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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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13. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Heute geht es um das Thema Lohn und um Belohnung. Dreimal verheißt Jesus im Evangelium einen Lohn: Wer einen Propheten aufnimmt, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. Wer einem von diesen Kleinen Wasser zu trinken gibt, wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.

Wie freut man sich, wenn man den Lohnzettel in der Hand hält! Wie angenehm ist es, wenn auf dem Konto der Lohn überwiesen wird und man vielleicht wieder aus den roten Zahlen kommt! Der Lohn für die Arbeit ist die Existenzgrundlage einer Familie.

Wie freut sich auch ein Kind, wenn es belohnt wird! Manche Kinder bekommen eine Belohnung, wenn sie zu Hause geholfen haben, wenn sie beim Arzt tapfer waren und nicht geweint haben, wenn sie gute Noten in der Schule bekommen. Bald gibt es wieder die Zeugnisse und Eltern belohnen die Kinder, wenn sie fleißig waren und viele Einser und Zweier zu sehen sind. Diese Belohnung soll das Kind anspornen, weiterhin fleißig zu sein, Gutes zu tun und sich zu bemühen.

Heutzutage ist es allerdings manchmal schwer geworden, Kinder zu belohnen und Freude zu machen, weil viele Kinder fast alles haben. Es kann passieren, dass sich das Kind gar nicht freut, wenn man ihm etwas schenkt, weil es das schon besitzt oder weil es übersättigt ist mit Geschenken.

Bei Gott ist das nicht so! Das, was Gott uns einmal schenken wird, das, mit was Gott uns belohnt, wird uns hundertprozentig erfreuen.

Im Evangelium sagt Jesus ganz deutlich, dass wir auch, so wie das Kind, wenn wir etwas Gutes tun, sicher belohnt werden.

Es lohnt sich, an Gott zu glauben. Es lohnt sich, Gutes zu tun und es lohnt sich, Opfer für Gott und den Nächsten zu bringen. Zugleich macht uns das oft bereits auf dieser Welt Freude.

Jesus will uns dadurch motivieren, Gutes zu tun. Das heißt aber nicht, dass wir nur Gutes tun sollen, weil wir dann belohnt werden. Das sittlich beste Handeln wäre: Wir tun alles aus reiner Liebe. Wir erwarten nichts und tun selbstlos das Gute. Doch wie schwer ist das! Die erste Frage bei uns ist so oft: Was bringt mir das? Welchen Vorteil habe ich davon? Was kriege ich dafür? Etwas tun, ohne dafür etwas zu bekommen, ist nicht so leicht, und manche warnen sogar davor, denn man wird dann nur ausgenützt.

Es gibt nun aber auch Tendenzen, die versuchen uns dieses Lohndenken auszutreiben. Sie werfen uns Christen vor, dass wir nur deshalb Gutes tun, weil wir in den Himmel kommen wollen.

Aber es gibt einen Lohn bei Gott und muss einen solchen geben. Das ist Gott sich selber schuldig. Er ist ein Gott, der das Gute liebt und das Böse hasst, d.h. der das Gute belohnt und das Böse bestraft. Es kann ihm nicht gleichgültig sein, ob einer das Gute tut oder nicht. Gott ist gerecht. Er ist die Gerechtigkeit selbst. Gerade er weiß am allerbesten, wie viel Gutes hier auf Erden unbeachtet, unbedankt und unbelohnt bleibt. Und er wird den gerechten Ausgleich einmal schaffen. Er wird und kann gerecht belohnen.

Also gibt es einen Lohn, und wir dürfen ihn in aller Demut von Gott erwarten. Das Gegenteil wäre eine Beleidigung für Gott. Es ist falsch, wenn wir den Lohngedanken als unbiblisch hinstellen und verwerfen. Das Evangelium spricht anders. Jesus spricht anders. Er sagt: Du wirst nicht um deinen Lohn kommen.

Natürlich wird der Lohn Gottes nicht mit Geld ausgezahlt. Er gibt den endgültigen Lohn nicht auf Erden, sondern im Himmel, und dieser Lohn wird uns sehr wohl Freude, ja unüberbietbare Freude bereiten. Da wird es nicht geschehen, dass wir enttäuscht werden und sagen müssen: Dieser Lohn gefällt mir gar nicht. Dieser Lohn ist Gott selbst, und er selbst macht uns unendlich glücklich.

Aber einen Fehler dürfen wir hier nicht machen. Wir dürfen nicht daraus folgern, dass wir ein Recht auf diesen Lohn hätten.

Dazu noch kurz eine ihnen vielleicht bekannte Geschichte:

Der kleine zehnjährige Hans hörte zu, wie der Vater der Mutter die Rechnung des Malers vorlas, der vor kurzem die Wohnung neu gestrichen hatte. Als Hans die einzelnen Punkte hörte, dachte er: „Ich könnte der Mutter doch auch einmal eine Rechnung schreiben.“ Kurz darauf saß er in seinem Zimmer und schrieb: „Einkaufen gegangen: 1 Euro. Geschirrspüler ausgeräumt: 50.- Cent. Beim Putzen geholfen: 1 Euro 50. Macht 3 Euro. Dann schob er das Blatt heimlich  neben den Teller der Mutter hin. Die Mutter sah die Rechnung, sagte nichts, und Hans fand abends an seinen Platz 3 Euro. Stillvergnügt steckte er sie ein. Am nächsten Morgen aber erblickte Hans an seinem Platz auf dem Tisch ein anderes Blatt Papier: „Rechnung der Mutter für Hans: Für 10 Jahre Wohnung. 0 Euro; für 10 Jahre Essen: 0 Euro; für Pflege während seiner Krankheiten: 0 Euro; für Flicken, Stopfen, Waschen: 0 Euro. Macht 0 Euro.“ Hans las und wurde sehr rot. Nach einer Weile schlich er zur Mutter und steckte ihr ganz leise die 3 Euro in die Schürzentasche.

Was bedeutet das? Welchen Fehler dürfen wir nicht machen? Ich habe es schon gesagt: Irgend ein Recht auf Lohn haben wir nicht. Unsere kleinen Leistungen im Vergleich zu dem, was Gott uns schon alles geschenkt hat, sind gleich null. Zählen wir Gott unsere guten Taten nicht auf, um etwas zu fordern, sondern lassen wir uns beschenken und seien wir gewiss, dass Gott so handelt, wie die Mutter zum Hans. Gott wird uns belohnen auf seine Weise, wenn wir Gutes tun. Wir werden einmal darüber staunen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020