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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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1. Fastensonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

In der 1. Lesung und im Evangelium kommen Gespräche vor. Und zwar unterhält sich der Teufel in der Lesung mit Eva und im Evangelium mit Jesus. Diese Kommunikationen des Teufels mit dem Menschen und mit Jesus sind sehr aufschlussreich. Wie spricht da der Teufel? Wie geht er an seine Sache heran?

  1. Mit der Eva spricht er immer mit Halbwahrheiten. Der Teufel, so sagt man, ist der Vater der Lüge. Er belügt uns, aber wenn er nur lügt, dann durchschauen wir ihn leicht. Deshalb sagt er auch manchmal etwas Wahres und vermischt es mit seinen Lügen. Dreimal sagt der Teufel nicht ganz die Wahrheit und stellt listige Fragen. 1. „Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem Baum essen dürft?“ Schlau ist er. Er übertreibt das Verbot Gottes und stellt damit Gott schon in ein schlechtes Licht. Gott ist der, der viel verbietet: von keinem Baum essen! Eva reagiert noch richtig und korrigiert: Nur vom Baum in der Mitte nicht, sonst müssen wir sterben. 2. Der Teufel hakt gleich ein: „Nein ihr werdet nicht sterben.“ Das ist die zweite Lüge oder Halbwahrheit, denn der Leib ist sterblich geworden, nur die Seele blieb unsterblich. 3. Der Teufel redet gleich weiter und erklärt: „Euch werden die Augen aufgehen; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.“ Hier ist wieder richtiges und falsches vermischt. Ja, wir erkennen jetzt Gut und Böse, und die Lüge ist: Wir werden wie Gott sein! Das ist die Sünde Luzifers von Anfang an. Er möchte wie Gott sein, und er möchte, dass er angebetet wird. Alle sollen sich vor ihm niederwerfen. Und da entstand ein Kampf im Himmel. Michael trat ihm mit seinem Namen entgegen. Mi-cha-el heißt auf Deutsch: Wer ist wie Gott? Nur Gott allein gebührt Ehre und Anbetung. Wer sich zu Gott macht, der hat im Himmel keinen Platz. So musste Luzifer weichen, und er will, dass der Mensch genauso wie er vom Himmel ausgeschlossen ist.
  2. Konversation. Im Evangelium spricht der Teufel nun mit Jesus, dem Sohn Gottes. Er weiß nicht sicher, wer Jesus ist und was Jesus vorhat. Er ahnt schlimmstes, will herausbekommen, was da auf ihn zukommt und hofft, dass er diesen Jesus, wer er auch sei, zu Fall kriegt. Er sagt: „Wenn du Gottes Sohn bist, dann kannst du aus diesen Steinen Brot machen.“ Es geht um den Hunger wie in der 1. Lesung. Da wollte er auch, dass gegessen wird (vom verbotenen Baum). Doch Jesus erinnert ihn daran, dass in der Schrift steht, dass der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt, sondern auch vom Wort Gottes. Jesus möchte, dass wir jetzt in der Fastenzeit ebenfalls den Teufel besiegen, wenn wir die Speisen reduzieren und fasten und das Wort Gottes in der hl. Messe oft hören. 2. „Wenn du Gottes Sohn bist (immer dieser Wenn-Satz), dann stürz dich hinab vom Tempel.“ Es geht zweitens wie bei Eva um das Leben: Nein, ihr werdet nicht sterben, wenn ihr vom Baum esst. Und du, Jesus, wirst doch nicht sterben, wenn du dich vom Tempel stürzt. Die Engel werden dich sicher auffangen. Weil der Teufel von der ersten Antwort Jesu gelernt hat, wo Jesus mit der hl. Schrift argumentiert, kommt er jetzt auch mit einem Bibelzitat. „Seinen Engel befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen.“ Doch Jesus ist selbstverständlich bibelfest und kann mit einer weiteren Bibelstelle parieren. „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen.“ 3. Jetzt kommt der Höhepunkt. Der Teufel würde ihm alles geben. Alle Reiche der Welt würde er ihm überlassen. Das ist sehr verführerisch. In der heutigen Zeit blendet der Reichtum der Welt auch viele Leute. Und viele lassen sich leider vom Teufel blenden und wählen den Reichtum. Die Voraussetzung ist der Knackpunkt: Nur wenn du mich anbetest. Satan will nur, dass er angebetet wird. Damit hätte er gesiegt, doch Jesus kontert ihn mit den richtigen Worten: Du sollst Gott allein anbeten! Es geht um Gott und seine Herrschaft, wie es schon bei Eva war. Wenn du vom Baum isst, wirst du so sein wie Gott! So entsprechen sich interessanterweise die drei Versuchungen Jesu mit dem Gespräch Evas im Paradies. (Essen, Leben, Anbetung)

 

Der Teufel agiert nicht nur beim ersten Menschenpaar, ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte. Er agiert nicht nur bei Jesus vor 2000 Jahren, sondern er agiert zu allen Zeiten bis herauf in die Jetztzeit. Er möchte immer, dass der Mensch Gottes Gebote übertritt. Unsere Aufgabe ist es, wachsam zu sein gegenüber den Versuchungen des Teufels und ihm Parole zu bieten. Die Methode haben wir am Aschermittwoch gehört: Wenn wir Fasten, wenn wir Almosen geben und wenn wir beten, wird der Teufel keine Macht über uns haben. So möge die Fastenzeit eine große Hilfe sein, dass wir uns in diesen 40 Tagen für das große Osterfest vorbereiten. Es ist das Fest, wo Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung den Teufel besiegt hat und wir uns deshalb jetzt schon darüber freuen dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020