14. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jesus sagt heute im Evangelium. „Lernt von mir. Ich bin gütig und von Herzen demütig.“ Es sind zwei Eigenschaften oder besser gesagt Tugenden des Gottessohnes, die er uns ans Herz legt, nachzuahmen: die Güte und die Demut.

Sprechen wir über die Güte. Was ist Güte? Güte ist unverdiente Liebe, sagt ein berühmter Dominikaner. Ein anderes Wort für Güte ist Wohlwollen. Ich will das Wohl des Nächsten. Güte ist dem Anderen Gutes tun, nicht weil er es verdient hat, sondern weil er es braucht, dass man gut zu ihm ist, nicht weil man sich davon einen Nutzen verspricht, sondern weil man dem Nächsten gut sein will. Bei Jesus ist das immer der Fall. Er schaut nicht auf das, was einer geleistet hat, sondern er ist zu jedem Menschen gütig. Er ist die Güte schlechthin.

Diese Güte müssen auch wir versuchen zu leben, als Großeltern, in der Ehe, als Eltern in der Kindererziehung. Ein Kind braucht Güte, viel Güte, wenn wir es richtig erziehen wollen, sonst verkommt es. Sicherlich braucht es auch die Strenge und die Festigkeit, aber selbst da muss das Kind die Güte spüren, die dahintersteht. Ich habe gelesen, dass die chinesische Zeichenschrift den Begriff „Güte“ dadurch ausdrückt, dass sie die Zeichen für „Mutter“ und „Kind“ nebeneinandersetzt. Das ist das Wesen einer „Mutter-Kind-Beziehung“, dass die Mutter gütig zum Kind ist.

Güte brauchen die Armen, die Kranken, die Irrenden, ja selbst unsere Gegner und Feinde, besonders die, die uns aus irgendeinem Grund abgeneigt oder übelgesinnt sind. Das hat schon so manchen entwaffnet, wenn einer sich bei einem überwindet und mit Güte antwortet, den er nicht mag oder der ihm nicht so sympathisch ist, besonders bei dem, der einem feindlich gesinnt ist. Ich bin dir gut, trotz allem, was du mir antust oder von mir denkst. Bei Christus ist das besonders der Fall. Er betet für die, die ihn verurteilt haben und töten. „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Voraussetzung zum „Gutes tun“, ist das gute Denken vom Nächsten. Wie schwer fällt uns das oft! Wenn wir nach unseren guten Worten gerichtet werden, dann können wir vielleicht im Gericht bestehen. Wenn wir nach unseren Werken gerichtet werden, dann wird es schon ernster, aber wenn wir nach unseren guten Gedanken gerichtet werden, dann könnte es sein, dass wir zittern müssen, denn wie oft erwischen wir uns im „Schlecht denken“ über den anderen. Wie oft sehen wir nur die Fehler der anderen und die eigenen nicht. „Den Splitter im Auge des Nächsten“, so formuliert es Jesus, „und nicht den Balken!“

Dass jemand gütig handelte, das sehen wir beim barmherzigen Samariter. Jesus selbst ist der barmherzige Samariter, der gekommen ist, die verwundete Menschheit zu heilen. Er hat gütig an uns gehandelt.

Güte bringt dann auch Freude. Ein gütiger Mensch ist kein Pessimist. Zu einem gütigen Menschen wird der allgütige Heiland sagen. „Komm, geh ein in die Freude deines Herrn.“

So wollen wir also auch immer versuchen, gütig zu sein, Liebe zu schenken, ohne etwas zu erwarten, ohne, dass es der anderen unbedingt verdient hätte, dann werden wir Friede und Freude auf diese Erde bringen und sie in der Ewigkeit auch geschenkt bekommen. Amen.

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