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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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14. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Am Freitag war für die Kinder der letzte Schultag. Dieses Schuljahr war schon etwas außergewöhnlich für unsere Kinder. Lange Zeit hatten sie auf Grund des Lockdowns überhaupt keine Schule. Dann haben sie eine besondere Schulzeit erlebt, in der nur die Hälfte in der Klasse war, und nun sind schon wieder Ferien.

Durch die vielen Lockerungen kann man in diesen Sommermonaten doch auch wieder zumindest mit Einschränkungen Urlaub machen, wegfahren und sich erholen, um aufzutanken und Kraft zu schöpfen. Einige machen aus guten Gründen in Österreich dieses Jahr Urlaub oder bleiben zu Hause und legen sich dort auf die faule Haut im Schwimmbad oder machen einen Ausflug und wollen sich nicht den Stress antun, mit dem Auto vielleicht im Stau zu stehen.

Jesus sagt im heutigen Evangelium: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Er verspricht ebenfalls Ruhe und Erholung. Allerdings, so ist die Voraussetzung, müssen wir zu ihm kommen.

Wenn wir in dieser Zeit in eine Kirche gehen, ist es normalerweise still und ruhig. Hier ist man meistens allein. Hier ist es angenehm kühl und man kann ein paar Minuten diese Zeit nützen um durchzuatmen und zu Gott beten.

Jesus wird uns Ruhe verschaffen, immer wenn wir zu ihm gehen. Wohin müssen wir gehen, um Jesus zu treffen? Selbst in der Kirche sehen wir ihn ja nicht. Wir sehen ihn nur im Verborgenen. Kurz und bündig können wir sagen: Wenn wir beten, gehen wir zu Jesus. Wenn wir still werden, wenn wir die hl. Messe mitfeiern, wenn wir in unser Herz blicken und nachdenken, sprechen wir mit Gott, und er hört uns. Damit sind wir bei Jesus, und er wird uns Ruhe verschaffen.

Wir wollen uns ein paar Gedanken machen zu diesem Thema: Ferien und Urlaub.

Der Mensch braucht einen Rhythmus. Er kann nicht immer im selben Trott dahinleben. Dies ist eine uralte Erfahrung. Der Mensch braucht den Rhythmus von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen und eben auch den Rhythmus von Arbeit und Erholung. So haben die Juden im Alten Testament mit großer Sorgfalt den Sabbat heiliggehalten als den Tag des Herrn: Am siebten Tag sollst du ruhen! So wie Gott am siebten Tag der Schöpfung ruhte.

Für uns Christen ist das jetzt der Sonntag. An diesem Tag sollen wir nicht nur die heilige Eucharistie mitfeiern, sondern eben auch uns bemühen den Tag von knechtlicher Arbeit freihalten. Es ist für den Menschen nicht gut, wenn er meint, er müsse am Sonntag sein Haus bauen. Die Gesundheit wird darunter leiden, wenn wir keinen Tag in der Woche ausruhen. Wenn der Bauer meint, er müsse unbedingt am Sonntag arbeiten, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, wird es ihm keinen Segen bringen. Der Sonntag gehört dem Herrn. Durch die besondere Hinwendung zu Gott wird der Mensch frei von Zwängen. Er gewinnt wieder das richtige Maß für die Beurteilung der Dinge. Er kann wieder mehr auf das Wesentliche blicken. Der Sonntag ist uns Menschen geschenkt, und wir werden Ruhe finden für unsere Seele bei Gott. Er ist der Tag des vermehrten Gebetes. Immer wenn wir beten, ist das der Gang zu Jesus. Und im Gebet werden wir feststellen, dass Jesus uns Ruhe verschafft. Da können wir alles bei ihm abladen. All unsere Sorgen können wir auf ihn werfen. Sogar unsere Sünden wird er uns abnehmen. Da ist die größte Last dann von uns genommen.

Kehren wir aber zurück zum Thema Urlaub und zur Erholung. Der Urlaub und die Erholung sind also etwas sehr Wichtiges. Doch ist es oft gar nicht leicht, sich wirklich zu erholen. Manche begeben sich gerade im Urlaub in einen großen Stress hinein und kommen nicht selten erschöpft davon zurück.

Der Urlaub bzw. die Freizeitkultur kann auch zum Götzen werden. Urlaub soll nicht erneuter Stress sein, sondern wirklich auch ein wenig Ruhe. Wir werden sie finden, wenn wir auch ein wenig Gott nicht vergessen und diese Stille bei ihm suchen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020