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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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29. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Wir feiern heute den Weltmissionssonntag. Die Kirchengeschichte ist voll von guten Missionaren, die in die Welt hinausgegangen sind und den Glauben verkündet haben. Doch einer Person ist es zu verdanken, dass die Kirche Weltkirche geworden ist, und zwar dem heiligen Paulus. Der heilige Paulus war sicherlich der größte Missionar der Kirchengeschichte. Er ging überall hin und verkündete Christus, den Gekreuzigten, mit einer Begeisterung und einer unvorstellbaren Überzeugungskraft. Es ist fast nicht nachvollziehbar, dass er so viele Heiden für Christus gewinnen konnte, und dass er bei seinen Missionsreisen so viele Menschen taufen und in die Kirche Christi aufnehmen konnte.

Wie hat er das gemacht? Wie hat er missioniert? Warum hatte er einen solchen Erfolg?

Sicherlich dürfen wir nicht vergessen, dass, wenn wir die Apostelgeschichte lesen, Gott durch Wunder die Glaubwürdigkeit seiner Predigt verstärkte. Wenn er einen Toten, der vom Fenster stürzte, wieder aufweckte, wenn ihm der Biss einer giftigen Schlange nichts ausmachte, wenn seine Vorhersage eintraf, dass sie durch den Sturm nicht untergehen werden, sind das natürlich alles Zeichen Gottes, die ihn in seinem Wirken stärkten und die ihn glaubwürdig machten. Aber er muss auch von einer unheimlichen Liebenswürdigkeit gewesen sein, denn sonst wären sie beim Abschied nicht in Tränen ausgebrochen. In der Apostelgeschichte im Kapitel 20 heißt es: „Nach diesen Worten kniete er nieder und betete mit ihnen allen. Und alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und küssten ihn; am meisten schmerzte sie sein Wort, sie würden ihn nicht mehr von Angesicht sehen.“ Wie groß war die Liebe zu ihm!

Er muss die Liebe Christi gelebt haben. Er muss Liebe ausgestrahlt haben. Das, was er im Korintherbrief über die Liebe geschrieben hat, dass alles nichts ist ohne die Liebe und dass die Liebe das Größte ist, hat er in seinem Leben umgesetzt und durch seine Worte und Taten gelebt.

Er hat aber auch seine Bekehrung durchgelitten. Er hat Opfer bringen können. In einem seiner Briefe zählt er auf, was er alles durchgemacht hat: dass er ausgepeitscht wurde, gegeißelt wurde, geschmäht wurde, und er hat es alles für Christus gelitten: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Das sind seine Worte, die auch wir uns zu Herzen nehmen sollen. Er war ein vollkommenes Werkzeug Christi. Er war es aber nicht von Anfang an, sondern im Gegenteil! Wir wissen es! Er war zuerst der ärgste Christenverfolger. Er hatte die Christen gehasst. Er zog nach Damaskus, um die Christen aufzuspüren, um sie gefangen zu nehmen und brutal zu töten. Diese Sekte sollte ausgelöscht werden. Sie spaltet nur das Judentum. Und dann kam sein Bekehrungserlebnis: das helle Licht, sodass er auf die Erde fiel und dann die Stimme: Saul, warum verfolgst du mich? Wer bist du? Ich bin Jesus, den du verfolgst. Wenn du meine Kirche verfolgst, wenn du die Christen verfolgst, dann verfolgst du mich. Er konnte nicht mehr sehen, bis er sich taufen ließ. Er hat sich bekehrt und wurde zum eifrigsten Verkünder der Botschaft Christi.

Paulus war auch sehr klug. Er findet bei den Griechen in Athen einen Altar mit der Aufschrift: dem unbekannten Gott. Hier setzt er an und predigt: Diesen Gott verkünde ich euch. Wir sollen bei unserer Verkündigung ebenfalls immer klug sein, aber immer auch das ganze Evangelium verkünden. Das hat Paulus gemacht. Er hat sehr wohl dann das Entscheidende gesagt: dass Christus gekreuzigt worden ist, dass er auferstanden ist, und dass die Toten auferstehen werden. Und dann kam die traurige Reaktion: Davon wollen wir ein anderes Mal hören. Das gibt es nicht! Das können wir nicht glauben, dass ein Gott stirbt und aufersteht. Aber gerade das ist das Wichtigste. „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unsere Predigt leer und euer Glaube sinnlos.“ Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er uns erlöst. Paulus hat immer wieder darauf hingewiesen.

Wir alle wollen immer wieder dafür dankbar sein, denn durch diese Tat, wurde uns Erlösung zu teil. Durch diese Tat wurde uns die Möglichkeit eröffnet in den ewigen Wohnungen Platz zu finden. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020