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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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28. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Jeder von uns ist schon einmal eingeladen worden. Hochzeitseinladungen sind zwar sehr selten geworden, aber es gibt immer wieder Einladungen zum Geburtstag oder zu einem anderen freudigen Ereignis. Nicht jede Einladung nehmen wir an. Manche Einladungen sind Pflichteinladungen, zu denen man anstandshalber hingehen muss, auch wenn es einen nicht freut. Es gibt jedoch auch Einladungen, die uns Freude und Ehre bereiten. Und wir bekommen Einladungen, die wir nicht annehmen und zu denen man sich entschuldigen lässt.

Im Evangelium bereitet ein König die Hochzeit seines Sohnes vor. Er gibt sich sehr viel Mühe und schlachtet Tiere. Die besten sucht er dazu aus. Jetzt will er viele Leute einladen. Die Einladung erfolgt in drei  Etappen. Zuerst benachrichtigt er die Leute, dass sie zu der zeitlich noch etwas ferneren Hochzeit eingeladen sind. Dann werden die Knechte mit der Botschaft, ausgesandt, sie mögen jetzt kommen. Das lehnen aber alle ab. Daraufhin schickt der König wiederum Diener aus mit der Botschaft der Dringlichkeit. Er möchte es ihnen sogar schmackhaft machen und richtet ihnen aus: Das Essen ist schon fertig. Alles ist bereit. Ich habe die besten Tiere dafür geschlachtet. Kommt! Doch es ist ergebnislos. Er hat keinen Erfolg.

Es ist auffällig, dass er die Leute, die zu dieser Hochzeit kommen sollten, gleich dreimal dazu einlädt. Der König hatte also sehr viel Geduld. Und erst als er hörte, dass sie seine Diener sogar umgebracht haben, wurde er zornig und verbrannte ihre Stadt.

Liebe Brüder und Schwestern! Das Evangelium von Matthäus ist voll von Zitaten aus dem AT. Er versucht damit zu beweisen, dass Christus der ist, auf den alle sehnsüchtig gewartet haben! Jetzt ist er da und was stellt er fest? So und so viele Juden glauben es nicht! Sie warten weiterhin auf den Messias. Das war schon so, als Jesus lebte. Da erinnert er sich, dass Jesus diese Gleichnisse erzählt hat. Er hat es vorausgesagt! Erinnern sie sich an den letzten Sonntag! Die Winzer bringen den Sohn um! Die Juden bringen Jesus ans Kreuz. Heute hörten wir dieses Gleichnis vom Hochzeitsmahl und es bedeutet das Gleiche. Viele Juden lehnen die Einladung ab. Daraufhin werden andere eingeladen. Das Evangelium wird den Heiden verkündet, weil viele Juden es nicht annehmen wollen! Die Stadt hat er zerstören lassen. Es erinnert uns an die Zerstörung von Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. Das Evangelium zeigt uns also die Verstocktheit mancher Juden, die Jesus ablehnten.

Aber nicht nur für die Juden hat Jesus dieses Gleichnis erzählt. Auch für unsere Zeit. Was will uns heute dieses Gleichnis sagen? Gott lädt ein!

Wie oft geht der Ruf Gottes an uns? Wie oft lädt er uns ein und schickt seine Diener? Immer wieder lädt er zum Sonntagsgottesdienst ein! Die Messe ist auch ein Hochzeitsmahl. Das himmlische Hochzeitsmahl wird in geheimnisvoller Weise gefeiert. Wir sind dazu herzlich eingeladen. Oft haben aber auch wir Ausreden: Sportveranstaltungen, Müdigkeit, keine Lust, andere Termine, usw. Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder einer blieb im Bett liegen, um auszuschlafen.

Der zweite Teil des Gleichnisses betrifft uns Kirchgänger. Da hat sich doch einer eingeschlichen, der kein Hochzeitsgewand angezogen hat! Haben wir das entsprechende Gewand an? Das heißt nicht nur, dass wir nicht im Arbeitsgewand in die Kirche gehen sollen. Sicherlich ist es nicht passend, wenn wir mit schmutzigen und zerrissenen Kleidern im Gotteshaus erscheinen. Aber hier ist auch das innere Kleid der Seele gemeint. Paulus beschreibt es einmal mit folgenden Worten: Zieht den alten Menschen aus und zieht den neuen Menschen an. Bei der Taufe wird dem Täufling ein weißes Kleid angezogen als Symbol für die Reinheit, die Sündenlosigkeit seiner Seele. Das ist das hochzeitliche Christuskleid. Es ist die Seele im Zustand der Gnade. Dann dürfen wir hinzutreten zum Hochzeitsmahl.

Ein Israelit damals wusste, wie er sich bei einer Einladung zu kleiden hat, auch wenn er bloß ein Bettler war. Das ist hier vorausgesetzt. Dieser hat es nicht der Mühe wert gefunden, sich um ein besseres Kleid umzusehen. Es geht also nicht in erster Linie um das äußere Kleid, sondern es geht, wie gesagt, um das Kleid der Seele: Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.

Der eine Mann, der kein Hochzeitsgewand angezogen hat, wird uns immer daran erinnern, dass der Mensch niemals ganz sicher sein kann, ob er jenes hochzeitliche Kleid trägt. Bemühen wir uns also um dieses Hochzeitsgewand, denn keiner kann von sich mit 100% Sicherheit sagen, dass er gerettet wird. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020