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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Erscheinung des Herrn 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Ich denke, die meisten von Ihnen kennen den  „Hanns Guck-in-die-Luft“! Es ist eine Geschichte aus dem Kinderbuch „Struwwelpeter“. Zappel-Philipp und Suppen-Kaspar sind weitere bekannte Figuren. Der Hans ist auf den Weg zur Schule und mit den Gedanken immer ganz woanders. Weil er immerzu nach oben schaut, rennt er einen Hund über den Haufen und es endet damit, dass er samt seiner Schultasche zur Erheiterung der Fische im Wasser landet.

Diese Geschichte ist mir zum heutigen Fest einfallen. Warum? Er ist so das Gegenstück zu den 3 Weisen aus dem Morgenland. Er schaut zwar genauso wie die Heiligen Drei Könige zum Himmel, aber er ist unaufmerksam. Er ist ein Träumer. Er ist unachtsam und passt nicht auf. Und es geht am Ende schief. Es geht nicht gut aus. Er wird nass.

Die Weisen schauen zum Himmel und folgen dem Stern. Aber gerade ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse für die Wahrheit lässt sie den richtigen Weg finden. Sie werden nicht ins Wasser fallen. Sie achten gerade auf den richtigen Weg und finden zum Kind in der Krippe. Der Stern zeigt den Weg zu Gott.

Der „Hanns Guck-in-die-Luft“ soll den Kindern sagen, dass sie nicht nur auf den Weg achten sollen, sondern eben auch bei der Sache sein sollen. Sie sollen die Geschehnisse rund herum beobachten und die Zeichen Gottes sehen. Es gibt ja viele Zeichen Gottes. Gott möchte auch uns immer wieder Zeichen geben und dadurch seinen Willen uns mitteilen. Dazu heißt es die Augen aufmachen und uns auf den Weg machen.

Schauen wir dabei im richtigen Sinn zum Himmel, um den Stern zu finden, der uns den Weg zeigt! Schauen wir zu Gott! Rufen wir zu Gott! Fragen wir ihn immer wieder: „Herr, was hast du mit mir vor?“ Ich möchte ein Gottsucher sein. Zum Himmel schauen und doch auch auf den Weg achten. Wir sollen wachsam sein und nicht schlafen.

Das waren die Heiligen Drei Könige. Sie haben nach dem Willen Gottes gefragt. Sie waren aufmerksame Beobachter der Schöpfung. Sie haben die Ereignisse der Schöpfung richtig gedeutet und dann auch gehandelt. Sie haben sich auf den Weg gemacht. Aber nicht so wie der „Hanns Guck-in-die-Luft“, der sich auch auf den Weg gemacht hat, aber weil er nicht aufgepasst hat, nicht angekommen ist und ins Wasser gefallen ist.

Die Weisen sind angekommen. Auch wenn es für sie sicherlich überraschend war, dass sie in einem Stall den König gefunden haben. Auch wenn es für sie sicherlich überraschend war, dass der König ein Baby ist, und dass dieses Baby ganz arm ist, dass es in einer Krippe liegt. Sie haben trotzdem ihre Geschenke gebracht und dem Kind geschenkt. Sie haben sie nicht wieder mit nach Hause genommen und gesagt: „Der Stern hat uns getäuscht. Wir haben uns geirrt!“ Nein! Sie haben sich sogar klein gemacht. Sie haben sich erniedrigt und haben das Kind angebetet. Könige, Weise, Sterndeuter, Wissenschaftler, ganz egal, auf alle Fälle Intellektuelle, gescheite Leute, die gewusst haben, dass sie Geschöpfe sind und dass Gott der größere ist, dem Anbetung gebührt.

Wir wollen also auch zum Himmel schauen und nicht in die Luft schauen. Im Himmel sehen wir den Stern, der von Gott geschickt ist. In der Luft sehen wir nichts und wir werden im Wasser landen.

Wir wollen auch Gott anbeten, uns klein machen vor Gott, uns niederknien und ihm dadurch zeigen: Ich bin von dir erschaffen und du bist der große allmächtige Gott, der sich aus Demut klein machte, ein Mensch wurde, um uns zu retten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020