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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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12. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Im heutigen Evangelium hörten wir dreimal die Worte: „Fürchtet euch nicht!“

  1. „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ Dies erinnert mich an die vielen Märtyrer der Kirche, die standhaft geblieben sind im Glauben, die keine Angst vor den Quälereien der Menschen hatten und wegen ihres christlichen Glaubens oft unmenschlich gefoltert und getötet wurden. Ich möchte ein bekanntes Beispiel aus dem Urchristentum während der römischen Verfolgungszeit erzählen. Perpetua und ihrer Sklavin Felicitas wurden verhaftet, weil sie ihrem christlichen Glauben nicht abschworen und zum Tode verurteilt wurden. Felicitas erwartete ein Kind. Da sie sich im Kerker bei der Geburt abquälte und große Schmerzen erlitt, sagte einer von den Gefängniswärtern zu ihr: Wenn du jetzt schon so schreist, was willst du dann tun, wenn du den Bestien vorgeworfen wirst? Sie aber antwortete mit den ergreifenden Worten: „Was ich jetzt leide, das leide ich; dort aber wird ein anderer in mir sein, der für mich leiden wird; denn ich werde ja auch für ihn leiden.“ So war es dann auch, dass sie tapfer das Martyrium erlitt.
  2. „Fürchtet euch nicht vor denen die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können. Fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann!“ Man könnte jetzt vielleicht auch sagen: Fürchtet euch auch nicht zu sehr vor dem Coronavirus, der den Leib töten kann, sondern vor wem sollen wir uns wirklich fürchten? Wer ist der, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann? Es ist dies unleugbar der Teufel. Es ist Luzifer, der gefallene Engel, der uns verderben will. Will Jesus also, dass wir Teufelsfurcht haben? Macht er Angst vor Satan und vor der Hölle? Einerseits ist es sicherlich eine deutliche Warnung, andererseits dürfen wir den Teufel auch nicht zu ernst nehmen, nur auf ihn blicken und in Schreckstarre verfallen. Gott ist stärker! Eine Gabe des Heiligen Geistes lautet interessanterweise „Gottesfurcht“. Wer Gottesfurcht hat, der braucht keine Menschenfurcht und keine Teufelsfurcht haben. Gottesfurcht heißt, Ehrfurcht vor dem allmächtigen, majestätischen und erhabenen Gott haben. Wer Gottesfurcht hat, hat Furcht, ihn durch die Sünde zu beleidigen und wird hoffentlich versuchen, die Sünde so gut es geht zu meiden. Wer nicht sündigt, braucht dann auch keine Angst vor Gott und vor dem Gericht haben.
  3. „Fürchtet euch also nicht!“ So heißt der dritte Satz, der eine erneute, abschließende Aufforderung ist, keine Angst zu haben. Die Heiden haben eine Heidenangst, eine übergroße nicht zu rechtfertigende Angst. Wenn wir das Wort „Heide“ vor ein anderes Wort stellen, dann drücken wir damit aus, dass es sinnlos übertrieben ist. Ein Heidenspaß ist übertrieben und hat nichts mit der christlichen Freude zu tun. Ein Heidengeld ist zu viel, und der Christ wird sich an die Seligpreisung Jesu erinnern: Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Eine Heidenarbeit ist nicht angemessen und strengt zu sehr an. Ein Heidenlärm zerstört die notwendige Ruhe in uns.

Wer nicht an Gott glaubt und Heide ist, der bekommt leicht Heidenangst. Wer sich zu Jesus bekennt, der braucht aber keine Angst haben. Gott wird sich zu ihm bekennen.

Alle diese Worte Jesu sind ausgerichtet auf das Leben im Jenseits. Der Glaube an die Ewigkeit ist tatsächlich Grundvoraussetzung, sich nicht zu fürchten, denn dieser Glaube schenkt uns Sicherheit, dass wir hier auf Erden in Gott geborgen sind und einmal in der Ewigkeit bei ihm Wohnung nehmen dürfen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020