13. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“

Über diese zwei Sätze möchte ich heute predigen. Sie klingen nicht sehr angenehm. „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ Das ist kein Widerspruch zum 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren. Es steht nicht da, du sollst sie nicht lieben. Es heißt, wer sie mehr liebt, als Gott. Gott steht an erster Stelle. Es kann also sein, dass ich in eine Situation komme, in der ich mich entscheiden muss zwischen Eltern und Gott. Das kann z.B. sein, wenn die Eltern mir etwas befehlen, was Sünde ist. Wir hoffen, dass dies kaum oder nicht vor kommt. Und doch gibt es solche Nöte. Ich werde gleich eine Heilige nennen, auf die diese beiden Sätze sehr gut zutreffen.

„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“ Das ist wieder so ein unangenehmer Satz. Warum geht es nicht ohne Kreuz? Warum musste Jesus selbst sein Kreuz tragen? Widerspricht dies nicht auch der Frohbotschaft Jesu. Er möchte doch, dass es uns gut geht. Warum spricht er immer wieder vom Kreuztragen? - Wir wissen es. Das Kreuz kam durch die Sünde in die Welt. Das Kreuz war nicht gottgewollt. Es kam durch die Freiheit des Menschen, der seine Freiheit missbrauchte und Gottes Gebot übertrat. Der Mensch hat sich selbst das Kreuz auf die Erde geholt. Um dieses Kreuz leichter tragen zu können, ist Gott Mensch geworden und hat uns ein Beispiel gegeben. Er hat tapfer das Kreuz getragen, damit es uns leichter fällt. Er hat es aus Liebe getragen, und wenn wir es auch aus Liebe tragen, dann bringt es Segen.

Die Heilige, auf die diese beiden Sätze passen, ist die hl. Edith Stein. Sie war im jüdischen Glauben aufgewachsen, ist dann aber gottlos geworden. Atheist zu sein ist etwas ganz tragisches. Wenn ich nicht mehr an Gott glauben kann, dann bin ich im Dunkeln. Edith Stein war lange Jahre total gottlos, aber sie war immer auf der Suche nach der Wahrheit. Das ist wichtig. Wer sucht, wer sich nicht abfindet, dem hilft Gott. Und so gab es bei Edith Stein mehrere Erlebnisse, durch die sie zum Glauben zurückfand, und zwar letztendlich zum katholischen Glauben. Das war für ihre Mutter, die eine strenge Jüdin war, etwas ganz schlimmes. Die Konversion und die Taufe der Tochter brachen der Mutter fast das Herz. Dass Edith gottlos war, war interessanterweise bei weitem nicht so schlimm für die Mutter wie „katholisch sein“. Edith Stein liebte ihre Mutter. Sie wusste, sie würde ihre Mutter kränken und doch kommt jetzt der Satz. „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ Jetzt aber kommt noch eine zweite Phase. Sie wollte in ein Kloster gehen, noch dazu in einen Karmelorden, einem ganz strengen Orden. Und nun wartete sie noch aus Liebe zur Mutter und ging nicht gleich. Sie machte aus Rücksicht auf ihre Mutter nicht gleich diesen Schritt. Wir sehen die Spannung, in der sie stand. Ihr Schwester Rosa übrigens ist aus Rücksicht zur Mutter erst nach ihrem Tod katholisch geworden.

Als Edith im Jahre 1933 in den Karmel in Köln eintritt, wählte sie als Ordensnamen Schwester Benedicta vom Kreuz. „Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt, ist meiner nicht wert.“ Sie ahnte, das nächste Kreuz lässt nicht lange auf sich warten. Nicht nur das Kreuz mit ihrer Mutter lastete auf sie, sondern auch das Kreuz des Nationalsozialismus. Als die Bischöfe Hollands gegen das Naziregime mit einem Hirtenbrief protestierten, wurden auch alle katholischen Juden - und zu denen gehörte Edith Stein – verhaftet, und sie wurde nach Auschwitz gebracht, wo sie am 9.8.1942 ihr Leben mit dem Martyrium vollendete.

Sie hat das Kreuz tapfer getragen und ist Jesus nachgefolgt. Sie hat Jesus mehr geliebt als ihre Mutter, nachdem sie die Wahrheit gefunden hatte.

Dies alles ist nicht immer leicht. Aber jeder von uns kennt das Kreuz, und jeder hat es schon tragen müssen. Wer im Leid auf das Kreuz Jesu schaut, dem wird reicher Trost zuteil. Diese Kreuzestheologie hat etwas für sich und gehört auch zur Frohbotschaft Jesu Christi, denn letztendlich ist das der Weg in die ewige Glückseligkeit, denn das Kreuz ist die Brücke hinüber zur anderen Welt, in der uns Gott für immer Freude schenken möchte. Amen.

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