5. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Interessant ist, dass Jesus heute sagt: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Und nicht ihr sollt es werden.

Ich behaupte jetzt einmal, dass wir es werden sollen und dazu müssen wir uns auf den Weg machen. Es gibt drei Phasen, die die Heiligen oft durchmachten, bis sie wirklich Salz der Erde und Licht der Welt wurden.

Die erste Phase ist die vor der Bekehrung. Sie leben ganz normal in der Welt wie jeder andere. Sie tun, was man so tut. Es besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen ihn und ihren Mitmenschen.

Man lässt sich beeinflussen von Medien, denkt so wie die Medien. Man lebt in der Welt und wie die Welt. Man denkt und handelt, wie man eben in der Welt zu denken, und zu handeln pflegt, um vorwärtszukommen. Die öffentliche Meinung bestimmt unsere Maßstäbe. Damit bin ich weder Salz noch Licht. Es ist dies natürlich immer eine Gefahr des Christen, dass er aus Angst, von der Welt abgeschrieben zu werden, das eigene Verhalten dem gängigen Trend anpasst. Aber mit solcher Anpassung sieht man nicht mehr das speziell Christliche, und es schwindet auch die Glaubwürdigkeit des Christen und der Kirche. Daher schreibt der Apostel Paulus bereits: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: Was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“

So mancher Heilige hat diesen normalen Weg gelebt, und dann kam aber die Bekehrung. Plötzlich will man sein Christsein radikal ernst nehmen. Hier allerdings besteht die andere Gefahr, dass man zu einem rücksichtslosen, hartherzigen und verständnislosen Fanatiker wird, dass man mit allen Mitteln versucht seine Ideen seiner Umwelt aufzuzwingen. Vielleicht fallen auch hier die Übertreibungen hinein, wenn man radikale Buße tut und seinem Körper schadet durch Kasteiungen. Der heilige Ignatius z.B. hat später bereut, dass er sich dadurch seiner Gesundheit geschadet hat, als er am Anfang seiner Bekehrung diesbezüglich sehr übertrieben hat.

Diese zweite Phase ist die Phase, wo wir dem anderen die Suppe versalzen. Wir sind zu viel Salz und das schmeckt auch nicht. Es ist die Phase, wo wir andere Mitmenschen blenden und sie gar nichts mehr sehen. Es ist so hell, dass sie Wiederrum nicht den richtigen Weg erkennen können.

Ein Prediger formuliert diese Phase folgendermaßen. Wir können im Alltag zuweilen so radikal christlich sein, dass wir dabei radikal unchristlich werden. Das heißt, wenn nicht mehr die Liebe das Urprinzip ist, sondern die Radikalität.

In der dritten Phase werden wir nun in der richtigen Weise Salz der Erde und Licht der Welt. Hier geben wir der Welt die Würze. Hier schmecken wir. Hier erleuchten wir die Menschen.

Salz in der entsprechenden Menge ist wichtig. Zuviel Salz kann das Essen verderben. Man sagt, wenn ein Koch die Suppe versalzen hat, dann ist er verliebt, weil er anscheinend beim Salzen der Speisen mit den Gedanken ganz woanders war.

Wir müssen mit unserer Liebe ganz bei der Sache sein, beim Mitmenschen und natürlich bei Gott.

Wenn wir die vollkommene Radikalität der Liebe leben, dann sind wir Salz der Erde und Licht der Welt.

Und jetzt zum Schluss nochmal die Anfangsfrage. Warum sagt Jesus: Ihr seid es schon? Ich glaube, er möchte damit sagen, dass wir durch die Taufe schon Salz sind, schon Licht sind: Salz, das ausgestreut werden muss; Licht, das nicht unter einen Scheffel gestellt werden darf. Wer das Salz und das Licht für sich behält, der hat seinen Auftrag nicht verstanden. Wir sollen andere auf den Geschmack bringen. Wir sollen die Dunkelheit erleuchten. Das meint Jesus, wenn er heute uns mit Salz und Licht vergleicht. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email