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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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22. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

„Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Die Kirche verkündet eine Frohbotschaft, und doch gibt es immer wieder ernste Dinge, die wir auch thematisieren müssen. Das heutige Evangelium spricht vom Kreuz und vom Leid und erst am Ende von der Auferstehung.

Wer ein Jünger Jesu sein will, dem bleiben Kreuze nicht erspart, die er auf sich nehmen muss. Wie können Kreuze ausschauen? Das kann die eigene Krankheit sein; das kann das Alter sein; das kann an der Arbeitsstätte sein; das können Ängste jeglicher Art sein; das können Probleme mit dem Ehepartner oder mit den Kindern sein, z.B. ein behindertes Kind, das können finanzielle Schwierigkeiten sein, das können Süchte sein, Alkoholismus, Nikotin oder Drogen.

Unsere Welt ist gezeichnet von Kreuzen. Überall finden wir sie. Menschen neben uns stöhnen unter ihnen, und manche brechen sogar darunter zusammen, oft unhörbar, weil viele Menschen, die vielleicht helfen könnten, es nicht merken, abgelenkt sind durch Geschäftigkeit oder Stress, oder weil viele mit dem Kreuz nichts zu tun haben wollen, abblocken und die Augen davor verschließen. Manchmal wäre bereits geholfen, wenn sich jemand das Kreuz eines anderen nur anhört. Viele fühlen sich schon wohler, nachdem sie jemandem von ihrem Kreuz erzählt haben.

Ich denke aber auch an das Kreuz, das durch die Coronakrise gekommen ist: die Arbeitslosigkeit, die Angst, die Sorge um die Kranken, die Trauer um die Toten, die schwierigeren Bedingungen mit Maske, allen anderen Maßnahmen, die wir beachten müssen, die Wartezeiten an den Grenzen, usw.

Nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach, ist die Aufforderung Jesu.

Dazu möchte ich ihnen eine Geschichte erzählen: Es gab einen jungen Mann, der meinte, dass sein Kreuz für ihn zu schwer sei. Er bat den Jesus, er möge ihm ein leichteres Kreuz geben, denn das Kreuz, das er derzeit trägt, kann er beim besten Willen nicht weitertragen. Jesus antwortete ihm: „Ich habe dir genug Kraft gegeben, damit du das Kreuz tragen kannst. Versuche es wenigstens!“ Der junge Mann aber blieb bei seiner Meinung. Für ihn war das Kreuz zu schwer, um es weiterzutragen. Er nahm eine Säge und sägte einfach ein Stück von seinem Kreuz ab. Es war gleich um einiges leichter, und er hatte manchmal sogar das Gefühl, gar kein Kreuz mehr zu besitzen. Nach ein paar Jahren brach in dem Dorf, in dem der Mann wohnte, ein Feuer aus. Das ganze Dorf stand so schnell in Flammen, dass die Bewohner nicht fähig waren, das Feuer zu löschen. Der einzige Ausweg war ein tiefes Tal, das ansonsten unüberquerbar war. Es gab nur eine Brücke, über die sich ein Teil der Menschen retten konnte, doch es dauerte nicht lange und sie stürzte ein. Die Bewohner kamen nun auf die Idee, die Kreuze, die sie von Jesus empfangen hatten, zu einer Brücke zu machen. Jedem gelang es, so auf die andere Seite zu kommen. Der junge Mann lief als Letzter los. Auch er versuchte, mit seinem Kreuz eine Brücke zu bilden. Er musste aber nun feststellen, dass sein Kreuz ein wenig zu kurz war; genau um dieses Stück, das er abgesägt hatte …

Wir sollen also die Kreuze annehmen, die uns Gott schickt. Manche schneiden von ihrem Kreuz auch etwas weg, weil sie meinen, es ist zu schwer. Was ist darunter zu verstehen? Darunter ist nicht zu verstehen, wenn wir uns alle bemühen, die Kreuze leichter zu machen, uns gegenseitig zu helfen, sondern es gibt unerlaubte Weisen Kreuze zu entfernen. Es gibt Kreuze, die uns Gott schickt, die wir nicht kleiner schneiden dürfen. Eine Frau stellt z.B. fest, sie bekommt ein behindertes Kind. Sie lässt es abtreiben und schneidet somit ein Stück vom Kreuz weg. Hier ist uns aber aufgetragen, das Kreuz anzunehmen, das Kind anzunehmen, denn einen Menschen dürfen wir nicht töten.

Wer den Geboten treu sein will, der muss so manches Kreuz auch tragen. Jesus sagt: Wenn du dein Kreuz trägst, wirst du das Leben gewinnen. Auch das Leben Jesu ging über das Kreuz zur Auferstehung. Petrus wollte es verhindern! Jeder vernünftige Mensch hätte so gehandelt wie Petrus: Jesus darf doch nicht sterben! Doch er überhörte den letzten Teil des Satzes von der Auferstehung. So wird er mit den Worten gerügt, die nicht schlimmer hätten sein können: Weg von mir Satan! Du willst nicht das, was Gott will. Letztendlich aber steht die Auferstehung als Verheißung da, und das ist die ewige Freude.

Auch wir werden diesen Weg in ähnlicher Weise gehen müssen. Es wird keinem das Kreuz ganz erspart bleiben, aber wer auf diese Weise Jesus nachfolgt, die er uns lehrt und sein Kreuz annimmt, wird mit ihm auch Auferstehung feiern dürfen und einmal das ewige Glück genießen können. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020