31. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Ihr sollt euch nicht Vater nennen.“, so haben wir gehört. Spontan wird jeder von uns sagen. Aber das tun wir doch! Jeder hat einen Vater und nennt ihn so, und in der Kirche wird der Ordensmann Pater, d.h. Vater genannt und den Papst nennen wir sogar noch „Heiliger Vater“. Widerspricht das nicht mal wieder eklatant der Hl. Schrift?

Nein, natürlich nicht. Und ich behaupte gleich, dass wir dies nicht wörtlich verstehen dürfen und werde es auch sofort beweisen.

Aber zuerst noch eine Vorbemerkung. Jesus hat oft manches gesagt, was wir symbolisch verstehen müssen: Z.B. wenn er sagt, dass wir das Auge ausreißen sollen. „Lieber mit einem Auge in den Himmel, als mit zwei Augen in die Hölle,“ ist ebenfalls nicht wörtlich auszuführen. Hier ist es natürlich noch viel einleuchtender.

Warum dürfen wir das nun aber auch in diesem Punkt so verstehen und so auslegen. Wir alle wissen, mit der alleinigen Abschaffung des Titels (Doktor, Magister, Professor, Lehrer, usw.) ist es nicht getan. Was Christus uns sagen will, ist die Ausrichtung des Herzens, die innere Einstellung. Wer solche Titel trägt, soll sie in Demut tragen. Im strengen Sinn ist nur Gott unser Vater und Christus unser Herr und Meister. Jeder Mensch führt so einen Titel unwürdig.

Argumente, warum wir dies nun so im weiteren Sinn auslegen dürfen, gibt es genug. Im NT verwendet Jesus selbst sogar und die Apostel den Vatertitel nicht nur für Gott. Jesus sagt: „Ehre Vater und Mutter“. Petrus spricht vom „Gott unserer Väter“. Jakobus erinnert an „Abraham unseren Vater“. Auch Paulus spricht von Abraham als „Vater aller Glaubenden“. Damit nicht genug. Paulus hat keine Scheu, sogar sich selbst als Vater, der von ihm bekehrten Christen zu sehen und sich als Vater seines Schülers Onesimus zu bezeichnen. Die Schüler werden als „Kind“, „mein Kind Timotheus“ angeredet. So kann man sich vorstellen, dass umgekehrt, sie ihn mit Vater angeredet haben. Da uns aber nur die Briefe vom „Vater an den Sohn“ überliefert sind und nicht umgekehrt, können wir das nicht beweisen.

Genauso nun gilt das für die weiteren Titel. Paulus selbst z.B. bezeichnet sich sogar als „Lehrer der Völker“. Sollte also Paulus mit voller Absicht das Gebot Jesu missachten, in dem er sich Lehrer und Vater nennt? Keineswegs. Der hl. Paulus wusste sehr wohl, was Jesus gemeint hat und was nicht. Ein wichtiger Punkt ist also, dass wir Gott Vater lieben und ehren müssen, aber nicht in derselben Art und Weise, wie wir unseren leiblichen und geistlichen Vater (also die Priester) hier auf Erden lieben. Göttliche Ehre und Anbetung hingegen gebührt nur Gott Vater allein.

Wie immer muss man also auch hier die Bibel im Gesamtzusammenhang lesen und nicht einen Satz herausnehmen, um die Bibel richtig zu verstehen. Dazu braucht es auch das Lehramt der Kirche, an das wir uns halten wollen und den Katechismus, wo wir nachschauen können, wie die Hl. Schrift auszulegen ist. Sonst begeben wir uns auf unsicheren Wegen und werden zu ganz verschiedenen Lehren gelangen und die Einheit verlieren. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email