vor dem Himmel die Blumen streuen, dann nicht damit der Priester über die Blumen gehen darf, sondern damit der Herr, den ich in der Monstranz trage, über die Blumen gehen darf. Ihm gebührt die Ehre und das Läuten gebührt ihm. Wir tun das alles, weil er im Allerheiligsten Sakrament gegenwärtig ist. Wir nennen dieses Zeigegefäß die Monstranz. Man muss in der heutigen Zeit wieder viel öfter diese Wörter erklären, weil die Menschen es nicht mehr wissen.

Die Prozession soll ein Gebet sein. Die Sakramentslieder, die wir singen, sind ein Ausdruck unseres Glauben. Gott ist da. Gott macht sich ganz klein. Er ist gegenwärtig in diesem kleine Stückchen Brot, und das tragen wir heute hinaus in die Welt. Der Herr möge an den Altären unsere Häuser und besonders auch unsere Gesellschaft segnen, damit es eine christliche Heimat bleibe. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email