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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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2. Fastensonntag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Auf drei Themen möchte ich kurz eingehen, die im heutigen Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vorkommen. 1. Die Berge können uns an Gott erinnern. 2. Jesus verbietet den Aposteln von der Verklärung zu sprechen und 3. Jesus ist mit dem Alten Testament eng verbunden.

1. In der momentanen Jahreszeit sucht der Mensch die Berge auf, um die weiße Schneepracht für das Skifahren noch auszunützen. Es gibt Leute, die steigen auch gerne beim Wandern auf einen Berg. Der Berg ist ein Ort der Freiheit. Ein schönes Wetter und eine gute Aussicht lassen das Herz höherschlagen. Nebenbei ist es sicherlich gesund. Nicht nur die Bewegung und die frische Luft, sondern das Abschalten, die Freizeit und das Genießen werden sich ebenfalls positiv auf den Körper auswirken.

In der freien Natur, besonders auf Bergen fernab von jeglicher Zivilisation kann der Mensch auch Gott entdecken, der die Schöpfung gemacht hat, der die Welt erschaffen hat in ihrer Schönheit, Vielfalt und Faszination. Es ist so, dass die Natur uns hilft, Gott zu erkennen. Wir kommen durch Nachdenken darauf, dass dies alles jemand gemacht haben muss. Wenn wir uns die Frage stellen „Wer hat die Natur und die Schöpfung erschaffen?“ oder „Wie ist die Welt entstanden?“, kommen manche vielleicht zum Schluss, dass ganz am Anfang der Urknall stand. Und dann muss man sich eigentlich wieder fragen: „Wer hat den Urknall gemacht?“ Hier wird die Antwort sein: Es muss, wie es die Philosophen nennen, den unbewegten Beweger geben, der alles in Bewegung gesetzt hat und der heißt Gott, den niemand erschaffen hat. Das 1. Vatikanische Konzil hat dies definiert, dass der Mensch Gott in der Natur erkennen kann durch die Vernunft. Der Apostel Paulus hat das schon im Römerbrief (Röm 1,19-20) angedeutet.

Der Berg ist, wie gesagt, oftmals das Ziel von Ausflügen und Erholung. Es kann ein unvergessliches Erlebnis sein, von dem vielleicht öfter noch gesprochen wird. Auch bei den Aposteln war die Bergtour auf dem Tabor ein unvergessliches Erlebnis, mit dem Unterschied, dass ihnen verboten wurde, es anderen zu erzählen. Die Verklärung Jesu ist letztlich ein unfassbares Geheimnis. Die strahlende Gottheit Jesu leuchtet in diesem Augenblick durch, und die Apostel werden so ergriffen, dass sie Hütten bauen wollen, um für immer dieses schöne Gefühl festzuhalten. In jedem Leben gibt es solche Taborstunden, Stunden unendlichen Glücks, Momente, an die man sich gerne zurückerinnert! Beim einen oder anderen kann dies auch ein kirchliches Fest sein: die Erstkommunion, die Hochzeit, ein Osterfest oder ein Weihnachtsfest. Taborstunden sind Augenblicke, in denen sich der Himmel öffnet.

Im lichtreichen Rosenkranz, den uns der bereits heiliggesprochen Papst Johannes Paul II. geschenkt hat, beten wir es im 4. Geheimnis: Jesus, der auf dem Berg verklärt wurde.

2. Jesus spricht dieses Mal ein Verbot aus. Sie dürfen nicht weitersagen, was sie da Schönes gesehen haben. Bei einem Geheilten verbietet Jesus auch einmal, dass er es weitersagt. Dieser hält sich aber nicht daran, und bald wissen es alle. Wenn ich jemand sage, er soll meine Information nicht weitersagen, ist es leider manchmal so, dass es sich am schnellsten verbreitet. Wenn Jesus diesen Wunsch oder den Befehl äußert, dann meint er es eigentlich ernst. Vielleicht haben die Apostel sich wirklich daran gehalten und es erst nach der Auferstehung weitererzählt. Vielleicht ist ihnen auch erst nach der Auferstehung dieses Erlebnis wieder stark bewusst geworden.

Warum? Dieses Erlebnis ist ein Zeichen seiner Gottheit, die Jesus manchmal interessanterweise versucht zu verbergen. Diese Gottheit Jesu schimmerte aber immer wieder durch, wenn er Wunder wirkte, wenn er Sünden vergab, wenn er als göttlicher Lehrer auftrat, die Pharisäer mit ihrer Lehre zurechtwies und die hl. Schrift anders auslegte. Jesus macht es also durch das Verbot ein wenig spannend. Der Himmel, der uns einmal erwartet, ist nicht langweilig, sondern wirklich spannend und schön. Es war für die Apostel schon ein so schönes Ereignis. Der Himmel, die ewige Verklärung, wird noch schöner sein.

3. Diese Begegnung Jesus mit Mose und Elija zeigt noch etwas sehr deutlich. Und zwar sind Mose und Elia die Vertreter des Alten Testaments. Mose, der die 10 Gebote bekam, und Elia, als einer der großen Propheten, sprechen mit Jesus. Jesus ist also mit dem AT verbunden und erfüllt es. Wir dürfen das Alte Testament nicht über Bord werfen. Jesus hat es nicht aufgehoben, sondern er hat es erfüllt. Er verstärkt die 10 Gebote, die wir von Mose bekommen haben, in der Bergpredigt mit den Einleitungsworten: „Ich aber sage euch, …“ Er erfüllt die Voraussagungen der Propheten, die vom kommenden Messias sprechen. Wie viele prophetische Aussagen finden wir in der hl. Schrift, die genau auf Jesus passen? Wie haben die Apostel nach der Auferstehung gestaunt, dass so vieles eigentlich schon in der Schrift stand? Musste sich nicht die Schrift erfüllen!

Wenn also heute auf dem Berg Tabor Mose, der Gesetzesempfänger, und Elia, einer der großen Propheten, Jesus erscheinen und sie mit ihm sprechen, dann ist das ein kräftiger Hinweis darauf, dass die Gebote Gottes sehr wohl aktuell sind und die Prophezeiungen in Erfüllung gegangen sind.

Ich darf noch einmal zusammenfassen. 1. Wir können Gott in dieser Welt in der Natur erkennen. Dankbar dürfen wir von der Schöpfung auf Gott schließen, der dies alles gemacht hat. 2. Der Himmel wird einmal wunderschön sein. Dies wird von Jesus spannend gemacht, indem er verbietet, dieses Ereignis der Verklärung weiterzusagen. Und 3. Die Heilige Schrift besteht nicht nur aus dem Neuen Testament, sondern das Alte Testament ist die Vorbereitung auf den Messias, und Jesus erfüllt alle Prophezeiungen des Alten Bundes.

Lesen wir also gerne in der Heiligen Schrift. Es erfüllt uns mit Freude und lässt uns hoffen, einmal in der wunderschönen Verklärung im Himmel bei Jesus zu sein. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020