www. Predigtdienst.net
Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
Navigation

1. Adventssonntag 2019 A

Messtexte | Word-Dokument

Mit dem heutigen Tag ist die sogenannte besinnliche Zeit wieder angebrochen. Der erste Adventsonntag eröffnet die Vorbereitungszeit auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu.

Der Advent hat immer einen dreifachen Aspekt. Wir erwarten Christus auf dreifache Weise. Erstens natürlich, sein Kommen im Stall von Bethlehem, das vor über 2000 Jahren geschehen ist und dessen wir in 4 Wochen gedenken. Aber nicht nur auf die Geburt in Bethlehem, sondern auch auf das Kommen bei jeder hl. Messe bereiten wir uns vor, besonders wenn er in der hl. Kommunion in unser Herz kommt. Und die dritte Ankunft hörten wir im Evangelium. Diese Ankunft liegt in der Zukunft. Sie wird am Ende der Zeiten sein. Im Evangelium wurde uns der Menschensohn vor Augen gestellt, der einst mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen wird. Auch auf diese Zeit sollen wir uns vorbereiten, sollen immer wachsam sein, damit er uns nicht schlafend findet.

Ich möchte heute auf zwei Heilige hinweisen, die uns in diesen 4 Wochen begleiten, die uns die Kirche im Advent besonders vor Augen stellt, denn sie haben sich auch auf das Kommen Jesu vorbereitet. Sie haben durch ihr Handeln und Tun die Leute auf den Erlöser hingewiesen. Sie waren wachsam.

Die eine ist Maria, die Mutter Jesu. Sie hat sich neun Monate auf die Geburt ihres Sohnes vorbereitet. Maria hat nicht viel gesprochen von diesem Geheimnis, das ihr der Engel anvertraute. Sie sprach so wenig, dass selbst Josef sie verlassen wollte und Gott selbst wiederum eingreifen musste durch seinen Engel, der im Traum zu Josef sprach.

Maria hat momentan nicht ganz verstanden, wie das geschehen soll. Erst als ihr der Engel sagte, dass der Heilige Geist über sie kommen wird und  die Kraft des Allerhöchsten sie überschatten wird, fügt sie sich sofort demütig den Willen Gottes: Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast.

Maria ist die stille Frau, die uns durch ihr Schweigen auf ihr Kind aufmerksam machen will.

Die zweite Person, auf die ich hinweisen möchte, war nicht so still. Es ist Johannes der Täufer. Er ist im Gegensatz zur stillen Maria der mächtige Rufer in der Wüste, ein rauer Geselle, der mutig zur Umkehr aufruft, der es nicht scheut den Ehebruch von König Herodes und seiner Frau anzuprangern. Mit seinen Worten „Tut Buße, kehrt um, lasst euch taufen!“ ist seine Botschaft ein Hinweis auf den Messias. Es kommt einer nach mir, der größer ist als ich. Ich bin nicht würdig, ihm die Schuhriemen zu lösen. Als sich dann Jesus von ihm taufen lässt, weist er hin: Seht das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt. Er ist der Vorläufer und eine wichtige Gestalt im Advent, dessen gewaltige Stimme die Wege des Herrn bereitet.

Johannes der Täufer ruft auf zu einem Neuanfang, zu Umkehr, zu Buße, zu einer guten Weihnachtsbeichte.

Maria steht für die Ruhe, für die Stille des Advents, für die Abende, wo man die Adventkranzkerzen anzündet, ein Gebet mit den Kindern spricht und Lieder singt. Die Stimme des Gewissens spricht nicht in der Hektik des Alltags, sondern du hörst sie, wenn es ganz leise ist, wenn wir uns besinnen, so wie es bei der Gottesmutter Maria in Nazaret war, die sich vorbereitet auf die Geburt ihres Sohnes.

Zwei ganz verschiedene Menschen und doch ist ihnen eines gemeinsam: Ihr Wunsch sich auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten.

Beide überzeugen durch ihr einfaches, schlichtes Leben: Die Armut im Stall zu Bethlehem und die Armut des Johannes in der Wüste. Er ernährte sich von Heuschrecken und wildem Honig. Er war bekleidet mit einem Gewand aus Kamelhaaren.

Beide überzeugen durch ihren festen Glauben, der nicht wankte: Maria, die große Frau des Glaubens, die trotz der vielen Fragen über ihren Sohn, treu blieb und Jesus bis unters Kreuz folgte. Johannes, der sich nicht scheute für die Wahrheit und für seinen Auftrag, seinen Kopf hinzuhalten und zu sterben bereit war.

Beide warteten auf den Kommenden mit einer Sehnsucht, die ihr ganzes Wesen erfüllte. So wollen auch wir warten.

Treten wir ein durch dieses Tor des Advents, wo links und rechts diese beiden großen Heiligen uns begrüßen und mit uns gehen. Lassen wir uns berühren von ihren Worten, die sie uns zurufen und von ihrer Botschaft, die sie uns mitteilen wollen. Dann wird es ein guter Advent im Sinne der Kirche, ein Erwarten der Herrlichkeit Christi und ein Warten auch auf das Christkind. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019