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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Adventssonntag 2019 A

Messtexte | Word-Dokument

Oft ist es nicht der Fall, dass der heilige Josef im Mittelpunkt steht. Kein einzig gesprochenes Wort ist uns im Evangelium von ihm überliefert. Aber heute geht es um diesen stillen, bescheidenen und hörenden Mann, der beschrieben wird als ein gerechter Mann. Dieser Mann, der also sehr zurückgezogen und unscheinbar ist, steht zwar in jeder Krippe neben der Gottesmutter Maria, fällt aber doch kaum auf. Um diesen Mann geht es heute. Und was noch besonders ist.  Es geht um seine Träume und seine Beziehung zu den Engeln. Er ist sicherlich nicht ein Träumer im negativen Sinn, wie wir das Wort manchmal verwenden, wenn jemand nicht aufpasst und Tagträumen nachgeht. Er war sicherlich nicht einer, der in einer anderen Welt lebte, sondern einer der mit beiden Füßen in der Welt lebte. Doch war er einer, der versuchte den Willen Gottes zu erkennen und der sicherlich viel betete, besonders in der schweren Zeit, in der er merkte, dass seine Verlobte Maria ein Kind erwartete, das nicht von ihm ist. Was soll das bedeuten? Welch furchtbare Enttäuschung für ihn. Seine zukünftige Frau, die er so sehr liebt, die er für unberührt und rein gehalten hat, hat ihn betrogen, hat ihn hintergangen und die Treue gebrochen. Das kann und will ich nicht glauben. Auf alle Fälle war er in einem furchtbaren Dilemma. Auf der einen Seite diese unleugbare Tatsache, dass seine Braut, ein Kind bekommt, das nicht von ihm war. Das Gesetz verlangt die Ehebrecherin zu steinigen. Auf der anderen Seite war er von der Unschuld Mariens überzeugt, denn nichts deutete darauf hin, dass sie eine schwere Sünde begangen hätte. Es gibt keinen Mann außer ihm. Das weiß er. Er kennt Maria. Die Stimme des Gesetzes verlangte von Josef: Du musst sie anzeigen. Die Stimme des Herzens sagte ihm: Nein, sie ist völlig unschuldig. Er ist also in einer sehr schwierigen Lage und in einer schrecklichen Situation. Was sollte er tun? Nach langem Ringen mit sich selbst kam er zum Ergebnis: Ich werde auf Maria verzichten und sie heimlich verlassen.

Und in diesem Dilemma, damit Maria geschützt ist und nicht allein ein sozusagen lediges Kind aufziehen muss, greift Gott selbst ein und schickt seinen Engel. Er klärte Josef auf, was mit Maria geschehen war: „Josef, Sohn Davids! Das Kind, das Maria erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben.“ Josef wird Sohn Davids angesprochen, denn der Erlöser ist ein Nachkomme Davids. Und Josef soll der Pflegevater sein. Vor den Augen der Leute als Schutz für Maria ist er der echte Vater, der seinem Sohn auch den Namen gibt: Jesus. Es heißt dann ganz kurz und schlicht: „Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte und nahm seine Frau zu sich.“

Der Engel kümmert sich noch ein paar Mal um die Heilige Familie: Flieh nach Ägypten, denn Herodes will das Kind töten. Beim dritten Mal kam dann die Entwarnung: Herodes ist tot. Ihr könnt zurückkehren.

Was können wir aus diesem Evangelium von diesem wortkargen Adventprediger Josef lernen? Es kommt auf den Glauben an. Auch von uns wird dieser Glaube verlangt, dass Gott selbst in dieser Welt wirkt und eingegriffen hat, um schließlich selbst auf diese Erde zu kommen. Gott ist größer als unser kleiner Verstand. Er ist größer als unser Herz. Der heilige Josef hat uns diesen Glauben vorgelebt. Er war gehorsam gegenüber den Weisungen Gottes. Danken wir dem heiligen Josef, dass er Maria nicht weggeschickt hat oder im Stich gelassen hat, dass er am Glauben an die Reinheit und Jungfräulichkeit Mariens nicht irre geworden ist, dass er an die Existenz der Engel geglaubt hat und ihre Botschaft ernst genommen und ausgeführt hat.

Auf diesen Glauben kommt es an, sonst leben wir am Festgeheimnis von Weihnachten vorbei, sonst ist Weihnachten ein sinnloses Schenken ohne echten christlichen Grund, sonst bleibt Weihnachten ein Fest der Wirtschaft, des Kommerzes, des Handels und des Geldes, aber nicht das Fest der Geburt des Herrn und Erlösers Jesus Christus. Für uns muss es das Fest bleiben, an dem wir feiern, dass Gott Mensch wurde, um uns zu erlösen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020