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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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2. Sonntag nach Weihnachten 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.“ So beginnt das Johannesevangelium.

Wie viele Worte sprechen wir am Tag? Wie viele Worte hören wir jeden Tag? Es sind viele Worte, die uns im Lauf eines Tages begegnen. In der Familie, in der Zeitung, im Fernsehen, in der Arbeit usw. Wenn jemand etwas Neues weiß, wird es weitererzählt. Doch vieles, was wir so im Lauf eines Tages hören und von uns geben, ist auch belanglos und unwichtig. Manchmal wäre es vielleicht auch besser gewesen, wir hätten nichts gesagt. Weil ich mich eventuell geärgert habe, habe ich dadurch jemand verletzt oder ein Streit ist ausgebrochen. Und dann aber höre ich auch Worte, die mir guttun: tröstende, liebevolle, aufbauende Worte. Manche Worte sind Worte des Herzens. Mit diesen Worten schenkt er sich uns selbst. Auch Gott schenkt sich uns durch sein Wort: Das Wort war bei Gott. Das Wort war Gott.

Der Evangelist Johannes drückt in philosophischer Form damit die Gottheit Jesu Christi aus. Denn das Wort ist Jesus Christus, der Mensch geworden ist. Ein wenig später heißt es ja: Und das Wort ist Fleisch geworden. Es ist das etwas andere Weihnachtsevangelium. Ohne Hirten, ohne Maria, ohne Stall, ohne Engel, ohne Ochs und Esel, ohne Josef, ohne Stern, usw. Schlicht und einfach schreibt er: Das Wort ist Fleisch geworden. Gott wird Mensch und hat unter uns gewohnt.

Im Anfang war das Wort. Kein Naturwissenschaftler würde das sagen. Hier lesen wir etwas anderes. Am Anfang war der Urknall. Das hören wir immer wieder und damit sei die Schöpfung erklärt. Doch was da geknallt hat, das wird nicht beschrieben. Ein Nichts kann ja nicht knallen. Also muss ja schon etwas gewesen sein, und das muss doch auch jemand gemacht haben. Ohne Gott kommen wir also nicht aus. „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist!“ „Und Gott sprach.“ So heißt es in der Genesis. Er sprach mit seinem Wort. Dieses Wort hat erschaffen. Wir lesen: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Dieses hebräische Wort „bara“ für „erschaffen“, wird nur Gott zugeschrieben, wird nur für Gott verwendet. Das ist ein Erschaffen aus dem Nichts. Und Gott sah, dass es gut war.

Gott ist also von allem der Schöpfer. Wir sind Geschöpf. Machen wir uns das doch wieder öfter bewusst, dass wir ganz von Gott abhängig sind. Dann werden wir nicht hochmütig und stolz. Auch wenn der Mensch die Krone der Schöpfung ist, darf er sich nicht überheben, und so sein wollen wie Gott.

Und mit dieser Offenbarung haben wir nun auch eine sehr gute Gottesvorstellung. Gott ist nicht nur „etwas“, sondern ein „jemand“, eine Person. Und er ist nicht nur da, sondern er teilt sich uns auch mit. Und er teilt sich nicht nur mit, sondern er erniedrigte sich und wird einer von uns. Er wird ganz uns gleich. Er wird ganz Mensch außer der Sünde. Er offenbart sich in seiner Dreifaltigkeit. Er ist kein einsamer Gott. In Gott ist Liebe. Und die Liebe Gottes ist Mensch geworden, um uns zu erlösen.

Der, der uns erschaffen hat, ist einer von uns geworden. Unfassbar! Unglaublich! Sagenhaft, was da geschehen ist! Der Schöpfer ist bei seinen Geschöpfen. Das ist auch Weihnachten. Oder gerade das ist Weihnachten. Und das gilt auch für das Jahr, das wir erst begonnen haben. Gott ist auch in diesem Jahr bei uns. Das darf uns trösten, das darf uns Mut machen und Zuversicht geben. Wir sind nicht allein. Wir haben Gott, der uns nahe ist, der uns beschützt und der seine Hand über uns hält, der uns in seinen Händen hält. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020