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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christi Himmelfahrt 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Mit der Himmelfahrt Christi vollendet sich sein Lebenswerk. Es ist die Heimkehr zum Vater. Er hat den Willen seines Vaters erfüllt und sitzt nun zur Rechten Gottes. 40 Tage hindurch ist Jesus den Seinen nach seiner Auferstehung noch erschienen und hat ihnen gezeigt, dass er lebt. Das kann aber nicht immer so weitergehen. Einmal müssen diese Erscheinungen enden. Das ist 40 Tage nach seiner Auferstehung geschehen. An diesem 40. Tag erscheint er ihnen das letzte Mal. Er geht mit ihnen zum Ölberg. Er gibt ihnen noch ein paar wichtige Anweisungen, schwebt nach oben und geht in der Herrlichkeit des Vaters ein.

Die Jünger waren von diesem Ereignis so ergriffen, dass sie noch lange zum Himmel blickten. Eine Wolke hat Jesus schon lange ihren Blicken entzogen, da mussten 2 Männer sie in die Wirklichkeit zurückholen: Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor! Erinnert euch, was er gesagt hat! Ihr habt einen Auftrag bekommen!

In der heutigen Zeit müssten diese 2 Männer uns Christen oft das Gegenteil sagen: Ihr Christen des 21. Jahrhunderts, was steht ihr da und schaut nur zur Erde. Das Glück hier auf Erden ist oft mit Händen zu greifen. Wir schauen immer wieder nur auf das Geld. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Es gibt geregelte Arbeitszeit und viel Freizeit. Uns geht es materiell gut. Wir lernen im Urlaub andere Länder und Kontinente kennen. Wir können uns das leisten. Wir haben eine verhältnismäßig hohe Lebenserwartung. Die moderne Medizin stellt uns immer wieder her, wenn wir krank sind oder einen Unfall haben.

So war es bis vor kurzem! Aber das alles ist in den letzten Monaten ein wenig ins Wanken geraten. Es gibt einen Virus, mit dem wir momentan noch sehr zu kämpfen haben und der uns herausfordert. Der liebe Gott möchte uns heute anscheinend auch folgendes sagen: Schaut nicht nur auf die Erde und auf den Virus. Schaut auch ein wenig zum Himmel! Denkt ein wenig nach über Gott! Richtet euren Blick nach oben! Bittet mich um Hilfe! Bittet und es wird euch gegeben! Wir haben die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt gefeiert. Wir bitten um gutes Wetter und gute Ernte. Wir können aber auch intensiv bitten: Befreie uns von dieser Pandemie, von diesem Virus. Schenk allen wieder die Gesundheit.

Für viele Menschen ist Jesus leider durch seine Himmelfahrt auch in ihrem Leben nicht mehr präsent. Sie leben, wie wenn er wirklich nicht mehr da ist. Aber hat nicht Jesus gesagt „Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt.“? Manchmal spürt man direkt, es gibt Menschen, die leben zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Jesus ist nicht mehr wichtig, nicht mehr da in ihrem Leben und der Heilige Geist ist noch nicht gekommen.

Was hat uns das Fest Christi Himmelfahrt konkret zu sagen?

Es gibt viele Bilder, die dieses Festgeheimnis darstellen. Das Motiv ist bei Malern sehr beliebt. Wie haben die Künstler den auffahrenden Christus dargestellt? Wie sieht er meistens aus? Was hat er ihn den Händen? Bei einem Abschied hat die verreisende Person meist einen Koffer in der Hand. Kein Maler aber käme auf diesen Gedanken, Jesus bei seiner Himmelfahrt so darzustellen: Jesus mit einem Koffer in der Hand, in dem das ist, was ihm besonders teuer und wertvoll ist? Nein, Jesu Hände sind leer. Der Maler gibt ihm höchstens eine Fahne in die Hand als Symbol für seinen Sieg über den Tod. Als Jesus diese Welt verlässt und zum Vater geht, sind seine Hände leer. Nur seine Wunden, die Male seiner Nägel, weisen hin auf seine große Liebe zu uns. Durch seine Wunden sind wir geheilt.

Früher hat man oft den Verstorbenen Grabbeigaben ins Grab gelegt. Das Pharaonengrab von Tut-anch-Amun wurde z.B. sehr bekannt, weil es nicht ausgeraubt wurde. In Kulturen mit einem ausgeprägten Jenseitsglauben finden wir diesen Brauch. Doch ist dieser Jenseitsglauben zu unserem christlichen Glauben an die Ewigkeit mit einer sehr irdischen Vorstellung verbunden. Wir Christen brauchen keine Grabbeigaben für das Jenseits.

Wir können unseren Besitz nicht in die Ewigkeit mitnehmen. All die Dinge, für die wir schuften und Geld ausgeben, werden wir hier auf Erden den Erben hinterlassen. Wir werden schon mit einem Leib im Himmel sein, aber mit einem verklärten Leib. Dieser braucht die irdischen Dinge nicht mehr. Wir brauchen daher nichts mitnehmen.

Das wird sehr deutlich bei dieser lieben Geschichte, bei der ein Reicher im Himmel einkauft und dann mit seinem Geld zahlen will. Das Geld wird aber nicht angenommen und es wird ihm gesagt, dass er nur mit dem Geld zahlen kann, das er auf Erden verschenkt hat. Das, was wir aus Liebe getan haben, werden wir in die Ewigkeit mitnehmen. Das Leichentuch hat keine Taschen. Deswegen hat Jesus keinen Koffer und leere Hände! Und wir werden auch keinen Coronavirus mitnehmen, denn den gibt es dort auch nicht. Der Himmel kennt keine Krankheit.

Welch eine befreiende Botschaft, die Christi Himmelfahrt an uns richtet. Sie nimmt von uns den Druck, noch mehr leisten zu müssen, noch mehr haben zu wollen. Sie schenkt uns eine innere Gelassenheit und Heiterkeit des Herzens. Christus, in den Himmel auffahrend, mit leeren Händen, nur mit den Wundmalen der Liebe gezeichnet, will uns sagen: Du brauchst nichts mitzunehmen. Denn das, was du zum glücklich sein brauchst, ist in der Ewigkeit schon vorhanden. Christus wird dir die leeren Hände füllen und dir alles geben, was dich wirklich glücklich macht. Amen. 


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020