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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Karfreitag 2020 A

Messtexte | Word-Dokument

Am Karfreitag, dem Tag des Todes Jesu, blicken wir auf das Kreuz. In dieser schwierigen Zeit ist dies in besonderer Weise wichtig. Was hat Christus alles gelitten für uns? Er möchte alle Krankheiten heilen! Er möchte auch nicht den Coronavirus. Dieser Virus verkörpert das Böse und ist das Gegenteil von dem, was Jesus und wir Christen wollen. Wir wollen Gemeinschaft! Der Virus trennt! Wir wollen liebevolle Nähe! Dieser Virus verlangt Abstand. Christus will, dass wir einander nahe sind. Diesem Virus entgehen wir aber nur durch Entfernung und Alleinsein. Und das bedeutet Opfer bringen. Das bedeutet oft Einsamkeit. Das bedeutet Leid und Kreuz. Dieser Virus ist also in höchstem Maße teuflisch. Wir müssen, wenn wir helfen wollen, aufpassen, dass wir selber nicht krank werden. Aber dieser Virus kann nur das irdische Leben krank machen und eventuell auslöschen. Über das übernatürliche Leben hat er keine Macht. Und das sagt uns sehr eindeutig der Karfreitag.

Heute, am Karfreitag, wenn wir des Todes Jesu Christi gedenken, möchte ich den Blick auf Jesus am Kreuz hinlenken und bitten, dass wir besonders auf sein Herz schauen, das mit einem Lanzenstoß geöffnet wurde, nachdem er schon tot war. „Sie zerschlugen ihm die Gebeine nicht.“ Die Schrift musste sich erfüllen. Dort heißt es: „Ihr sollt ihm kein Gebein zerbrechen.“ So lesen wir es im Buch Exodus. Mose befahl damals, dass dem Paschalamm kein Knochen zerbrochen werden darf. Jesus ist dieses geopferte Paschalamm. Und weiter soll die Schrift erfüllt werden: „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben!“ Diese vorausschauenden Worte schreibt der Prophet Sacharja. „Sie werden um ihn klagen, wie man um den einzigen Sohn klagt. Sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint.“

Aber nicht nur die Schrift hat sich dadurch erfüllt, sondern diese Öffnung des Herzens Jesu deutet auf viele schöne Dinge hin.

Wir kennen sicher alle das Bild des barmherzigen Jesus von der hl. Sr. Faustina. Aus dem Herzen Jesu sieht man blaue und rote Strahlen hervorkommen. Es strömten Blut und Wasser daraus hervor. Die Kirche hat dieses Geschehen immer auf die Sakramente gedeutet. Blut steht für die heilige Eucharistie und Wasser für die heilige Taufe.

Dieser Lanzenstoß des Soldaten erinnert weiter an Maria und die Prophezeiung des Propheten Simeon. Er hat ihr im Tempel damals vorausgesagt: Deine Seele wird ein Schwert durchbohren. Die Durchbohrung des Herzens hat Jesus nicht mehr weggetan, denn er war schon tot. Umso mehr schmerzte dieser Stoß die Mutter. Ihre Seele wurde damit durchbohrt. Sie leidet unter dieser Tat, dass nicht einmal dem toten Jesus diese zusätzliche, normalerweise todbringende Verwundung erspart bleibt.

Wenn wir in die Offenbarung, in das letzte Buch der Hl. Schrift, hineinschauen, dann schreibt Johannes über das unschuldige Lamm Gottes. Er sieht eine große Zahl von Menschen mit weißen Kleidern. Wir sind diese? Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen. Sie haben ihre Gewänder reingewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Jesus ist dieses unschuldige Lamm, das geopfert wurde für die Sünden der Welt. Das rote Blut macht unsere Seele weiß.

Dieses hervorfließende Blut aus dem Herzen Jesu ist das Zeichen seiner großen Liebe. Das Herz wurde geöffnet für uns. Es ist das Eingangstor zum Himmel. Seither ist die verschlossene Paradiesespforte wieder geöffnet. Das geöffnete Herz ist die neue Pforte, durch die alle gehen können. Der Teufel kann dieses geöffnete Herz nicht mehr verschließen. Er hat sogar ungewollt mitgewirkt, dass es geöffnet wird.

Von dem Blut, das hier hervorfließt, spricht der hl. Pfarrer von Ars folgende schöne Worte: Könnte man dieses Herz leer trinken, ich hätte es schon lange getan. Es fließt noch immer besonders in den Sakramenten der Beichte und der Eucharistie. Es hört nie auf zu fließen bis ans Ende der Tage, bis zum Tag der Wiederkunft Christi.

Gott gibt also alles, sogar sein Herz. Jesus lässt sich zuerst gefangen nehmen, dann verspotten, verprügeln, quälen, bespucken, auslachen und schließlich kreuzigen und töten. Warum? Alles aus reiner Liebe.

Das Schöne ist, dass das Herz Jesu und seine Liebe noch viel ansteckender sind als der Coronavirus. Jeder der sich dem Herzen Jesu nähert, der wird angesteckt von der Liebe Christi. Diese Liebe Christi vernichtet all das Böse in uns. Es frisst die Schuld in uns auf. Irgendwann, so sagen es uns die Wissenschaftler, wird die Menschheit immun gegen den Coronavirus, aber die Menschheit kann nicht immun werden gegen die Liebe Gottes. Diese Liebe ist stärker als alle anderen Kräfte der Welt. Wenn wir uns also in dieser Zeit vom Mitmenschen fernhalten sollen, um nicht angesteckt zu werden, so wollen wir uns umso mehr dem Herzen Jesu nähern. Denn dann werden wir magnetisch angezogen, und es wartet im Himmel die ewige Liebe Gottes auf uns. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2020