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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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4. Sonntag im Jahreskreis 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Bis zum Jahr 1912 war Maria Lichtmess in meiner Heimat Bayern noch ein Feiertag. Die Weihnachtszeit wurde damals erst an diesem Tag beendet. Die Liturgiereform hat es dann verkürzt, sodass jetzt mit dem Fest der Taufe Jesu der Weihnachtsfestkreis abgeschlossen wird. Kerzen hatten früher, als es noch kein elektrisches Licht gab, eine noch viel größere Bedeutung als heute. Bei Taufe, Erstkommunion, Hochzeit und beim Sterben durfte die geweihte Kerze nicht fehlen.

Auch heute ist Gott sei Dank die geweihte Kerze noch zu finden, aber nicht mehr so stark. Der 2. Februar jedoch ist längst kein Feiertag mehr, und er fällt sehr selten auf einen Sonntag, so wie heute, sodass Maria Lichtmess, heute sagen wir Darstellung des Herrn, nicht mehr stark in dieser Form bei den Menschen präsent ist. Und doch, auch wenn es nicht mehr der Abschluss des Weihnachtsfestkreises ist und wenn der Fasching dieses Fest überschattet, haben wir heute feierlich die neuen Kerzen geweiht und sind mit Kerzen in einer kurzen Prozession durch die Kirche gegangen.

Welche Beziehung hat diese Kerzenweihe zum Ereignis damals im Tempel. Im Tempel von Jerusalem brannte zwar der siebenarmige Leuchter der Juden, und es wurden Brandopfer dargebracht, aber von Kerzen ist nicht die Rede. Nur der Prophet Simeon spricht von dem Kind vorausschauend als einem „Licht, das die Heiden erleuchtet.“

Maria Lichtmess liegt zwischen der Heiligen Nacht und der Osternacht. In der Heiligen Nacht feierten wir das Licht, das in die Finsternis kam, und die Finsternis hat es nicht erfasst. In der Osternacht wird das Licht Christi der Osterkerze besungen: die Osterkerze, die vorher am Osterfeuer vor der Kirche entzündet wurde.

Heute steht also auch wieder das Licht Christi im Mittelpunkt. Christus ist das Licht der Welt.

Heute ist das Jesuskind das Licht, das auch die Heiden erleuchtet. Jesus ist nicht nur für die Juden auf die Welt gekommen, sondern für alle Menschen. Das wird vom Propheten Simeon ganz deutlich verkündet.

Der heilige Paulus hat sich dafür ganz besonders eingesetzt. Er ist hinausgegangen zu den Heidenvölkern und hat dort das Evangelium verkündet. Er hat ihnen dieses Licht gebracht: allen Nichtjuden. Das sind auch wir. Paulus hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Kirche nicht auf Israel beschränkt blieb, sondern eine Weltkirche wurde. Ihm und seinen Einsatz müssen wir dankbar sein. Dass Gott für alle Menschen auf die Welt gekommen ist, wurde schon durch die Weisen aus dem Morgenland hingedeutet. Am Ende vor seiner Himmelfahrt sagte Jesus selbst es dann ganz deutlich: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen das Evangelium.

Bringt allen das Licht! Jesus ist also das Licht, das auch die Heiden erleuchtet. Gott erwählte sich ein Volk, das Volk Israel. Er schloss mit ihn mehrere Bünde: den Bund mit Noah, den Bund mit Abraham, den Bund mit Mose, den Bund mit David und schließlich den neuen Bund mit seinem Blut. Dieser Bund ist aber nicht, wie es bisher gewesen ist, begrenzt auf eine bestimmte Personengruppe, auf ein bestimmtes auserwähltes Volk, sondern diesen Bund möchte er mit jedem Menschen schließen. Die Kirche ist deswegen eine Weltkirche geworden. Sie hat sich auf der ganzen Erde ausgebreitet. Weil Gott uns diesen Auftrag gegeben hat, sind die Missionare überall hingegangen und haben in allen Ländern das Evangelium verkündet. Und Gott hat ihnen die Gnade des Erfolgs geschenkt. Er will, dass seine Kirche auf der ganzen Erde leuchte. Gott wollte also auch, dass den Heiden das Evangelium verkündet wird. Denn er ist das Licht, das eben auch die Heiden erleuchtet. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020