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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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27. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Heute ist der 4.10., der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Da auch unser jetziger Heiliger Vater sich diesen Namen ausgesucht hat, darf ich an den heiligen Franziskus erinnern, der uns nicht nur wegen seiner Liebe zur Schöpfung bekannt ist, sondern auch besonders die Armut in radikaler Weise gelebt hat. Papst Franziskus hat hier ebenfalls immer wieder Akzente gesetzt: Die Armen auf der Welt nicht zu vergessen. Das hat er auch betont in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium: Nein zur neuen Vergötterung des Geldes. Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen. Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt. Das sind nur drei Überschriften, bei denen wir schon seinen Schwerpunkt merken. Wenn wir uns den Armen zuwenden, dann werden auch wir von den Armen beschenkt, sagt Papst Franziskus. Wir werden selbst von den Armen belehrt, ja evangelisiert. Sie haben uns vieles zu lehren. Sie kennen dank ihrer eigenen Leiden den leidenden Christus.

So hat der heilige Franz von Assisi diese Armut selbst vorgelebt. Vorher hat er ein sehr ausschweifendes Leben geführt, das ihn aber nicht glücklich gemacht hat. Auf so einem Trinkgelagefest wurde er wieder einmal sehr nachdenklich und hat sich von seinen Freunden entfernt. Als sie ihn abseits gefunden haben, fragten sie ihn, was los sei: Er schaue aus, wie wenn er verliebt sei. Er ist so abwesend mit seinen Gedanken. Franziskus antwortete darauf, dass er tatsächlich verliebt ist. Die Freunde konnte es kaum erwarten den Namen der Glücklichen zu erfahren und waren dann ganz enttäuscht, als er es verraten hat. Seine Geliebte ist die Armut.

Es hat sich im Vorfeld schon immer wieder einmal abgezeichnet. Eines Tages kam ein Bettler in den Kaufladen, um etwas Geld zu bekommen. Er wurde weitergeschickt. Franz bekam plötzlich so viel Mitleid mit ihm, lief ihm nach und schenkte ihm etwas.

Das Eigenartige bei Franz war seine Radikalität, die er dann entwickelte. Sein Vater war ganz und gar nicht damit einverstanden, wenn er wieder etwas verschenkte.

Franziskus begann dann auch Kirchen herzurichten, nachdem er die Vision in der Nacht hatte, die er falsch deutete, wo Gott zu ihm sagte: Bau mir meine Kirche wieder auf. Erst später verstand er, dass nicht die Kirchenbauten damit gemeint sind, sondern viele Mitglieder der Kirche nicht mehr nach den Geboten Gottes lebten.

Seine Beziehung zum Vater spitzte sich dann so zu, dass es zum Eklat kam. Er verkaufte wieder einmal unerlaubterweise etwas von Vaters Kaufladen, um das Geld zum Herrichten der Kirchen zu verwenden. Der Vater klagte ihn daraufhin an, und er musste sich beim Bischof verantworten. Da kam es zu dieser berühmten Szene, wo er alles seinem Vater zurückgab. Schließlich legte er sein ganzes Gewand ab und mit nichts stand er nun vor dem Bischof, der seine Blöße dann mit seinem Mantel bedeckte. Seine berühmten Worte hat man aufgeschrieben: Mein Vater heißt ab jetzt nicht mehr Pietro Bernardone, sondern mein Vater ist nunmehr der Vater im Himmel.

Geld war für Franziskus wie Kot oder wie Dreck. Der Orden, den er gründete, hat das Charisma eines Bettelordens. „Nehmt nichts mit auf den Weg.“ Auf diese Bibelstelle ist die Ordensregel aufgebaut!

Dass er die Armut lebte in besonders strenger Weise, zeigen folgende Beispiele:

Ein Kirchenbesucher hat vor einem Kreuz ein Geldstück zurückgelassen, um ein Opfer zu bringen. Einer der Brüder warf diese milde Gabe in eine Fensternische, um sie vor dem Heiligen zu verbergen. Als Strafe musste er das Geld mit dem Mund aufheben und auf einen Misthaufen legen. Diese Verachtung gegen das Geld schärfte Franziskus denen, die ihm nachfolgen wollten, immer wieder ein. Sie sollten den Reichtum fliehen wie den leibhaftigen Teufel.

Ein andermal sammelte ein Mitbruder aus falscher Liebe Geld von der Straße auf, um es einem Aussätzigen zu geben. Da verliert er wegen des Verstoßes seine Sprache.

Oder einmal finden sie eine volle Geldbörse auf der Straße. Einer meinte, man könne sie den Armen geben. Franziskus wies ihn zurecht: Es sei kein Verdienst, sondern ein Vergehen, fremdes Gut zu verschenken. Sie gingen weiter und ein Mitbruder hörte nicht auf zu bitten, umzukehren. Schließlich erfüllte ihm Franziskus den Wunsch und als der Bruder die Geldbörse nahm, da sprang plötzlich eine große Schlange aus der Geldbörse. Da sagte Franziskus: „Das Geld ist für die Diener Gottes nichts anderes als der Teufel und eine giftige Schlange.“

Für uns, die wir in einem reichen Land leben, ist es immer wieder wichtig, sich diesbezüglich selbstkritisch zu fragen: Welche Rolle spielt bei mir das Geld? Ist es ein Mammon? Oder verwende ich es verantwortungsvoll? Wie schaut es mit meiner Spendenfreudigkeit aus? Was leiste ich mir? Was verschleudere ich? Was gebe ich unnütz aus usw.

Bitten wir heute den heiligen Franziskus, dass er uns dabei helfe, dass das Geld uns nicht den Zutritt zum Himmel verwehrt. Die Worte Jesu „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr!“ sind ernste Worte. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020