15. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Das Gleichnis vom Sämann ist eines der wenigen Gleichnisse, die Jesus selbst ausgelegt hat. Daher kann man auf diese Auslegung, die man allegorisch nennt, aufbauen.

Der Samen, den der Sämann ausstreut, fällt nicht nur auf guten Boden, sondern hat noch drei andere, nicht sehr fruchtbringende Orte.

  1. Der Weg. Der Samen, der auf den Weg fällt, wird von den Vögeln aufgepickt. Er dringt nicht ein ins Erdreich. Jesus selbst sagt, dass der Samen das Wort Gottes ist, das gepredigt wird. Welche Leute also sind das, die für den Weg stehen? Bei welchen Leuten bleibt das Wort Gottes an der Oberfläche und dringt nicht ins Herz. Es könnten die sein, die schlafen, die nicht zuhören, die an etwas anderes denken. Sicherlich sind immer wieder Leute darunter, die nicht aufpassen, weil sie momentan mit den Gedanken woanders sind, bei der Familie, bei den Sorgen, bei dem, was nach der Messe ist. Sie sind mit ihren Gedanken vielleicht zu Hause, bei der Arbeit, beim Spiel und bei der Freizeit. Sie überlegen, was sie heute Nachmittag machen werden. Das Problem kann aber auch beim Prediger liegen. Dass er zu leise spricht, dass die Lautsprecheranlage nicht funktioniert, dass sie ihn nicht hören, dass er zu wenig spannend predigt, dass es uninteressant ist, dass er mit zu wenig Begeisterung und Überzeugung predigt, dass es ganz einfach langweilig ist. Man hofft, dass er bald aufhört, dass die Predigt nicht zu lang ist, und dass bald das erlösende „Amen“ kommt. Und daher dringt das Wort Gottes nicht ins Herz vor. Es wird von den Vögeln gefressen. Der Samen wird nicht Frucht bringen.
  2. Der felsige Grund. Das ist das berühmte Strohfeuer. Der Samen geht auf, hat aber keine Wurzeln, und wenn die Sonne stark herunterscheint, dann verdorrt alles. Es ist manchmal nur eine kurze Begeisterung festzustellen, aber keine Beständigkeit da. Es gibt immer wieder Menschen, die haben kein Durchhaltevermögen. Wenn es schwer wird, dann gebe ich auf. Wenn es mühsam ist, dann habe ich keine Lust mehr. Die Treue ist nicht so einfach zu leben, das Durchtragen. Wenn ich in Stimmung bin, dann geht es leicht. Der Glaube bei Hochgefühl ist kein Problem. Aber jetzt wird es heiß und mühsam, dann hat diese kleine Pflanze keine Wurzeln und geht kaputt. Diesen Samen können wir vielleicht folgendermaßen beschreiben: Ich bete nur, wenn es mir gut geht. Ja, dann danke ich Gott, dann lobe und preise ich Gott. Wenn es mir schlecht geht, dann schimpfe ich auf Gott. Dann frage ich mich: „Warum lässt Gott das zu?“ Und der Glaube kommt in die Krise.
  3. Das Dornengestrüpp beschreibt Jesus selbst mit den Sorgen und dem Reichtum der Welt. Wenn jemand in der Früh statt das Morgengebet zu beten, den Aktienkurs studiert. Der Reichtum ist das Umgekehrte wie der Punkt 2 mit dem felsigen Grund. Hier vergisst der Reiche auf Gott. Statt zu danken, hegt er keinen Gedanken daran, sondern beschäftigt sich noch mehr mit dem Geld. Die Habsucht wird in ihm geweckt. Der Geiz ist da. Wenn es mir gut geht, dann brauche ich Gott nicht. Jesus sagt an einer anderen Stelle dazu. Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher in das Himmelreich. Dieses Dornengestrüpp ist heute weit verbreitet. Vielleicht kann man das verlorene Schaf, das sich in den Dornen verfangen hat, auch in diese Richtung deuten. Die Rettung wäre, nach Jesus rufen. Das Gebet ist so ein Ruf. Und der gute Hirt wird sich auf den Weg machen und es daraus befreien, weil wir es selber nicht schaffen.

 

Gott sei Dank aber gibt es nicht nur den Weg, den felsigen Grund und das Dornengestrüpp. Gott sei Dank fällt der Samen auch auf guten Boden, wo er Frucht bringt. Auch wenn wir vielleicht noch nicht viel sehen. Das Wachsen braucht seine Zeit.

Paulus bringt auch einmal so einen ähnlichen Vergleich, wenn er sagt. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ es wachsen.

Vielleicht ist in jedem Menschen ein bisschen guter Boden, ein bisschen der Weg, ein bisschen felsiger Grund und bisschen Dornengestrüpp. Vielleicht müssen wir selber auch ein bisschen in uns den Boden bereiten mit unserem guten Willen. Und dann wollen wir es Gott überlassen. Er möge in uns den Samen wachsen lassen. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email