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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Gründonnerstag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Der Gründonnerstag ist für den geweihten katholischen Priester immer ein besonderer Tag. Es ist der Tag, an dem das Priestertum seinen Ursprung findet. Jesus weiht die Apostel zu Priestern und Bischöfen und vertraut ihnen das Sakrament der Eucharistie an. Er feiert mit ihnen das letzte Abendmahl und gibt ihnen dann den Auftrag: Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Sicherlich wird es dieses Jahr ein außergewöhnlicher Gründonnerstag sein, wenn nicht einmal 12 Personen anwesend sein können, so wie damals.

Jesus nahm an diesem Abend das Brot, verwandelte es in seinen Leib und dann nahm er den Kelch mit Wein und sprach: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Über dieses Geheimnis möchte ich heute sprechen. Ich spreche über drei Wörter, die mit dem Buchstaben „B“ beginnen und über drei Wörter, die mit dem Buchstaben „V“ beginnen.

Denken wir zuerst nach über die drei Wörter mit dem Buchstaben „B“. Sie lauten Brot, Blut und Bund. Das Brot wird sein Leib und dieser Leib vergießt am Kreuz sein Blut für uns. Es ist das Blut des neuen und ewigen Bundes, der nicht mehr vergeht. Immer wieder hat Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen.

Denken wir an den Bund mit Noah: Und Gott sprach: Dies ist das Zeichen des Bundes. Meinen Bogen setze ich in die Wolken, der soll ein Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde: der Regenbogen.

Denken wir an Abraham: Gott sprach: Ich will meinen Bund schließen zwischen mir und dir, und du sollst ein Vater vieler Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram heißen, sondern Abraham soll dein Name sein; denn ich habe dich gemacht zum Vater vieler Völker.

Und denken wir auch an den dritten Bund Gottes mit Mose. Die 10 Gebote, die er von Gott bekommt, beschreiben diesen Bund.

Schließlich hat Gott einen neuen und ewigen Bund geschlossen, den er mit seinem eigenen Blut besiegelt hat. Diesen Bund feiern wir immer in der heiligen Eucharistie, wenn wir Christus selbst in den Zeichen von Brot und Wein konsumieren dürfen. Er möchte in diesem neuen und ewigen Bund mit seiner Gottheit und Menschheit bei uns sein.

Wenden wir uns jetzt den drei Wörtern mit „V“ zu. Sie heißen: Viele, vergossen und Vergebung.

„Pro multis“, heißt „für viele“. Für viele hat Jesus sein Blut vergossen. Immer wieder ist die nicht wörtliche Übersetzung „für alle“ in die Kritik gekommen. Natürlich hat Jesus sein Blut für alle Menschen vergossen. Er will, dass alle Menschen gerettet werden, aber nicht alle nehmen dieses Gnadenangebot an. Dies ist für Christus der größte Schmerz. Er hat zwar von seiner Seite alles getan. Es liegt aber am einzelnen Menschen, an seiner Entscheidung und an seinem freien Willen, ob es für ihn auch wirksam wird. Und so ist letztlich sein Blut leider nur für viele vergossen, nämlich für alle die, die gerettet werden und dieses Heilsangebot Christi annehmen. Mit dem geöffneten Herzen vergießt Jesus alles, sein Herzblut, aus Liebe zu uns Menschen. Er liebt jeden einzelnen so stark, dass er es für dich und mich allein auch getan hätte. Er stirbt zur Vergebung der Sünden. Gott möchte nichts anderes als vergeben. Er streckt immer seine barmherzigen Hände aus. Nicht nur im Gleichnis vom barmherzigen Vater wird uns dies gezeigt, sondern die ausgebreiteten Hände Jesu am Kreuz bedeuten das Gleiche: Komm zu mir! Trink von meinem Kostbaren Blut! Es wäscht dich rein von deinen Sünden. In der heiligen Beichte geschieht diese Reinigung von unseren Sünden in spezieller Form. Wir werden hier reingewaschen im Blut des Lammes.

Die drei „V“: Für viele vergossen, zur Vergebung. Die drei „B“: Im verwandelten Brot und in seinem Blut ist der neue und ewige Bund besiegelt.

Dreimal V und dreimal B weisen hin auf das, was Jesus für uns getan hat. Sie erinnern uns an seine große, unendliche, göttliche Liebe, die er uns gezeigt hat, indem er sich unschuldig am Kreuz annageln hat lassen. Er hat uns dadurch erlöst und will, dass wir dieses Liebesopfer bei jeder heiligen Messe feiern. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020