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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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26. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Uns allen, wie den Leuten von damals, ist klar, dass der zweite Sohn den Willen des Vaters erfüllt hat. Obwohl er vorher nicht zugesagt hat, überlegt er es sich noch einmal und tut dann, was der Vater ihm angeschafft hat. Er ist zwar am Anfang bockig und lehnt sich gegen den Willen des Vaters auf, gehorcht aber dann doch.

Aufgrund des Evangeliums wollen wir uns deswegen über den Gehorsam Gedanken machen.

Ein Beispiel dazu: Ein Kind eines Bahnwärters spielte einmal auf dem Bahndamm. Plötzlich kommt ein Zug. Der Bahnwärter bemerkte mit Schrecken die Gefahr, in der sein Kind schwebte, und konnte ihm nur noch zurufen: Hinlegen! Das Kind war gewöhnt augenblicklich zu gehorchen und warf sich zwischen die Schienen. Ein paar Sekunden später raste der Zug über das Kind hinweg. Das Kind aber erhob sich unversehrt und sprang seinem Vater in die Arme.

Der Gehorsam hat dem Kind das Leben gerettet. Es hat von klein auf gehorchen gelernt und wurde daher auch in dieser Situation vom Tode bewahrt.

Natürlich gibt es auch eine Grenze des Gehorsams. Es gibt einerseits Leute, die ihre Kompetenzen überschreiten und kein Recht haben, uns etwas im Gehorsam zu befehlen. Hier kann ich es als Rat annehmen und tun, muss es aber nicht.

Andererseits gibt es Situationen, in denen ich gar nicht gehorchen darf. Das ist dann der Fall, wenn mir jemand befiehlt, eine Sünde zu tun. Wenn ich mit meiner Tat ein Gebot Gottes übertreten würde, dann darf ich das gar nicht tun. Der Gehorsam gegenüber Gott steht höher. Wenn Eltern befehlen würden zu stehlen, zu lügen, zu töten usw., dann darf ein Kind natürlich nicht folgen.

Ein Vater hat seinem Sohn einmal angeschafft am Sonntag zu arbeiten. Dieser wies auf das 3. Gebot hin, doch der Vater sagte: „Die Gebote Gottes sind nur für die kleinen Kinder da!“ Darauf sagte der Sohn: „Nach dem 3. Gebot kommt das 4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren. Wenn dieses Gebot auch nur für die kleinen Kinder da ist, brauche ich nicht zu gehorchen!“

Bei unserem Beispiel war der Gehorsam gegenüber Gott also vorrangig.

Allgemein aber ist es wichtig, das Gehorchen zu lernen. Kinder müssen im Gehorsam erzogen werden. Die Kinder sollen aber auch verstehen, warum sie gehorchen sollen. Der richtige Gehorsam ist der Gehorsam aus Pflicht und Liebe.

Warum gehorchen Kinder den Eltern? Wenn man Kinder fragt, warum sie zu Hause gehorchen, wird man die unterschiedlichsten Antworten bekommen. Einige sagen vielleicht, weil ich sonst bestraft werde. Andere werden vielleicht antworten, weil sie dafür am Ende der Woche etwas Geld bekommen oder sonst das Taschengeld gekürzt oder gestrichen wird. Manche folgen gern, wenn sie eine Belohnung bekommen, wenn sie Schokolade bekommen, wenn die Mutter ihnen dafür etwas schenkt oder Geschichten erzählt oder mit ihnen spielt. Wieder andere folgen nur, weil sonst ein Donnerwetter kommt!

Das sind alles mögliche Motivationen, um zu gehorchen. Nur bei wenigen Kindern wird wohl die einzige Motivation sein: Ich folge, weil die Mutter es so will und weil ich ihr damit Freude mache. Der richtige und beste Gehorsam ist aber nicht der Gehorsam aus Furcht und Zwang, sondern aus Pflicht und Liebe. Auch wenn manchmal andere Methoden angewandt werden, um Kinder das Gehorchen zu lernen, auch wenn manchmal ein wenig Druck ausgeübt werden muss, soll das oberste Ziel immer die Liebe sein. Kinder sollen spüren, dass die Eltern etwas gutes tun, wenn sie ihnen das Gehorchen lernen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020