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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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23. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht.“

Dieser Satz des Evangeliums klingt recht einfach. Es scheint nicht schwer zu sein, ihn zu befolgen. Man muss nur den Mut haben, auf den Nächsten zuzugehen und ihn auf seinen Fehler aufmerksam zu machen. Doch ganz so leicht ist es nicht.

In dieser Anweisung steckt die Erfahrung der ersten Christen, dass auch sie nicht immer ein Herz und eine Seele waren. Auch unter ihnen gab es Sünder. Auch die Christen damals waren nur Menschen mit Fehler und Schwächen. Doch sie bemühten sich Jesu Botschaft zu befolgen, und daher haben sie sicher dieses Wort der brüderlichen Zurechtweisung von Jesus ernst genommen.

Wie soll man das aber nun konkret machen, wenn man bei einem anderen einen Fehler sieht? Manche sagen, das geht mich nichts an und schauen weg. Sie ärgern sich vielleicht über die Fehler und schimpfen darüber, aber selber werden sie nicht denjenigen auf sein falsches Handeln aufmerksam machen.

Es gibt 3 Regeln, die wichtig sind bei dieser Zurechtweisung.

1) Es muss immer in Liebe geschehen. Manche Menschen weisen sehr schnell zurecht, nehmen aber auf die Art und Weise keine Rücksicht. Sie sind oft zu direkt, grob und es kann durchaus beleidigend sein. Wenn ich glaube, bei meinem Mitmenschen auf diesen Fehler nun aufmerksam zu machen, soll ich mich bemühen, es so zu formulieren, dass der andere merkt, es ist dies nicht einfach ein Kritisieren, sondern es ist gut gemeint und ich möchte ihm dadurch helfen. Der andere muss spüren, dass ich es aus Liebe sage.

2) Zweitens ist es wichtig, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Es wäre töricht, gerade dann deinen Mitmenschen zu belehren, wenn er momentan schlecht aufgelegt ist. Wir wollen klug sein und ihn nicht kritisieren, wenn er sowieso schon üble Laune hat. Es ist anzuraten, ein bisschen zu warten und vielleicht erst am Tag danach, ihn dazu ansprechen.

3) Die 3. Regel ist die Geduld. Manchmal ist diese Tugend von uns gefordert. Es kann vorkommen, dass wir momentan eine Abfuhr bekommen. Es kann sein, dass er es nicht einsieht. Es ist nicht immer gleich alles eitle Wonne und so, wie wir es uns vorstellen. Bei manchen Menschen muss man warten können. Der eine wird nach einer gewissen Zeit sich vielleicht das noch einmal überlegen und es dann einsehen. Beim anderen kann es sein, dass es gut ist, wenn wir es später noch einmal versuchen und manche sehen es nie ein. Dann trifft das zu, was wir in der Lesung gehört haben: „Wenn du aber den Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und wenn er dennoch auf seinem Weg nicht umkehrt, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet.“

Diese Worte sind eindeutig. „Sterben seiner Sünden wegen“ bedeutet eventuell, für immer verloren gehen. „Das Leben retten“ ist der Himmel. Wenn ich also merke, es ist meine Pflicht etwas zu sagen, weil es mein Nächster ist, ist es nicht in Ordnung still zu sein. Wenn ich spüre, ich muss ihn zurechtweisen, weil er mein Freund ist, weil ich Verantwortung für ihn trage, würde ich mich mitschuldig machen, wenn ich aus irgendeinem Grund schweige. Gott, so heißt es in der Lesung, wird Rechenschaft von dir fordern. Manchmal kann es wirklich Sünde sein, wenn ich schweige. Ich habe die Pflicht, in gewissen Situationen zu reden und den Mund aufzumachen.

„Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter 4 Augen zurecht.“ Ich habe ihnen jetzt 3 Regeln dazu gegeben, die man dabei beachten soll. Immer aber ist eines notwendig. Wenn wir Sünden am Mitmenschen sehen, sind wir zuerst dazu aufgerufen für ihn zu beten, dass er es einsieht, und die Gnade bekommt sich zu bessern. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020