25. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Beim ersten Hinschauen ist es ganz verständlich, dass die Männer, die länger gearbeitet haben und den gleichen Lohn empfangen, sich ärgern, es als ungerecht empfinden und neidisch sind. Ich habe einmal über den Neid gesprochen beim Gleichnis vom barmherzigen Vater. Der ältere Bruder ist neidisch, weil der Vater für seinen jüngeren Bruder ein Fest feiert. Der Neid kommt immer vom Vergleichen. Aber das ist nicht gut, denn der Vergleich ist vom Teufel. Ich habe damals das Märchen Schneewittchen in Erinnerung gerufen. Die böse Stiefmutter ist neidisch, weil der Spiegel sagt, dass Schneewittchen 1000-mal schöner ist als sie, und deswegen muss sie sterben. Am Anfang der Schöpfung findet der Neid schon Eingang in das Herz der Menschen. Kain ist neidisch auf Abel, weil Gott sein Opfer annimmt und deswegen bringt er seinen Bruder um. Und so sind die, die im heutigen Evangelium am längsten gearbeitet haben, neidisch auf die, die nur 1 Stunde gearbeitet haben, weil sie alle den gleichen Lohn bekommen. Wenn sie nicht wüssten, dass die anderen genauso viel bekommen, wäre alles kein Problem, denn es wurde ja ein Denar ausgemacht. Aber Gott hat kein Kleingeld. Gott hat nur Denare!

Der menschliche Vergleich ist wirklich vom Teufel, weil wir nur mit unserem menschlichen Verstand vergleichen. Gott aber hat in seiner Allwissenheit alles im Blick. Er weiß genau, wieviel Gnaden er jedem gibt. Er weiß genau, wie der Mensch mit den Gnaden umgeht in seiner Freiheit. Und Gott wirbt einfach zu jeder Zeit um den Menschen. Er möchte ihn für sich gewinnen.

Weiters ist auch folgendes zu bedenken beim Thema Gerechtigkeit Gottes: Ich weiß ebenfalls nicht, ob die Arbeiter in der einen Stunde mehr fertig gebracht haben, als die anderen, die 11 Stunden gearbeitet haben. Es kann sein, dass ich in einer Stunde fleißiger bin, als einer, der 11 Stunden zwar etwas tut, aber unheimlich langsam ist. Es kann sein, dass einer in kurzer Zeit sich mehr abmüht, als einer in vielen Stunden. Es kann sein, dass einer auch nicht so kräftig ist wie der andere und daher statt einen vollen Eimer immer zwei halbe Eimer tragen muss und deswegen viel länger braucht. Es kann sein, dass er hier weniger Talente von Gott bekommen hat und weniger geeignet ist. Soll er dafür bestraft werden? Das Gleiche gilt für geistige Arbeiten. Der eine Pfarrer braucht für die Predigt 11 Stunden, der andere nur eine. Beim einen ist daraus etwas geworden, beim anderen nicht. Beim einen ändern sich die Leute zum Guten, beim anderen bleibt alles beim Alten.

In der Schule ist es das Gleiche. Ein Schüler tut sich schwerer und er schreibt eine schlechte Note. Vielleicht hat er weniger geübt. Der eine muss 11 Stunden für dasselbe üben, und der andere hat es in einer Stunde schon gelernt.

In der Marktwirtschaft wird das oft versucht zu beurteilen, aber alles kann man nicht gerecht beurteilen. Das alles weiß letztlich hundertprozentig genau nur Gott, und der Mensch soll hier nicht neidisch sein mit seinem kurzsichtigen Blick. Wörtlich übersetzt heißt die Frage: „Oder bist du neidisch?“ eigentlich: „Oder ist dein Blick böse?“ Der Blick wird böse, wenn ich nicht auf mich schaue, sondern auf die Güter des anderen, auf das, was der andere hat, und was ich nicht habe, was ich auch haben will. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut. Das wäre das 10. Gebot. Der andere hat etwas viel schöneres, und darum bin ich neidisch und darum wird mein Blick böse.

Bei unserem Gleichnis kriegt also jeder das, was ausgemacht ist; auch der, der später gerufen wird. Gott beruft, und er beruft in seiner voller Freiheit. Die Berufung ist Gnade. Und doch ist alles gerecht, was Gott tut. Wir müssen immer sagen. Letztlich könnten wir uns den Himmel - und das ist ja eigentlich der Denar, den sie bekommen, -  gar nicht verdienen. Wir haben kein Anrecht auf den Himmel, weil wir so gut und so brav waren, weil wir so viel Gutes getan haben, sondern es kommt auf Gottes Barmherzigkeit an. Wenn wir im Weinberg Gottes arbeiten dürfen, dann nur weil Gott uns ruft in seiner unendlichen Gnade. Und Gott kann rufen wann er will. Der eine wird schon im Mutterschoß gerufen, wie es Gott dem Propheten Jesaja sagt oder bei Johannes dem Täufer. Andere in früher Jugend. Wieder andere als Erwachsener oder auch unmittelbar vor dem Tod. Das ist die Rettung für den rechten Schächer am Kreuz. Da ist Gott nicht ungerecht, sondern unendlich barmherzig. Da bleibt nicht Neid am Ende, sondern unendliche Dankbarkeit gegenüber Gott und seiner unendlichen Geduld, Barmherzigkeit und Liebe. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email