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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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11. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

„Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.“ Wir alle sind aufgerufen, um Arbeiter, insbesondere sind da natürlich die Priester gemeint, zu beten. Bitten wir den Herrn, um gute Hirten für seine Kirche.

Die ersten Priester der Kirche waren die 12 Apostel. Jesus hat diesen im Abendmahlssaal das Weihepriestertum übertragen. Sie sollen die Sakramente spenden. In erster Linie sind das die hl. Messe und die hl. Beichte. Das wäre die Antwort auf die Frage: Was soll ein Priester tun? Wir wissen, dass wir ihn nicht auf das Soziale begrenzen dürfen. Der Priester hat von Christus her das Amt übertragen bekommen, besonders mit der Spendung der Sakramente das Heil für die Seele herabzuflehen. Die Priester sollen die Gnaden fließen lassen, indem sie den Leib Christi den Gläubigen reichen und sie von den Sünden lossprechen. Etwas Größeres gibt es nicht.

Heute möchte ich die Frage stellen und versuchen zu beantworten: Wie soll ein Priester leben? Gerade wenn ein Priester hier sich nicht bemüht, gibt es bei den Gläubigen große Enttäuschungen. Papst Franziskus wird nicht müde, immer wieder auf das Leben in Armut hinzuweisen. Allein durch den Namen, den er sich ausgewählt hat, möchte er ein Programm vorgeben. Der heilige Franziskus hat alles hergeschenkt, ganz arm gelebt, nichts besessen, nur sein einfaches Ordensgewand.

Einmal hat dieser große Heilige zu einem Mitbruder gesagt: Komm, wir gehen in die Stadt, um zu predigen. Sie haben sich aufgemacht, und er ist mit ihm durch die Stadt marschiert. Sie hatten dabei nur ihr schlichtes, schäbiges und billiges Ordensgewand an, und haben bei diesem „Spaziergang“ kein einziges Wort gesprochen. Als sie wieder zurück waren, fragte ihn sein Mitbruder verwundert: Ich dachte, du wolltest predigen? Die Antwort des Franziskus war: Das haben wir doch getan? Allein durch unser Gewand haben wir die Leute auf Gott hingewiesen. Der heilige Franziskus hat recht. Der Priester weist durch die klerikale Kleidung auf Gott hin.

Das vorbildliche Leben des Priesters ist die beste Predigt. Sonst kann man vielleicht die Kritik hören: Unser Priester predigt zwar schön, aber er lebt es nicht vor. Und viele Leute schauen genau, wie ein Priester lebt. Es ist der größte Anstoß, wenn man von einem Priester sagen müsste, wie Jesus es den Pharisäern vorwarf: Tut, was er sagt, was er verkündet, aber nicht das, was er tut.

Das heißt gewiss nicht, dass der Priester nur beten und die hl. Messe feiern darf. Viele Priester haben Talente, die sie für die Seelsorge gut verwenden können: Der eine ist ein Sportler, der andere ist ein Musiker, wieder ein anderer kann gut Theaterspielen oder ist ein begabter Organisator. Ein Priester ist sicher mehr als nur ein Messezelebrant und ein Sündenlossprecher! Der Priester soll alle seine Talente einsetzen, um für Christus zu werben. Es gibt Priester, die können gut mit alten Menschen umgehen. Andere haben Talente, die für die Familienseelsorge passt. Wieder andere kümmern sich gerne um Kinder und Jugendliche. Wenn ein Priester hier Begabungen hat, dann soll das alles einsetzen. Er soll mit den Kindern Fußball spielen, er soll mit ihnen Lieder singen, er soll mit ihnen Theaterspielen, er soll die Kinder hier begeistern und sie zu Christus zu führen, und mit diesen Talenten auf Gott verweisen. Der Priester soll alle seine Talente einsetzen, um andere für den Glauben zu begeistern. Das Priesterleben soll aber immer so sein, dass er durch sein Leben auf Christus hinweist.

Und damit er das aber fertigbringt, ist eine Grundvoraussetzung notwendig. Er muss mit seinem „Auftraggeber“, mit Gott, in Kontakt sein. Er muss in Verbindung mit Gott sein. Er muss sich die Kraft vom Gebet und von den Sakramenten holen. Konkret heißt das, dass der Priester sich von der hl. Messe die Gnaden holt und selbst auch beichtet und die Lossprechung seiner Sünden erfährt. Er muss selbst immer wieder regelmäßig sich befreien von der Last seiner eigenen Sünden. Er muss eingetaucht werden in das kostbare Blut, das auch für ihn vergossen wurde zur Vergebung seiner Sünden. Ein Priester, der nicht regelmäßig beichtet und jeden Tag die hl. Messe feiert, kann dieses Ideal sicherlich nicht leben.

Priester ist man auf ewig: „Sacerdos in aeternum“. Das ist etwas Großes, etwas Schwieriges, aber auch etwas Schönes. Mit der Gnade Gottes kann es jeder schaffen, und mit dem Gebet der Gläubigen werden die Priester besondere Kraft dazu bekommen. Darum noch einmal die Bitte an sie, um gute Priester zu beten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020