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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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3. Adventssonntag 2019 A

Messtexte | Word-Dokument

Letzte Woche noch predigte Johannes der Täufer mit gewaltiger Stimme von Umkehr und Buße: Bereitet euch vor auf das Kommen des Messias! Bei der Taufe kam Jesus dann zu ihm und Johannes wusste sofort, das ist der, den er angekündigt hat, und er zeigte auf ihn mit den Worten: Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt. Er erkannte ganz deutlich, dass Jesus der Retter ist und ab dem Zeitpunkt verkündigte er: Dieser Jesus muss wachsen, ich aber muss abnehmen. Ich bin nicht wert ihm die Schuhriemen zu lösen. Mit seiner mutigen Predigt über den König Herodes „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu heiraten!“ hat er sich dann zu weit hinausgelehnt und ist eingesperrt worden. Die Stimme eines Rufers in der Wüste ist verstummt.

Im heutigen Evangelium hörten wir die Stimme des Täufers eher still und bescheiden aus dem Kerker. Er erfuhr von seinen Jüngern im Gefängnis von Jesus, wie er nun durch die Straßen zieht und er lässt ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, nämlich der verheißene Messias, oder sollen wir auf einen anderen warten? Was soll diese Frage? Wusste er es auf einmal nicht mehr? Er hatte doch früher so entschieden darauf hingewiesen! Ist er nun unsicher geworden und zweifelt er plötzlich an Jesus? Die Frage, die er stellte, könnte darauf hinweisen.

Aber es gibt auch eine andere Antwort. Nicht seinetwegen ließ er diese Frage an Christus stellen, sondern seiner Jünger wegen und des Volkes wegen. Seine Jünger hängen immer noch viel zu sehr an ihn. Sie sahen in Jesus nur einen Menschen. Vielleicht ärgerten sie sich sogar, dass das Ansehen Jesu immer mehr zunahm, Johannes aber schon fast in Vergessenheit geraten ist. Aber er hat ja genau das vorausgesagt: Dieser muss wachsen! Sie verstanden es nicht. So sandte er sie nun zu Jesus, sie sollten es aus seinem eigenen Mund erfahren, dass er wirklich der Messias ist.

Diese Frage ist die letzte große Adventbotschaft des Täufers. Es ist seine letzte Adventpredigt, denn die Antwort Jesu war klar und eindeutig: Blinde können wieder sehen, Lahme wieder gehen. Aussätzige werden rein, Taube können wieder hören. Gibt es etwas Wunderbareres, etwas Hoffnungsvolleres? Jesus sagt nicht einfach nur: Ja, ich bin es! Er wies auf seine Wundertätigkeit hin und auf die Erfüllung der Voraussagungen der Propheten. Es ist ein doppelter Beweis. Wer kann Wunder wirken, wenn nicht der Christus? Und war es nicht ganz eindeutig geschrieben in der Schrift. Und dann aber sagte er auch deutlich: Selig wer sich an mir nicht ärgert. Die Juden hatten sich den Messias ganz anders vorgestellt. Sie träumten davon, dass er sie von der römischen Besatzungsmacht befreit. Sie erwarteten einen politischen Messias. Nichts tut er in dieser Richtung, im Gegenteil: Er beschimpft die eigenen Leute, die Schriftgelehrten und Pharisäer: Tut alles, was sie sagen, aber nicht das, was sie tun. Die Führer des Volkes warnt er, sie sollen von ihrem Stolz herabkommen. Schließlich kommt der Höhepunkt, dass der Messias sogar leiden und sterben müsse. Die ganzen Vorstellungen, die sie sich vom Messias gemacht haben, waren damit falsch, und sie ärgerten sich über dieses Messiasbild. Selig, wer sich nicht an mir ärgert. Jesus wusste das und hielt trotzdem an dieser Wahrheit fest, die er zu verkünden hatte.

Ist es nicht heute auch oft so! Die Leute möchten einen Jesus, der sie in ihren Sünden bestätigt, der nicht hinweist auf die Schuld der Menschen, der nicht sagt, das ist Ehebruch, das ist Abtreibung, das ist Lüge, das ist Diebstahl usw. Doch er ist gekommen, um den reumütigen Sündern die Sünden hinweg zunehmen, um uns zu erlösen. Das ist, noch einmal gesagt, auch die Botschaft des Johannes, der heute nur noch hinweisen will auf Christus. Folgt ihm. Er ist wirklich der Messias. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020