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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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15. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Im Gleichnis vom Sämann möchte Jesus uns sagen, dass jeder Priester so ein Sämann ist. Der Samen ist das Wort Gottes, das im Evangelium verkündet und in der Predigt ausgelegt wird.

In der heutigen Zeit haben immer weniger Menschen konkret Erfahrung mit dem Säen. Der landwirtschaftliche Beruf geht zurück. Früher waren die Leute noch viel mehr mit der Natur verbunden und haben die Wunder der Natur bestaunt.

Oft bringt Jesus solche Vergleiche aus der damaligen Lebenswelt der Leute. Jeder konnte sich das mit dem Sämann gut vorstellen, weil er die Erfahrung des Ausstreuens von Samen selbst vielleicht schon gemacht hat, zumindest jemand kennt oder es gesehen hat.

Jesus vergleicht den Sämann jetzt mit einem Prediger, der den Glauben verkündet.

Wenn wir diesen Sämann näher betrachten, fällt uns etwas auf: Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass da einiges, das ausgestreut wird, nicht auf seinen richtigen Platz fällt. Der Sämann sammelt das, was falsch fällt, natürlich auch nicht wieder auf. Das ist gar nicht möglich. Der Sämann weiß, dass vieles auf guten Boden fällt und Frucht bringen wird.

Schauen wir uns einmal diese 3 Orte an, an denen nichts wächst.

  1. Der Weg! Dieser Same gehört den Vögeln, die ihn aufpicken. Was bedeutet das? Der Same kann nicht wirklich eindringen, weil nach kurzer Zeit jemand kommt und ihn wegnimmt. Wer sind diese Leute, die sich so leicht bestehlen lassen und vom kostbaren Samen getrennt werden? Es könnten dies Menschen sein, die in den Gottesdienst gehen und dann müde einschlafen. Es könnte Menschen geben, die die Predigt akustisch nicht hören, weil das Mikrofon schlecht ist, oder weil der Priester zu leise spricht, weil sie selber schwer hören und das Hörgerät vielleicht zu Hause vergessen wurde. Dann gibt es natürlich auch solche, die mit den Gedanken woanders sind oder dass der Prediger zu unverständlich spricht, zu hoch theologisch und die Leute es einfach nicht kapieren. Auf den Weg fällt es bei all diesen, die kein wirkliches Interesse haben, die nicht offen sind für die Botschaft Jesu, die ihr Herz verschließen und sich nicht berühren lassen, nicht ansprechen lassen, sondern ihr Herz zumachen, sodass der Same nicht eindringen kann und diese Leute bringen keine Frucht.
  2. Der felsige Grund! Der Same geht kurz auf, verdorrt aber bald. Es ist zu wenig Erde da, um Wurzeln zu schlagen! Wer sind die? Das ist das bekannte Strohfeuer. Ich denke an Ministranten, die nach der Erstkommunion mit Feuer und Flamme am Altar zu dienen beginnen, aber leider nach kurzer Zeit die Freude wieder weg ist. So manche Menschen sind schnell für etwas zu begeistern, haben aber keine Beständigkeit. Sie haben keine Wurzeln und wenn es schwierig wird, wenn die Sonne heiß herunter scheint und es plötzlich mühsam wird, weil wir schwitzen und wir uns anstrengen müssten, gibt man auf. Das ist sehr schade.  Die Treue ist etwas ganz Wichtiges. Wie schön ist es, wenn man sich auf jemand verlassen kann. Aber nicht jeder schafft es durchzuhalten. Das ist der felsige Boden. Die Saat ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war. Es verdorrte aber, weil es keine Wurzeln hatte.
  3. Das Dornengestrüpp! Die Dornen sind der Reichtum und die Sorgen der Welt. Das ist eine große Gefahr. Das Geld wird bei manchen zu einem Mammon, für den man alles tut und manche vergessen dann leider wieder den lieben Gott. Wer dem Geld und der Habsucht verfallen ist, bei dem kann der Same nicht gedeihen, bei dem kann sich das Wort Gottes nicht entfalten. Man ist im Dornengestrüpp gefangen und kann daher keine Frucht bringen.

In der heutigen Zeit scheint es, dass viel Same nicht aufgeht, und dass es nur wenig zu ernten gibt. Aber der liebe Gott will von uns Geduld sehen.

Das Gute ist, dass man nicht weiß, bei wem es nun auf guten Boden fällt, dass es oft eine Zeit dauert, bis der Same aufgeht. Würde der Priester sehen, welche Aktion, welche Frucht gebracht hat und würde der Priester genau wissen, dass diese Predigt jene Bekehrung hervorbrachte, dann würde der Priester vielleicht stolz werden. Er würde hochmütig werden und kann tief fallen. Das will Gott nicht. Er will demütige Priester. Das Wachstum ist in Gott verborgen. Aber es gibt den Samen, der auf guten Boden fällt. Es gibt den Samen, der Frucht bringt, 30-fach, 60-fach und 100-fach. Amen. 


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020