6. Sonntag im Jahreskreis
2017 A
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Ich bin nicht gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ Das ist die Antwort Jesu auf die offenen Fragen der Apostel, die vielleicht gedacht haben: Jetzt wird alles anders. Jesus bringt etwas ganz Neues.

In unserer Zeit erhofft man sich ja auch immer wieder Ähnliches. Wir müssen den Ballast früherer Jahrhunderte endlich abwerfen. Es muss sich etwas ändern. Die Kirche muss moderner werden und nicht beim Alten stecken bleichen, usw.

Diese Probleme sind nicht neu. Schon bei den ersten Christen führte das zu großen Auseinandersetzungen. Müssen die Christen das jüdische Gesetz in allen Einzelheiten befolgen? Matthäus antwortet darauf mit den Worten Jesu aus der Bergpredigt. Christus hebt das Gesetz nicht auf. Er ist die Erfüllung des Gesetzes. Der kleinste Buchstabe des Gesetzes darf nicht vergehen. Doch Christus fordert sogar noch mehr. Das Gesetz ist gültig, aber wir müssen es in einer neuen Weise erfüllen, die über diese äußerliche Buchstabentreue der jüdischen Gesetzesfrömmigkeit hinausgehen muss.

Drei Gebote werden von Jesus präzisiert. Es geht um das 5., 6. und 8. Gebot. Hier betont Jesus, dass die jeweilige Sünde bereits im Kopf beginnt. Wenn das 5. Gebot heißt „Du sollst nicht töten!“, dann ist bereits das „zornig sein“ Sünde. Ich soll meine Gedanken beherrschen. Ich darf ihnen nicht freien Lauf lassen, denn das führt zur schwereren Sünde. Das kann dazu führen, dass ich diese bösen Gedanken ausspreche und zu meinem Nächsten „Dummkopf“ oder „gottloser Narr“ sage. Diese ausgesprochenen Lieblosigkeiten verstärken nun die Sünde gegen das 5. Gebot und es kann dann noch leichter zu Handgreiflichkeiten kommen. Wer dann jemanden schlägt, verletzt oder schließlich umbringt, der sündigt deswegen so schwer, weil er sich bereits in den kleinen Dingen nicht bemüht hat.

Das Gleiche, so sagt Jesus, gilt für das 6. Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen.“ Hier beginnt wiederum die Sünde im Kopf, wenn unkeusche Gedanken nicht abgewehrt werden. Jesus sagt dann, dass man eine Frau nicht lüstern anschauen darf, sonst begeht man im Herzen Ehebruch. Es ist dies ein Wort, das heute nicht sehr beliebt ist, denn hier wird in den Medien vieles angeboten und gesucht. Es scheint ganz normal zu sein, wenn unser Auge hier sündigt. Und natürlich bleiben dann die Sünden, die mit dem Körper geschehen nicht aus. Für die Allgemeinheit gibt es im 6. Gebot nicht viele Sünden, die wir da nicht tun dürfen und daher ist die Kirche hier immer ein Angriffspunkt, die manches Gewissen belastet und daher soll sich die katholische Lehre ändern.

Schließlich gibt Jesus noch für das 8. Gebot seine Präzisierung: das Lügen. Wiederum sündigen wir bereits im Kopf, wenn ich überlege, wie ich zum Beispiel meinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann, und so die Wahrheit nicht klar sagen will. Viel zu schnell sprechen wir falsches oder sagen wir nur die Halbwahrheit. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein, betont Jesus. Alles andere stammt vom Bösen. Man sagt sogar. Der Teufel ist der Vater der Lüge. Er hat bereits im Garten Eden durch seine Lügen den Menschen zu Fall gebracht. Wenn ihr von der Frucht des Baumes esst, werdet ihr nicht sterben usw.

Es sind hohe Anspruche, die Jesus in der Bergpredigt stellt. Wir wissen es, und wir bleiben oft hinter diesen Ansprüchen zurück. Das heißt nicht, dass wir deswegen dieses Ideal wegschieben sollen. Streben wir danach und bemühen wir uns. Das wird uns Christen von den anderen Menschen unterscheiden. Und das macht letztlich einen Christen auch anziehend. Amen.

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© 2017 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email